Protestaktion in Mönchengladbach: Fans halten ein Banner kurz nach Anpfiff hoch.
Protestaktion in Mönchengladbach: Fans halten ein Banner kurz nach Anpfiff hoch.Bild: imago images

Aufruhr um Banner-Aktion gegen WM in Katar: "Muss man schon aushalten"

15.06.2022, 13:33

Beim Nations-League-Spiel zwischen Deutschland und Italien protestierten Fans gegen die viel kritisierte FIFA-WM in Katar – kurz darauf wurde eine Fangruppe von der Polizei kontrolliert. Nicht ohne Folgen. Das Verhalten der Polizei sorgt nun für Furore.

Kritik wegen Verstößen gegen das Menschenrecht

Erneut gerät die Fußball-WM in Katar in die Kritik. Der Gastgeber der WM wird immer wieder wegen Verstößen gegen die Menschenrechte kritisiert. Das stößt vielen sauer auf. So auch einer Gruppe von Fans beim Nations-League-Spiel zwischen Deutschland und Italien (5:2) in Mönchengladbach. Sie zeigten kurz nach dem Anpfiff im Borussia-Park ein Banner mit der Aufschrift "15.000 Tote für große Kulissen – FIFA und Co. ohne Gewissen. Boykott Katar" und verließen anschließend eilig das Stadion.

Fangruppe für Personalienfeststellung von Polizei angehalten

Die Polizei hatte nach einem Hinweis des Ordnungsdienstes die Gruppe außerhalb des Stadions zur Personalienfeststellung angehalten, um etwaige zivilrechtliche Ansprüche des Veranstalters zu sichern. Danach wurden alle Personen vor Ort entlassen. Dieses Verhalten stößt nun auf Kritik.

"Solche Banner muss man aushalten, wenn die WM in Katar stattfindet"

Ein Twitter-User zeigt sich etwa verärgert und verwundert über die Handlungen der Polizei: "Unfassbar. Auf welcher rechtlichen Grundlage basiert eine solche Festsetzung?"

Eine weitere Userin findet: "Solche Banner muss man schon aushalten, wenn die WM in Katar stattfindet."

Stellungnahme gefordert

Ebenso überrascht äußert sich die "Fanhilfe Mönchengladbach": "Wir fragen uns: Was wird vorgeworfen?" Sie fordert eine Stellungnahme vonseiten der Polizei und des DFB. "Der Umgang mit dieser legitimen Protestaktion wird auf jeden Fall zeigen, ob eigene Aktionen des DFB-Teams ernstgemeint oder bloße PR sind", so die Fanhilfe in einem späteren Tweet.

Sowohl der DFB, als auch die Polizei äußerten sich mittlerweile zum Vorfall.

DFB und Polizei geben Entwarnung: Keine Folgen für die Fans

So bleibt die FIFA-kritische Banner-Aktion wohl ohne weitere Folgen. Der Deutsche Fußball-Bund teilte der Polizei mit, "dass seitens des DFB keine straf- und verbandsrechtlichen Schritte eingeleitet werden und auf eine Übermittlung der Personalien verzichtet wird".

Das Verhalten der Gruppe habe den Verdacht begründet, dass sie gegen das Hausrecht des Veranstalters (DFB) verstoßen habe und möglicherweise weitere Aktionen vornehmen würde, hieß es in der Polizeimitteilung. Eine strafrechtliche Relevanz des Zeigens dieses Banners sei nach übereinstimmender Beurteilung durch Polizei und DFB nicht gegeben, es sei durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Dies gab die Polizei Mönchengladbach in einer Mitteilung in der Nacht zum Mittwoch bekannt. Auch seitens der Behörden werde es über die Kontrolle hinaus keine weiteren Maßnahmen geben.

(ast / mit Material von dpa)

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