Jogi Löw hat den EM-Kader bekanntgegeben.
Jogi Löw hat den EM-Kader bekanntgegeben.Bild: www.imago-images.de / Thomas Boecker

Boateng, Draxler und Reus: Was Jogi Löw zu ihrer Nicht-Nominierung sagt

20.05.2021, 09:52

Mit Spannung hat Deutschland die Verkündung des EM-Kaders 2021 erwartet. Am Mittwoch um 12.30 Uhr war es dann so weit: Jogi Löw setzte sich bei der DFB-Pressekonferenz ans Mikrofon und stand Rede und Antwort zu seinen Entscheidungen.

Kader für die Europameisterschaft 2021

Es fällt auf: Einige Namen sind nicht dabei, mit denen man aber hätte rechnen können.

Jérôme Boateng: Ihm sagte Löw nicht mal persönlich ab

Der Abwehrspieler von FC Bayern wurde 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister. 2019 musterte Jogi Löw ihn dann aus der Nationalelf aus, um jüngeren Spielern Platz zu machen. Schon im Vorfeld zur Pressekonferenz wurde jedoch bekannt, dass der Bundestrainer ehemalige Spitzenspieler wie Mats Hummels oder Thomas Müller zurückholen würde, um ihre Erfahrung mit zur Europameisterschaft zu nehmen. Viele fragten sich, ob auch Jérôme Boateng zurückkehren würde.

Während Hummels und Müller nun tatsächlich die Nationalelf verstärken werden, bleibt Boateng zu Hause. Löw wird zu diesem Umstand gefragt, dieser bleibt aber ziemlich vage, was seine Überlegungen zum Verteidiger angehen:

"Logischerweise haben wir uns auch Gedanken über Jérôme Boateng gemacht. Ich denke mit höchstem Respekt über ihn. Er wurde Weltmeister, hatte einen großen Anteil bei Bayern für ihren Erfolg. Wir hatten aber auch Spieler, die eine gute Abwehr geleistet haben in der letzten Zeit. Daher haben wir uns nur für Hummels entschieden. Es schmälert unsere Meinung über ihn aber keineswegs. Er hat für uns die höchste Anerkennung. Er ist ein großartiger Spieler über viele Jahre."

Weshalb die Nationalelf auf Boatengs Expertise, die Löw ja noch herausstreicht, verzichten kann, Hummels aber benötigt, erklärt der Trainer nicht. Auf eine weitere Frage über den fehlenden Boateng gibt Löw dann zu: "Ich habe im Vorfeld der Nominierung nicht mit ihm gesprochen."

Jérôme Boateng gehört nicht zu den Rückkehrern, anders als Mats Hummels und Thomas Müller.
Jérôme Boateng gehört nicht zu den Rückkehrern, anders als Mats Hummels und Thomas Müller.Bild: ap / Francois Mori

Julian Draxler: "Bei Julian war die Enttäuschung groß"

Der Mittelfeldspieler von Paris Saint-Germain wäre sehr gerne zur EM gefahren, wie aus Jogi Löws Kommentaren herauszuhören ist. "Bei Julian war die Enttäuschung groß", sagt er ganz offen, als er vom Telefonat mit dem 27-Jährigen berichtet. Viel deutlicher erklärt der Trainer den Hintergrund seiner Entscheidung als bei Boateng:

"Er ist ein Spieler, mit dem ich persönlich ein sehr gutes und enges Verhältnis hatte, schon als er jung war. Klar, der Julian hätte extrem gute Fähigkeiten. In den letzten zwei Jahren hat er aber sehr wenig regelmäßig gespielt. Es war ehrlicherweise eine schwierige Entscheidung. Ich würde ihm wünschen, dass er in Paris auch eine andere Rolle finden kann, damit er wieder in die Nationalmannschaft zurückkehren kann. Er war natürlich völlig zu Recht enttäuscht."
Julian Draxler im Einsatz für PSG
Julian Draxler im Einsatz für PSGBild: imago images / Philippe LECOEUR

Dabei wurde auch Draxler Weltmeister in Brasilien, doch dies schien nicht auszureichen. Immerhin war er in der aktuellen Saison angeschlagen und bestritt nur 24 Ligaspiele, lediglich die Hälfte davon als Startspieler. Draxler lässt sich aber nicht aus Paris vertreiben, wie es scheint. Gerade einen Tag vor der DFB-Pressekonferenz gab er auf Instagram die Verlängerung seines Vertrags mit PSG bekannt.

Marco Reus: "Wir hätten ihn gerne dabei gehabt"

Zu Marco Reus' Fehlen im EM-Kader gibt es zwei Theorien: Diejenige, die er selber einen Abend vor der DFB-Pressekonferenz auf Instagram verkündete. Und eine von bösen Zungen.

"Nach einer komplizierten, kräftezehrenden und am Ende 'Gott sei Dank' erfolgreichen Saison habe ich gemeinsam mit dem Bundestrainer beschlossen, nicht mit zur EM zu fahren", schrieb der 31-jährige BVB-Spieler in einem Instagram-Post. Auch Jogi Löw erzählt diese Version an der Pressekonferenz:

"Ich kenne ihn viele Jahre. Er hatte leider in seiner Karriere das große Pech, leider auch 2014, dass er sich einige Verletzungen zugezogen hat. Über die Jahre hinweg hatte er immer wieder Zeiten, wo er länger ausfiel. Das hat bei ihm natürlich Spuren hinterlassen. Er ist ein großartiger Spieler, er ist natürlich für jede Mannschaft ein Gewinn. Aber wir haben offen geredet, und er hat mir gesagt, er sei müde und müsse vorsichtig sein. Für seinen Körper wäre eine Pause gut. Einfach auch, um in der neuen Saison dann fit zu sein. Ich habe ihm dann gesagt, wir brauchen hohe Energie, hohe Intensität. Alle Spieler müssen hochfahren, auch in der Vorbereitungszeit. Ich muss mich bei Marco für seine Offenheit bedanken. Wir hätten ihn gerne dabei gehabt, aber wir akzeptieren und respektieren die Situation."
Marco Reus verzichtet freiwillig auf die EM.
Marco Reus verzichtet freiwillig auf die EM.Bild: imago images / imago images

Die bösen Zungen sagen hingegen: Reus wollte durch diesen Post der Schmach einer Absage durch Jogi Löw zuvorkommen. Ein Journalist stellte dem Bundestrainer deshalb die direkte Frage: "War Reus für den Kader überhaupt vorgesehen?"

Löw dazu: "Marco Reus war planmäßig im Kader vorgesehen. Er ist ja in letzter Zeit gut drauf gewesen."

(ogo)

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