Beziehung
Partnerschaft und Liebe: Guter Kontakt zwischen Paaren sorgen für gückliche Beziehungen auf der Welt 
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Unheimlich ähnlich: Das "perfekte" Paar. (Symbolbild) Bild: Getty Images

Wenn Pärchen zu einer Person verschmelzen

Ein altes Paar spaziert durch einen Wald. Nicht nur ihr Schritttempo, auch ihr Outfit ist genau aufeinander abgestimmt: rote Funktionsjacken, beige Hosen, braune Schuhe. Sie halten an einem kleinen Gasthof. Beide lassen sich stöhnend auf einen der Plätze fallen. Ein Kellner fragt, was sie haben möchten. "Schwarzer Kaffee und Mettbrötchen", antworten sie gleichzeitig. Der Kellner schmunzelt. "Wieder eines dieser Hybridpärchen", denkt er und gibt die Bestellung weiter.

Befinden sich Menschen lange Zeit in einer Beziehung, übernehmen sie häufig die Eigenschaften ihrer Partner. Doch nicht nur das. Gelegentlich laufen bestimmte Bewegungen, wie der Griff zum Wasserglas oder auch das Gähnen völlig synchron ab. Entsprechend scheint es manchmal, als würden wir mit unseren Partnern verschmelzen.

Doch warum imitieren wir überhaupt unsere Partner? Und schadet es unserer Beziehung, wenn wir das nicht tun?

Unser Gehirn macht uns zu Nachahmern

Eins vorweg: Menschen zu imitieren ist für uns alltäglich. Sehen wir etwa, wie jemand gähnt, steigen wir häufig mit ein. Dafür verantwortlich sind bestimmten Nerven in unserem Gehirn. Diese werden als Spiegelneuronen bezeichnet. Sie senden bereits Signale aus, wenn wir bestimmte Handlung beobachten. Das Interessante an ihnen ist, dass sie so reagieren, als hätten wir das Gesehene selbst ausgeführt.

Die Imitationen folgen dann meist unbewusst. Unser Gehirn dechiffriert die Bewegungsmuster oder Körperzeichen einer anderen Person und kurz darauf entsteht in unserem Kopf ein Spiegelbild von dem, was wir gesehen haben. Sind die Informationen verarbeitet, werden unsere Spiegelneuronen aktiv und unser Körper reagiert. Das Ganze ähnelt einer Gitarre: Schlagen wir eine Saite an, schwingen die anderen mit.

Spiegelneuronen erleichtern unseren Alltag

Die Spiegelneuronen waren eine reine Zufallsentdeckung. Forschende stießen 1996 auf sie, als sie an Schimpansen untersuchten, welche Nervenzellen aktiv werden, wenn sie nach einer Nuss greifen. Dafür schlossen sie die Tiere an entsprechende Messgeräte.

Während der Untersuchung bemerkten die Forschenden, dass die Geräte nicht nur reagierten, wenn die Tiere selbst nach einer Nuss griffen, sondern auch, wenn sie beobachteten, wie jemand Anderes die Handlung ausführte. Das Gehirn des Tieres spiegelte das Gesehene – die Spiegelneuronen waren entdeckt.

Und die sind für ein gesellschaftliches Zusammenleben unverzichtbar. So lassen sie uns nicht nur bestimmte Gesten imitieren, sondern auch erahnen, was unser Gegenüber als nächstes tun wird. Deshalb weichen wir nicht verängstigt zurück, wenn uns unser Partner küssen oder umarmen will.

Wir spiegeln auch Gefühle

Besonders aktiv sind die Spiegelneuronen dann, wenn wir jemanden sympathisch finden. Entsprechend spielen sie eine besondere Rolle bei der Partnersuche.

Flirten wir etwa mit jemanden, kommt es nicht selten vor, dass wir die Bewegungen dieser Person imitieren. Beine überschlagen, einen Schluck Wasser nehmen, das Kinn stützen; die Bewegungen laufen beinahe synchron – sofern wir uns zu der Person hingezogen fühlen.

Entwickelt sich aus dem Interesse Liebe, arbeiten unsere Spiegelneuronen weiter. Je näher wir einem geliebten Menschen stehen, desto besser spüren wir, was diese Person bewegt. So stellte sich in einer Studie der Universität Parma heraus, dass das Schmerzzentrum eines Menschen reagierte, wenn dem Partner oder der Partnerin Schmerzen zugefügt wurden.

Gleiches liebt sich?

Wichtig dabei: Unsere Spiegelneuronen spiegeln ausschließlich Dinge, die sie kennen. Je mehr wir also einem Menschen ähneln, desto stärker spiegeln wir ihn, was wiederum zu einer stärkeren Verbundenheit führt. Und das wirkt sich auf die Partnerwahl aus: "Nicht selten wählen wir Partner, die uns in gewisser Hinsicht ähneln", sagt die Paartherapeutin Birgit Neumann-Bieneck im Gespräch mit watson.

"Meckern wir gerne, wählen wir jemanden, der ebenso dazu neigt. Selbiges gilt für eher ausgeglichene Menschen."

In der Evolutionsbiologie wird das auch als assortative Paarung bezeichnet. Demnach neigen Lebewesen dazu, sich mit Individuen zu paaren, die ihnen besonders ähnlich sind. Allerdings weist Neumann-Bieneck auch darauf hin, dass wir nur selten zu einem Extrem neigen.

"Natürlich können auch impulsive und ruhige Menschen zueinander finden. Allerdings sind Konflikte in diesem Fall keine Seltenheit"

Neumann-Bieneck

Solltest du einen Partner haben, der dir überhaupt nicht ähnelt, keine Sorge: "Nur weil es eventuell Konflikte geben kann, heißt es nicht, dass die Beziehung nicht funktioniert", sagt Neumann-Bieneck. Dann müssen beide Parteien lernen, die Signale des jeweils anderen zu deuten. "Sowas braucht Zeit, ist aber nicht unmöglich."

Warum wir unseren Partnern mit der Zeit immer ähnlicher sehen

Nun kopieren wir nicht nur bestimmte Handlungen unseres Partners, sondern gelegentlich auch seine Sprache. Hat er etwa einen bestimmten Dialekt, kommt es nicht selten vor, dass wir diesen ebenso nutzen. "Dadurch fühlen wir uns unserem Partner näher", sagt Neumann-Bieneck.

Selbiges gelte auch für die Kleiderwahl. Ob ein Partnerlook für eine funktionierende Beziehung notwendig ist, sei allerdings dahingestellt.

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