Achim Theiler schrieb Jens Spahn einen Brief. Der blieb unbeantwortet.
Achim Theiler schrieb Jens Spahn einen Brief. Der blieb unbeantwortet. Bild: screenshot zdf

Schutzmasken-Importeur schrieb Corona-Brief an Spahn – der ignorierte Warnung

Haben wir genug Geld, Kraft und Zeit, um die Corona-Krise zu überstehen? Diese Fragen stellte Maybrit Illner am Donnerstagabend in der gleichnamigen ZDF-Talkrunde zur Debatte. Die Studio- und Skype-Gäste kreieren am Ende zwei Schauplätze – und beide sparen nicht mit unverhohlener Kritik und Erkenntnissen, was Deutschland in der Krise alles falsch macht und gemacht hat.
27.03.2020, 12:51
maik mosheim

Es ist eine komplizierte Runde in einer komplizierten Zeit. Drei Gäste sitzen im Studio, zwei sind via Video-Telefonat zugeschaltet. Die eine ist Sandra Ciesek, Virologin aus Frankfurt, der andere Alexander Graf Lambsdorff. Der FDP-Politiker war selbst am Coronavirus erkrankt. Betonung auf "war", denn: "Ich habe eine gute Nachricht, ich wurde vor eineinhalb Stunden negativ getestet", erzählt er.

Moderatorin Illner hat dafür nur ein wenig aussagekräftiges "Ah" übrig. Graf Lambsdorff ist sich mit seinem Politiker-Kollegen im Studio, Karl Lauterbach von der SPD, einig: Die ergriffenen Maßnahmen, namentlich vor allem das Kontaktverbot, seien sehr sinnvoll.

Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der Sozialdemokraten, ist selbst Epidemiologe.

"Die gute Nachricht ist, dass sich momentan wenige infizieren, die schlechte, dass sich keine Immunität aufbauen kann."
Karl Lauterbach

Er plädiert dennoch dafür, die getroffenen Maßnahmen, wenn überhaupt, langsam zurückzufahren. Und jedes weitere Handeln müsse wohlüberlegt sein.

Lauterbach: "Das ist natürlich peinlich für uns"

"Das ist keine Entscheidung, die Wissenschaftler oder Ärzte treffen können." Die Politik müsse das übernehmen. Drei mögliche Ziele sieht Lauterbach derzeit im Gespräch. Sein präferiertes Ziel ist ein bislang wenig diskutiertes, sehr strenges: Er will, dass sich so wenig Leute wie möglich infizieren – egal, um welchen Preis.

Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach.
Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach.Bild: screenshot zdf

60 bis 70 Prozent der Deutschen würden das Virus über kurz oder lang kriegen, rechneten Experten am Anfang der Pandemie vor, Lauterbach will 10 bis 15 Prozent schaffen – und dann auf den Impfstoff hoffen, der vielleicht in mittelferner Zukunft fertiggestellt werden könnte. Was ihm derzeit besonders sauer aufstößt, ist der Mangel an Schutzkleidung. Episodisch erzählt Moderatorin Illner, dass der Heinsberger Landrat bereits den chinesischen Präsidenten Xi Jinping um Hilfe bat. "Das ist natürlich peinlich für uns", kommentiert Lauterbach. Die Abhängigkeit von China und Indien dürfe nach der Pandemie auf keinen Fall so bestehen bleiben.

Spahn ignorierte Brief von Importeur

Dann: Auftritt Achim Theiler. Der Importeur von Schutzmasken sieht das genauso – und wirbelt die Runde gehörig auf. Er erzählt, dass er Gesundheitsminister Jens Spahn einen Brief schrieb, in dem er ihn bat, die Schutzkleidungs-Situation zu überprüfen und ihn vor Engpässen warnte. Er erhielt nie eine Antwort. Moderatorin Illner nennt Herrn Theiler immer wieder "Herrn Weiler", was seine Geschichte nicht weniger dramatisch macht.

Achim Theiler, Großhändler für Hygieneartikel.
Achim Theiler, Großhändler für Hygieneartikel.Bild: screenshot zdf

In der deutschen Pflege läuft vor allem die Bezahlung schief

Es ist für ihn nicht nachvollziehbar, dass überall Schutzkleidung fehlt. "Wir sind unglaublich schlecht vorbereitet", betont er. Jetzt würden riesige Mengen nachbestellt, zu unglaublichen Preisen – und niemand wisse, ob alles rechtzeitig bei denen ankomme, die darauf angewiesen sind.

Am Ende machen die Studiogäste noch einen wichtigen Nebenschauplatz auf – die Bezahlung von Pflegekräften. Yvonne Falckner ist Krankenschwester in der Intensivmedizin und fordert immer wieder an diesem Abend, doch endlich über eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte zu sprechen. "Vor vier Wochen waren wir empathisch, jetzt sind wir systemrelevant", fasst sie die Situation zusammen.

Ihr stößt sauer auf, wie die Politik mit der Krise umgeht. Es werde immer darüber gesprochen, was man nach der Krise alles ändern müsse, warum ändere man denn nicht sofort etwas. Zum Beispiel an der Bezahlung. Für Andrew Ullman, Infektiologe und FDP-Politiker, ist das nur "ein Baustein von vielen". Damit macht er sich zum Sündenbock der Dreierrunde.

Denn Karl Lauterbach springt Pflegekraft Falckner bei. Es brauche eine Sonderlösung für Pflegekräfte in der Krise. Ein deutlicher Lohnzuschlag soll es sein. Und dafür müsse man auch mal unkonventionell denken und zum Beispiel die Tarifregelung aussetzen. Lauterbach polarisiert – und das vielleicht genau zum richtigen Zeitpunkt, um den systemrelevanten Pflegekräften endlich auch eine systemrelevante Bezahlung zukommen zu lassen.

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