Milky Way. Night sky with stars and silhouette of a standing man with telescope.

Weil die bisherigen Suchstrategie nach Supernova-Überresten wohl Lücken hatte, ist eine Gruppe von Forscher archivierte Daten durchgegangen und machte einen überraschenden Fund. Bild: IMAGO / agefotostock

Deutsches Weltraumteleskop enthüllt Sternexplosion an überraschendem Ort im All

Mit dem deutschen Röntgenteleskop eRosita haben Astronomen des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE) einen riesigen, bisher unbekannten Supernova-Überrest aufgespürt. Das "Hoinga" getaufte Objekt befindet sich weit außerhalb der galaktischen Ebene – dort, wo offenbar bisher kaum jemand nach Überresten explodierter Sterne suchte, wie das MPE am Mittwoch in Garching mitteilte. Dabei besitzt "Hoinga" einen ungewöhnlich großen Durchmesser von 4,4 Grad.

Bisheriger Suchstrategie nach Supernova-Überresten könnte Lücken haben

Damit bedeckt das stellare Überbleibsel am Firmament eine Fläche von etwa 90 Vollmondscheiben. "Außerdem liegt 'Hoinga' sehr weit oberhalb der galaktischen Ebene, was für diese Objekte ausgesprochen ungewöhnlich ist", erläuterte Werner Becker vom MPE.

Bisher konzentrierte sich die Suche nach Supernova-Überresten meist auf die galaktische Scheibe, wo die Sternentstehungsaktivität am höchsten ist und stellare Überreste daher relativ häufig sein sollten. Allerdings scheint es möglich, dass bei dieser Suchstrategie zahlreiche Supernova-Überreste übersehen wurden.

Den Forschern zufolge ist "Hoinga" – benannt nach der mittelalterlichen Bezeichnung für Beckers Geburtsort Bad Hönningen am Rhein - das größte derartige Sternenrelikt, das jemals aufgrund seiner Röntgenstrahlung entdeckt wurde. Das Objekt ist das Ergebnis einer spektakulären Explosion, mit der massereiche Sterne ihr Leben beenden.

Gasfetzen von Explosion noch hunderttausend Jahre sichtbar

Denn wenn die Fusionsprozesse im Sterninnern nicht mehr genug Energie erzeugen, gerät der Stern aus dem Gleichgewicht: Die Gravitation gewinnt gegenüber dem Strahlungsdruck die Oberhand, und die stellare Gaskugel kollabiert. Während die Supernova selbst am irdischen Himmel nur für einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten beobachtet werden kann, lassen sich ihre Millionen Grad heißen Gasfetzen etwa hunderttausend Jahre lang nachweisen.

Etwa 300 solcher Supernova-Überreste sind laut MPE heute bekannt – viel weniger als die 1200, die in unserer Heimatgalaxie theoretisch existieren sollten. Entweder schätzten die Astrophysiker also die Supernova-Rate bisher falsch ein, oder die große Mehrheit wurde bislang übersehen.

Team überprüft Archive auf bisher unbekannte Überreste

Daher nutzt ein internationales Team nun die Himmelsdurchmusterung des im Juli 2019 ins All gestarteten satellitengebundenen eRosita-Teleskops, um nach bisher unbekannten Supernova-Überresten zu suchen. "Wir waren sehr überrascht, als uns gleich der erste Supernova-Überrest ins Auge gestochen ist", erklärte Becker. Nachdem die Astronomen das Objekt in den eRosita-Daten gefunden hatten, suchten sie auch in archivierten Röntgen- und Radiodaten früherer Durchmusterungen nach.

Tatsächlich ist "Hoinga" – wenn auch nur sehr schwach – bereits in den 30 Jahre alten Daten des deutschen Röntgenteleskops Rosat zu sehen. Wegen seiner Leuchtschwäche und seiner Lage bei hohen galaktischen Breiten fiel das riesengroße, diffuse Objekt jedoch niemandem auf. Weitere wichtige Erkenntnisse und der endgültige Beweis, dass es sich bei der Röntgenquelle um die Überreste eines explodierten Sterns handelt, kamen dann aus Radiodaten.

"Wir sind die Radioarchivdaten durchgegangen, und dieses Objekt hat nur darauf gewartet, entdeckt zu werden", sagte Natasha Walker-Hurley vom International Centre for Radio Astronomy Research in Australien. "Hoinga" wird als vielversprechender Auftakt einer Forschungspartnerschaft mit Australien angesehen, deren Ziel das Studium unserer Galaxis in verschiedenen Spektralbereichen ist.

Von den aktuellen und künftigen Radiodurchmusterungen erwarten die eRosita-Forscher nun eine Fülle neuer Erkenntnisse. "Wir sind überzeugt, viele der fehlenden Supernova-Überreste zu entdecken und damit zur Lösung dieses langjährigen astrophysikalischen Rätsels beizutragen", erklärte Becker.

(vdv/afp)

Themen

Studie: Je höher der Manager-Posten, desto geringer das Burnout-Risiko

Top-Manager sind einer Studie der Hamburger Kühne Logistics University (KLU) zufolge weniger von Burnout bedroht als ihr untergebenes Führungspersonal. "Unsere Untersuchung zeigt: Je höher in der Hierarchie eine Führungskraft steht, desto weniger gefährdet ist sie, einen Burnout zu erleiden", erklärte Jennifer Korman, die mit Prof. Niels Van Quaquebeke und Prof. Christian Tröster den Zusammenhang zwischen der Position in der Unternehmenshierarchie und der Gefahr eines Burnouts …

Artikel lesen
Link zum Artikel