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Anne Will, als sie sich sagen lassen musste, das Team halte sich im Studio nicht an einen Sicherheitsabstand Bild: screenshot ard

Virologe bei "Anne Will": "Gibt mehr Infizierte, als wir denken"

Jeden Tag gibt es neue Meldungen und Maßnahmen, die sich um das weltbeherrschende Thema Coronavirus drehen. Schulen werden geschlossen, Kneipen machen dicht, der Regionalverkehr der Bahn wird eingeschränkt.

Auch Anne Will möchte am Sonntagabend wissen, ob es noch gelingen wird, die Ausbreitung des Virus wirklich zu verlangsamen und wie drastisch die Maßnahmen noch werden müssen.

Zu Gast waren Vize-Kanzler Olaf Scholz, Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie der Charité NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Journalistin Cerstin Gammelin, Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes sowie Virologe Alexander Kekulé.

"Anne Will": Virologe über Coronavirus

Von Kekulé möchte Will wissen, ob sich Deutschland zu zögerlich aufstellt. "Wir haben bis jetzt ein wenig verschlafen", urteilt der Virologe. Da sei Deutschland aber nicht allein, in ganz Europa sei das der Fall.

"Mitte Januar war klar, was hier los ist: Das Sars-Virus ist zurück."

Virologe Alexander Kekulé anne will

In Hinblick auf den Ausbruch in China hätte man hierzulande früher reagieren sollen, was Einreisekontrollen, Schulschließungen oder Tests auf das Coronavirus angeht.

Durch das Unterlassen dieser Maßnahmen habe man riskiert, dass ein Kind, dessen Erkrankung nicht erkannt wurde, acht Wochen später 3000 Menschen infiziert. "So exponentiell ist die Kette", erklärt Kekulé. Bei einer Sterberate von 0,5 Prozent kämen in dieser Rechnung 200 bis 300 Menschen ins Krankenhaus und 15 sterben – bei einem Kind.

Nach Kekulé Einschätzungen befinden wir uns nun in einer der letzten Phasen: Krankenhäuser vorbereiten.

Im Folgenden befürwortet er die Schließungen der Schulen. Als Beispiel nennt er China, "wo wir alle zugeschaut haben", und stellt ein Experiment vor: einen Shutdown von zwei bis drei Wochen. So lange dauert die Inkubationszeit, also die Zeit, in der wir uns anstecken können.

Was steckt hinter dem "Experiment"?

"Wenn wir auf der ganzen Welt zwei Wochen verhindern, dass sich irgendjemand ansteckt, dann wäre die Krankheit nach zwei Wochen erledigt."

"Im Moment sind wir bei fast 5000 Fällen", wirft Anne Will ein (Stand Sonntag, 21 Uhr). Wird vom Virologen aber unterbrochen. "Ja, aber da schauen wir in die Vergangenheit", wir blicken 10 Tage zurück."

Wie kommt das? Bis die Krankheit entdeckt, die Diagnose ausgestellt und das Virus gemeldet wurde, vergehen einige Tage, erklärt er. Und stellt eine neue Annahme in den Raum:

"Wir sind jetzt schon über die 5000 Fälle hinaus."

Den Fachleuten sei das bewusst, so Virologe Alexander Kekulé.

Beispiel Österreich und Italien

Als letzte Möglichkeit hat Italien eine Quarantäne für seine Landsleute verhängt – niemand darf mehr seine Wohnung verlassen. "Warum ist wie in Österreich keine Ausgangssperre da?", fragt Cerstin Gammelin.

"Aus Sicht der Epidemiologie gibt es kein Argument, nicht mehr an die frische Luft zu gehen", erklärt Kekulé. Man stecke sich in geschlossenen Räumen an, führt er weiter aus und sieht keinen Grund, warum Familien unter sich nicht in den Park spazieren gehen sollten.

"Das heißt ja", wirft Gammelin ein, "dass die Österreicher das falsch machen". "Ja, ist so", lautet die knallharte Antwort. "Die ganze Republik in die Bude zu sperren... dafür gibt es keine Indikation", schließt der Virologe.

Falsch macht es auch Anne Will

Und dann gab es für Moderatorin Anne Will noch einen Rüffel. Im Studio fragte Will die Ärztin Claudia Spies, was man noch machen könne. "Prävention" sei am Wichtigsten, erklärte sei und: Abstand. "Nicht so wie hier", ergänzte Spies und deutete in die Runde. Das verzogene Gesicht von Anne Will sagte alles. "Wir rücken auseinander", konnte Will dann nur noch kleinlaut hinzufügen.

In Österreich hält man sich daran

(lin)

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