Rapper Bushido sagte an 25 Verhandlungstagen aus.
Rapper Bushido sagte an 25 Verhandlungstagen aus.Bild: imago images/Olaf Wagner
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Bushido-Prozess: Zeugin über Bushido und Arafat: "Die waren zu der Zeit beste Freunde"

02.05.2022, 17:3802.05.2022, 20:16

Am Montag fand nach einer rund einmonatigen Pause der 68. Prozesstag gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder statt. Beim vorherigen Verhandlungstag war Bushido, der im Verfahren als Zeuge und Nebenkläger auftritt, nicht anwesend. Somit verpasste er die Aussage seines einstigen "besten Freundes" Steven K., der mit dem Rapper von 2015 bis 2017 "24/7 zusammen war", so der Zeuge vor Gericht. Er gab an, dass der Künstler ihn getäuscht, betrogen und manipuliert haben soll. Er sei von ihm lange finanziell und beruflich abhängig gewesen.

Über die eigentlichen Vorfälle, die sich am 18. Januar 2018 ereignet haben sollen und um die sich der Prozess eigentlich dreht, konnte er hingegen nichts sagen. Bis auf den sogenannten Zaunstreit habe er keinen Streit zwischen Arafat und Bushido erlebt. Die Beziehung sei damals zwischen den einstigen Geschäftspartnern wie "zwischen Brüdern" gewesen. Nach wie vor gilt es, die Hintergründe zu den mutmaßlichen Straftaten aufzuklären.

Darum geht es im Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

An diesem Prozesstag gab es eine weitere Zeugenaussage. Der Vorsitzende Richter Martin Mrosk wies sie darauf hin, dass sie zum Sprechen ihre Maske absetzen könne. Das tat sie prompt und sagte: "Vielen Dank, ich fühle mich viel besser ohne Maske." Bei der Zeugin handelte es sich um das ehemalige Kindermädchen der Ferchichis.

Eigentlich hätte sie bereits Ende März aussagen sollen, sie blieb allerdings dem Verfahren, so wie es zunächst aussah, unentschuldigt fern und musste ein Ordnungsgeld zahlen. Mittlerweile lebt sie beruflich in Nürnberg. Von 2015 bis 2018 habe die Nanny für die Familie Ferchichi gearbeitet und "natürlich im Haushalt gelebt", so die 55-Jährige.

Als der Richter sie fragte, wie denn der Kontakt zwischen Bushido und Arafat gewesen sei, erklärte sie: "Die waren zu der Zeit beste Freunde." Dann sei es allerdings zum Bruch gekommen. Die Zeugin meinte: "Ende 2017 wurde gesagt, sie sind nicht mehr beste Freunde."

Kindermädchen: Haben nur über die Kinder gesprochen

Auf die Frage hin, ob das Paar mit Arafat zwischen 2015 und 2017 viel feiern gegangen sei, entgegnete sie: "Ich habe nie gefragt, wohin sie gehen. Ich frage so etwas nie, das ist nicht meine Sache. Ich war wegen der Kinder da. Es gab vier Kinder, einen Teenager im Haus. Eine Nanny hat nicht viel Zeit zu reden." Der Richter musste schmunzeln.

Ohnehin habe sie mit den beiden "nur wegen der Kinder" gesprochen. "Ich habe nicht viel mitbekommen, was passiert", so die Zeugin. Auf dem Grundstück in Kleinmachnow sei sie gewesen, als es ein Fest gegeben habe. Dieses habe sich im Sommer 2017 ereignet. "Es war eine riesengroße Feier draußen mit Barbecue." Dort hätten sie alle zusammen gegrillt.

"Ich habe nicht viel mitbekommen, was passiert."
Bushidos früheres Kindermädchen über das Zerwürfnis zwischen dem Rapper und Arafat Abou-Chaker.

Schnell kam der Richter auf den Zaunstreit zu sprechen, bei dem sich Anna-Maria und Arafat heftig gestritten haben sollen. Der Zoff gilt als einer der ersten Auslöser, warum Bushido und Arafat getrennte Wege gegangen seien. "Das habe ich von Anna-Maria gehört. Sie haben sich mit Arafat gestritten", sagte das Kindermädchen.

Der Richter erkundigte sich danach, ob sie Bushido zwischen der Feier im Sommer und Dezember 2017 in Kleinmachnow abgeholt habe. "Nein, vom Grundstück nicht. Er hat sein eigenes Auto oder Anna-Maria hat ihn gefahren. Ich habe die Kinder oder Montry zu Freunden gebracht." Bei Montry handelt es sich um den ältesten Sohn von Anna-Maria, der aus einer früheren Beziehung stammt. Die jüngeren Kinder habe sie zudem auch vom Kindergarten abgeholt. Einmal habe sie den Künstler zum Flughafen fahren müssen.

Rapper Bushido mit seinem früheren Manager Arafat Abou-Chaker.
Rapper Bushido mit seinem früheren Manager Arafat Abou-Chaker. Bild: imago stock&people / imago stock&people

Auch als Anwalt Steffen Tzschoppe nachhakte, ob sie noch von einem überraschenden Anruf von Bushido wüsste, bei dem er gefragt habe, ob sie ihn und seinen damaligen Freund Steven K. abholen könne, meinte sie: "Ich kann mich nicht erinnern." Diese Frage hängt wohl mit dem Zaunstreit zusammen, bei dem Anna-Maria ohne Bushido das Grundstück verlassen haben soll. Steven K. sagte zudem aus, dass er beim Streit dabei gewesen sei.

Über Steven und das Verhältnis zwischen ihm und dem Rapper sagte die Zeugin: "Steven und seine Freundin waren oft bei uns." Er habe auf dem gleichen Grundstück gelebt. Sie habe aber nie gefragt, wohin sie gehen. "Einmal habe ich geschaut und Anis meinte, ich soll nicht so viel schauen, ich soll nach den Kindern gucken."

Witz sorgt im Gerichtssaal für großes Gelächter

Sie habe das Paar nur manchmal gefragt, ob es einkaufen gehen würde, falls sie etwas für die Kinder gebraucht habe. Weiter hakte der Richter nach, was Bushido für ein Arbeitgeber gewesen sei. "Der beste Arbeitgeber von der Welt. Jetzt wechseln Sie nicht den Beruf." Der ganze Saal musste daraufhin laut lachen. "Ich werde nicht die Nanny von Herrn Ferchichi", erwiderte der Richter amüsiert.

Das Kindermädchen legte im Anschluss dar, warum es ihr so gut bei der Familie gefallen habe: "Ich war sehr zufrieden. Ich habe sehr freihändig gearbeitet, das gefällt mir. Sie haben sich um mich gesorgt und gefragt: 'Brauchst du was?' Es war sehr schön." Somit stellte sich die Frage, warum sie dennoch aufgehört habe, dort zu arbeiten. Sie sagte: "Ich bin über 50 und hatte Schwierigkeiten mit meiner Gesundheit." Im November 2018 sei sie dann nach Hause gefahren.

"Der beste Arbeitgeber von der Welt."
Das Kindermädchen über Bushido

Ob sie etwas von der Trennungssituation zwischen Bushido und Arafat mitbekommen habe, erklärte sie so: "Nein, ich war sehr überrascht. Zwei Wochen, nachdem ich abgereist bin, hat Herr Ferchichi angerufen und gesagt, sie haben Polizeischutz, die Kinder sind in Gefahr." Er habe ihr geraten, besser zu Hause bei ihrer Familie zu bleiben. Wenn sie wieder gesund wäre, solle sie sich eine andere Arbeitsstelle suchen. "Ich konnte das nicht glauben", so die Nanny. Zum 31. Januar 2019 sei schließlich ihr Arbeitsvertrag beendet gewesen.

Oberstaatsanwältin Petra Leister kam im weiteren Verlauf noch mal auf das Haus in Kleinmachnow und den nicht vollzogenen Umzug zu sprechen. Die Zeugin betonte erneut: "Ich habe nicht zu viel gefragt. Es gab einen Streit um den Zaun." Leister entgegnete, dass es ja für sie nicht unwichtig gewesen sei, wo sie letztlich wohnen würde und fragte: "Wurde gesagt, warum kein Umzug erfolgen wird?" Die Zeugin wiederholte ihre bereits getätigte Aussage: "Die haben sich gestritten über den Zaun, hat Anna-Maria gesagt."

Das Zwangsgeld wegen Fehlen vor Gericht wird aufgehoben

Verteidiger Hansgeorg Birkhoff interessierte sich hingegen für den damaligen Arbeitsvertrag von ihr. "Ich habe den mit Anis gemacht", erklärte sie. Als Arbeitsauftrag habe dort aber Buchhalterin und nicht Kindermädchen gestanden. "Ich habe in Kroatien als Buchhalterin gearbeitet", meinte sie. Bei Bushido habe sie allerdings die Tätigkeit einer Nanny ausgeführt. Die Zeugin habe sich bei einer Agentur gemeldet und nach einer Zeit habe sie die Anfrage bekommen, ob sie ein neugeborenes Kind in Berlin betreuen könne. So sei sie zu dem Job gekommen.

Bevor die Verhandlung beendet wurde, wies der Richter sie noch mal darauf hin, dass sie am 30. März geladen worden sei. "Ich habe dafür gezahlt. Ich war Mitte März bis Mitte April in Kroatien." Somit habe das Kindermädchen gar nicht gewusst, dass sie hätte vor Gericht erscheinen sollen. Der Richter stellte daraufhin fest: "Wenn Sie nicht wissen, dass Sie geladen worden sind, dann fehlten Sie nicht unentschuldigt. Das Zwangsgeld wird aufgehoben. Sie bekommen das Geld zurück." Die Nanny freute sich: "Juhu. Vielen Dank, ich grüße alle, hoffentlich nicht wieder." Mit diesen Worten verließ sie den Saal. Am Montag startet der 69. Prozesstag.

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