Leben
Married couple sleeping in bed

Beziehung heißt: zusammen ein Bett teilen. Doch es kann nerven, wenn der Partner schnarcht oder sich herum wälzt. Bild: Getty Images E+ 4x6

Beziehungskiller Bett: So sprichst du deinen Partner auf nervige Schlafgewohnheiten an

Jana Schütt
Jana Schütt

Ein Bett zu teilen ist für viele Paare das Allerschönste – du gehörst nicht dazu? Wenn dein Partner schnarcht, die Decke klaut, wie eine Klette an dir hängt, kann der gemeinsame Schlaf zum Horror werden. Wie bringst du deinem Partner schonend bei, dass du im Bett die Krise bekommst? Die Paartherapeutin Birgit Neumann-Bieneck hat watson im Interview fünf Tipps verraten.

Am Anfang war noch alles toll

Zu Beginn einer Beziehung sind unterschiedliche Schlafrhythmen und -gewohnheiten kein Problem. Du hast Sehnsucht nach dem anderen, Adrenalin fließt, deine Biochemie spielt verrückt. Mit der Zeit kehrt Alltag ein: Das Schnarchen des anderen wird nervig und das Einschlafen im Arm unbequem. "Das ist kein Zeichen nachlassender Liebe, sondern normal", erklärt Neumann-Bieneck.

Wenn du frisch verliebt bist, nimmst du deine Bedürfnisse weniger wahr und denkst im "Wir". Mit der Zeit meldet sich dein Körper mit seinen Wünschen zurück und du merkst, dass eure Schlafbedürfnisse nicht harmonieren, erläutert die Paartherapeutin. Willst du eine langfristigen Beziehung, ist es Zeit für ein ehrliches Gespräch.

Mach dir bewusst, was du brauchst und willst

Bevor du das Gespräch suchst, überlege, was dich an eurer Schlaf-Situation stört und warum. Werde dir darüber klar, was dir wichtig ist und wo dein Toleranzbereich liegt. Ist dir ein gemeinsames Bett so heilig, dass du einiges in Kauf nehmen würdest? Oder hat gesunder Schlaf Priorität?

Es gibt verschiedene Problemdimensionen: Wirst du wach, weil dein Partner im Schlaf die Decke klaut, ist das etwas anderes, als wenn dich zu viel körperliche Nähe stört. "Jedes Problem erfordert ein individuelles Maß an Sensibilität", erklärt Neumann-Bieneck. Mach dir deshalb Gedanken über deine Bedürfnisse, Grenzen und Wünsche, bevor du deinen Partner auf das Schlafproblem ansprichst.

Sende Ich-Botschaften

Was den richtigen Zeitpunkt für ein Gespräch angeht, bietet sich die Situation an, um die es geht: Also, wenn ihr im Bett liegt. Du solltest das Gespräch nicht ewig aufschieben, damit negative Gefühle sich nicht anstauen und unkontrolliert ausbrechen können. Die Paartherapeutin rät, beim Gespräch in Ich-Botschaften zu sprechen: Sag, was dich stört, wie es dir geht und was du fühlst. Zähle nicht auf, was dein Partner falsch macht – so wird jedes konstruktive Gespräch unmöglich.

Nimm es ernst, wenn dein Partner gekränkt ist

Schlaf ist ein heikles Thema in der Partnerschaft, weiß Neumann-Bieneck aus jahrelanger Berufserfahrung. Wie sensibel und vorsichtig du es ansprichst, sei darauf gefasst: Dein Partner könnte sich zurückgewiesen fühlen, wenn du weniger kuscheln oder gar in getrennten Betten schlafen willst. Er könnte befürchten, dass du ihn weniger liebst oder attraktiv findest und Abstand willst.

"Gemeinsamer Schlaf ist für viele ein Heiligtum in der Beziehung."

Paartherapeutin Neumann-bieneck

Wichtig ist es laut der Paartherapeutin deshalb, dass du die Kränkung deines Partners ernst nimmst und ihm zuhörst, statt eine Abwehrhaltung anzunehmen. Die Bedenken deines Partners sollten dich nicht amüsieren – selbst, wenn es bloß um getrennte Bettdecken geht. Schaut, welche Gefühle hinter der Kränkung stecken und was dein Partner braucht, damit seine Ängste abnehmen.

Mach klar, dass es um deine Gesundheit geht

Versetz dich empathisch in die Perspektive deines Partners. Gleichzeitig musst du ihm ohne Vorwürfe verständlich machen, was schlechter Schlaf für dich bedeutet: Konzentrationsschwäche, Gereiztheit, schlechte Laune, Kopfschmerzen und Kraftlosigkeit. "Stell klar, dass es beim Schlaf nicht um unterschiedliche Ansichten geht, sondern um Gesundheit", rät Neumann-Bieneck. Auf Dauer kann schlechter Schlaf zum ernsthaften Problem werden und deine Lebensqualität mindern.

Sucht Kompromisse – und lasst euch nicht von anderen verrückt machen

Habt ihr eure Positionen verständlich gemacht, könnt ihr Kompromisse suchen. Wichtig ist, dass du keine endgültige Lösung präsentierst, rät Neumann-Bieneck. Die Lösungsfindung soll ein gemeinschaftlicher Prozess sein, in dem ihr beide Vorschläge macht. Wichtig: Lass dich nicht von anderen Paare leiten.

"Die Lösungen sind so vielfältig, wie die Beziehungen selbst."

paartherapeutin neumann-bieneck

Ob dir getrennte Matratzen und Decken, Schlafmasken, Ohrenstöpsel oder separate Schlafzimmer helfen, müsst ihr gemeinsam entscheiden. Findet kreative Kompromisse, zum Beispiel unter der Woche getrennt schlafen. "Testet Lösungen, bis ihr die richtige findet und ignoriert dabei Normen oder kritische Blicke im Freundeskreis", rät die Paartherapeutin. Eure Beziehung, eure Regeln.

Gesunder Schlaf für eine gesunde Beziehung

Findet ihr eine Lösung, durch die du ausreichend Schlaf bekommst, stärkt das die Beziehung. "Du fühlst dich besser, bist fitter und siehst in deinem Partner nicht mehr den Schlafräuber", erklärt Neumann-Bieneck. Andersherum muss dein Partner kein schlechtes Gewissen haben, weil du wegen ihm gerädert bist. Eine faire Win-win-Situation.

PS.: Getrennte Betten bedeuten nicht, dass ihr fortan keinen Sex mehr habt. Klingt verrückt, ist aber so.

Adrenalin-Schock: Wenn du beim Schlafen ein Geräusch hörst

Play Icon
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Ich wünschte, meine Eltern hätten sich scheiden lassen

Emilia Schneider (Name von der Redaktion geändert) hat das Leid von Scheidungskindern nie richtig nachvollziehen können. Denn die heute 32-Jährige hat sich immer gewünscht, dass ihre Eltern sich trennen. Die Geschichte eines Wunsch-Scheidungskinds.

Meine Kindheit war sehr laut oder sehr leise. Dazwischen gab es nicht viel.

Sehr laut war es, wenn meine Eltern sich wieder einmal gegenseitig anschrien. Manchmal, weil meine Mutter wieder einmal etwas falsch gemacht hatte und mein Vater vor Wut tobte. Manchmal, weil das Geld zu Hause knapp war. Manchmal war mir der Grund auch nicht ganz klar.

Und sehr leise wurde es dann, wenn mein Vater schmollte und weder meine Mutter noch ich uns trauten, ein weiteres Wort zu sagen.

Die Beziehung meiner …

Artikel lesen
Link zum Artikel