Interview
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Eine Schnelltest-Station in Brasilien – dort haben sich die Antigentests als erfolgreich erwiesen. Bild: www.imago-images.de / Bruno Rocha

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Deutschland setzt jetzt Corona-Schnelltests ein: Epidemiologe erklärt, wie verlässlich sie sind

Bis zu mehrere Werktage kann es dauern, bis man sein Ergebnis nach einem Corona-Test erfährt: Beim PCR-Test, dem bis dato verlässlichsten Verfahren, um Sars-Cov-2 nachzuweisen, werden Rachen und Nase mit einem langen Wattestäbchen abgestrichen, welches ins Labor zur Auswertung eingesandt werden muss.

Frühere Ergebnisse soll nun der Corona-Schnelltest liefern: Der Antigen-Test ist Teil der neuen Corona-Testverordnung, die Gesundheitsminister Jens Spahn am Montag unterschrieben hat und die am Donnerstag in Kraft getreten ist.

Schnelltests könnten in Millionenzahl produziert werden

Die Schnelltests sind bereits in anderen Ländern, wie Brasilien oder Indien, zum Einsatz gekommen. Geplant ist unter anderem, dass Pflegeheime und Krankenhäuser hierzulande Antigen-Schnelltests großzügig nutzen können, damit Besucher, Personal und Patienten regelmäßig getestet werden können. Spahn hatte kürzlich von zusätzlichen Tests "in großer Millionenzahl pro Monat" gesprochen.

Wie die neuen Schnell-Tests genau funktionieren, ob sie verlässlich sind und PCR-Tests sogar ersetzen könnten: Darüber hat watson mit dem Epidemiologen Timo Ulrichs von der Akkon-Hochschule in Berlin gesprochen.

"Die Sensitivität ist niedriger als die von einem PCR-Test, das heißt, es treten mehr falsch-negative Ergebnisse auf."

Ulrichs über die Verlässlichkeit von Corona-Schnelltests

watson: Bei den neuen Corona-Schnelltests handelt es sich um Antigentests. Was ist das genau?

Die Antigentests funktionieren wie Schwangerschaftstests. Es wird kein Erbgut nachgewiesen, sondern Oberflächenstrukturen der Virushülle. Der Nachweis erfolgt, anders als beim PCR-Test, nicht in einem Labor, sondern direkt vor Ort. Deshalb ist er auch bereits nach Minuten ablesbar.

Wie verlässlich sind die Corona-Schnelltests?

Die Sensitivität ist niedriger als die von einem PCR-Test, das heißt, es treten mehr falsch-negative Ergebnisse auf. Die Spezifität hingegen ist gut, das heißt, wenn der Test positiv ist, dann handelt es sich ziemlich sicher um eine Coronavirus-Infektion.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Testergebnis falsch-positiv ist, weil andere Coronaviren als Sars-Cov-2 nachgewiesen werden?

Diese Wahrscheinlichkeit ist eher gering.

"Die Probennahme sollte nur von geschultem Personal vorgenommen werden, sonst treten viele falsch-negative Testergebnisse auf."

Kann auch nicht-medizinisch geschultes Personal den Test sicher durchführen?

Hier liegt die Begrenzung der Anwendbarkeit des Corona-Schnelltests: Die Probennahme sollte nur von geschultem Personal vorgenommen werden, sonst treten viele falsch-negative Testergebnisse auf.

Sind genügend Schnelltests vorhanden, um beispielsweise alle Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und Schulen zu versorgen? Können die Tests schnell und kostengünstig nachproduziert werden?

Ja, die Verfügbarkeit wird bald ausreichend sein, allerdings nur für die oben genannten Bereiche und nicht als Massentests für die gesamte Bevölkerung. Dafür wären nicht genügend vorhanden und das wäre auch zu teuer.

"Bei positiven Testergebnissen allerdings sollte sicherheitshalber nochmal mit einem PCR-Test nachgetestet werden."

Welche Auswirkungen auf die Infektionszahlen wird der Schnelltest haben? Besteht die Möglichkeit, dass mehr positiv getestet wird?

Dieser Effekt ist bei den Corona-Schnelltests eher zu vernachlässigen. Bei positiven Testergebnissen allerdings sollte sicherheitshalber nochmal mit einem PCR-Test nachgetestet werden.

(ak/mit Material von dpa)

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