Eine zeitgenössische Illustration des Untergangs.
Eine zeitgenössische Illustration des Untergangs.
Bild: imago stock&people / imago stock&people

Warum wurde Titanic zum Desaster? Forscherin hat Verdacht

24.09.2020, 06:57

Er gilt als eine der großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts: der Untergang der RMS Titanic, dem angeblich unsinkbaren Dampfer. Vor über hundert Jahren, am 15. April 1912, versank das Schiff nach einer Kollision mit einem Eisberg im Nordatlantik. 1514 Menschen starben in jener Nacht, erfroren oder ertranken in den eiskalten Fluten.

Bis heute fasziniert die Katastrophe Filmemacher und Wissenschaftler gleichermaßen. Besonders die Frage, warum so viele Menschen sterben mussten, treibt Forscher zu immer neuen Thesen und Erklärungsversuchen an. Immerhin war die Titanic mit modernen Funkgeräten ausgestattet und mehrere andere Schiffe waren in der Nähe, als die Jungfernfahrt des Dampfers zur Katastrophe ausartete – teilweise sogar in Sichtweite.

Nun hat die Wissenschaftlerin Mila Zinkova von der University of California eine neue Theorie aufgestellt. Die Forscherin publizierte unlängst eine Studie im Magazin "Weather", in der sie Sonnenstürme und Polarlichter verdächtigt, die Rettungsversuche in der Aprilnacht 1912 erschwert zu haben.

Bisher ist eine gängige Erklärung für zu spät eingeleitete Rettungsversuche, dass Amateurfunker Funkfrequenzen behinderten, auf denen die Titanic um Hilfe rief. Diese wurden teilweise nicht empfangen, genauso wie die sinkende Titanic ihrerseits Antworten auf ihre Hilferufe nicht hörte.

Trugen Nordlichter zur Titanic-Katastrophe bei?
Trugen Nordlichter zur Titanic-Katastrophe bei?
Bild: imago images / Dennis Fast

Erschwerten Polarlichter die Rettung von über 1500 Seelen?

Ausgangspunkt für Zinkovas Überlegungen sind Augenzeugen, die in der Nacht schimmernde Polarlichter am Himmel über der Untergangsstelle beobachtet haben wollen. So hatte etwa der zweite Offizier an Bord der RMS Carpathia, einem in der Nacht zur Hilfe gerufenen Schiffe, in das Logbuch mehrere Sichtungen von besonders heller Aurora Borealis notiert.

Die Lichterscheinungen entstehen, wenn elektrisch aufgeladene Teilchen aus Sonnenwinden auf die Atmosphäre der Erde treffen. Polarlichter können Angaben der NASA zufolge auch Kommunikationssysteme oder elektromagnetische Gerätschaften beeinflussen.

Zinkovas These lautet daher: "Neben den von Amateurfunkern verursachten Interferenzen, hatten mittel- bis starke erdmagnetische Stürme einen negativen Einfluss auf das Empfangen von korrekten SOS-Signalen von in der Nähe befindlichen Schiffen."

Weiter glaubt die Forscherin, dass diese Stürme, sollte es sie gegeben haben, auch die Navigationsinstrumente der Titanic beeinträchtigt haben könnten, etwa den Kompass. Damit hätte die Besatzung des Schiffes wenig Chancen gehabt, dessen Postion zu jeder Zeit klar zu bestimmen – und ohne eigenes Verschulden in die Nähe von Eisbergen geraten können.

Noch ist Zinkovas These nicht bewiesen – sie könnte allerdings einen weiteren Beitrag leisten zur Aufklärung der Katastrophe.

(pcl)

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