Der Rohstofflieferant steht unter anderem wegen angeblicher Umweltdelikte in der Kritik
Der Rohstofflieferant steht unter anderem wegen angeblicher Umweltdelikte in der Kritik
Bild: X90072

Das "schlimmste Unternehmen der Welt" arbeitet mit diesen deutschen Firmen

17.07.2019, 17:4817.07.2019, 20:33

In deinem Supermarkt wirst du den Firmenamen Cargill auf keiner Produktverpackung finden. Doch Cargill-Rohstoffe sind in fast allen industriell gefertigten Nahrungsmitteln enthalten.

Der US-Agrarkonzern Cargill ist nämlich der weltweit größte Lieferant im Bereich Lebensmittelproduktion. Zu seinen Großkunden zählen u.a. Edeka, Aldi, Lidl, Edeka, Danone, Nestlé, Walmart, McDonald's, Burger King und Unilever.

In ihrem 50-seitigen Bericht bezeichnete die Umweltschutzorganisation "Mighty Earth" den US-Food-Giganten Cargill jetzt als "schlimmstes Unternehmen der Welt".

In dem Bericht heißt es: "Das schlimmste Unternehmen der Welt. Wir wissen, dass dies eine kühne Behauptung ist. Aber es geht um die größten Probleme unseres Planeten: die Umweltzerstörung, die Verschmutzung von Luft und Wasser, die Erderwärmung, die Vertreibung indigener Völker, Kinderarbeit und die weltweite Armut. Cargill ist auf dem letzten Platz derer, die dagegen ankämpfen. Cargill treibt diese Probleme in großem Ausmaß voran und stellt damit seine direkten Konkurrenten in den Schatten."

Geschäftskunden sollen Druck machen

In dem "Mighty Earth"-Bericht werden die größten Geschäftskunden wie z.B. Nestlé, sollten sie es mit der Nachhaltigkeit ernst meinen, dazu aufgefordert ihre Verbindung zu dem Agrarkonzern zu kappen.

Im Falle Nestlés wirkt die Aufforderung aus dem Bericht aber beinah absurd. Denn Nestlé selbst steht für eine ganz ähnliche Firmen-Politik wie die von Cargill.

Und auch Nestlé steht immer wieder in der Kritik:

  • Mal wegen der Privatisierung und Ausbeutung von Wasser, wie der Dokumentarfilm "Bottled Life" recherchiert. Der Film wirft Nestlé vor, für schwere Dürren in Pakistan verantwortlich zu sein. Nestlés Stellungnahme zur Doku: "Stimmt nicht".
  • Mal wegen der Abholzung von Regenwäldern für Palmöl. Ein Vorwurf, den vor allem Greenpeace immer wieder gegen den Konzern erhebt. Zumindest in der Vergangenheit hatte das Unternehmen seine Versprechen immer wieder gebrochen, die Situation zu verbessern.
  • 2014 geriet Nestlé dann in die Kritik, weil Naturschutz-Organisationen dem Konzern Botox-Versuche mit Mäusen nachgesagt hatten.
  • Jüngst berichtete die Organisation "Changing Markets Foundation" von Nestlé-Babynahrung, die kleinen Kindern in Wahrheit aber schade. Vor allem der Nestlé-Slogan "am nächsten an der Muttermilch" sei kritisch zu sehen, weil die Produkte des Konzerns überall auf der Welt unterschiedlich seien. (Orange)

Was produziert Cargill?

Die Autoren des "Mighty Earth"-Berichtes nennen Cargill als weltweit größten Produzenten von Rinderhack und Burger-Patties. Der größte Abnehmer: McDonald's.

Angeblich soll Cargill sogenanntes "Gammelfleisch" an seine Kunden liefern
Angeblich soll Cargill sogenanntes "Gammelfleisch" an seine Kunden liefern
Bild: imago stock&people

Das scheint nicht immer ganz sauber zu laufen. Laut dem Bericht soll Cargill sogenanntes "Gammelfleisch" an Fast-Food-Ketten verkauft haben. Im Jahr 2001 musste das Unternehmen Burger-Patties zurückrufen, in denen E.Coli-Bakterien gefunden worden waren.

Samonellenbefall! Im Jahr 2002 musste Cargill 2,8 Millionen Pfund Hackfleisch vom Markt nehmen.

Soja, Kakao, Baumwolle, Ölsaaten und Getreide. Cargill baut diese Agrar-Planzen in einem gigantischen Ausmaß an. Das Unternehmen gehört zu den führenden Anbietern von Tierfutter und Futterzusätzen.

Aber auch mit Lebensmittelzusätzen und Chemikalien sowie Inhaltsstoffen für Kosmetika werden Geschäfte gemacht, zitiert der "Business Insider" den Bericht.

Wo produziert Cargill?

Die Vorwürfe von "Mighty Earth": In Westafrika und Indonesien sind viele politische Systeme instabil und korrupt. Und genau in diesen Ländern gewinnt der Konzern seine Rohstoffe. Palmöl oder Kakao werden hier unter schlimmsten Arbeits-Bedingungen gewonnen.

Kinder- und Zwangsarbeit

Zwei Beispiele aus dem Bericht: Cargill kaufte Kakao von Plantagen von der Elfenbeinküste. Auf diesen Plantagen mussten Kinder arbeiten. Die Kinder wurden zuvor aus Mali verschleppt und mussten bei Unterbezahlung, wenig Essen und unter Schlägen bis zu 14 Stunden am Tag schuften.

Das Unternehmen bezog Palmöl aus Indonesien. Hergestellt von Zwangsarbeitern, darunter viele Kinder, die missbraucht und gefangen gehalten wurden.

Palmölbauer in Indonesien
Palmölbauer in Indonesien
Bild: imago stock&people

Rodung des Regenwaldes, Einsatz von Pestiziden

Für Sojaplantagen rodet Cargill in Brasilien den Regenwald ab. Laut Bericht sollen viele Ureinwohner ihren Lebensraum verloren haben. Durch die hohe Pestizid- und Herbizidbelastung kommt es unter ihnen zu Krebserkrankungen, Fehlgeburten und Behinderungen bei Neugeborenen.

Fischsterben! Die Nahrungsquelle Fisch ist vielerorts versiegt, derart vergiftet seien die Flüsse.

Die Autoren des Berichtes mahnen zum Schluss:

"Mehr als jedes andere Unternehmen in der Geschichte hat Cargill die Macht, das Klima, das Wasser, die Lebensmittelsicherheit, die öffentliche Gesundheit und die Menschenrechte zu schützen -oder eben all das zu zerstören."

(lj)

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