ARCHIV - 13.04.2018, USA, Beverly Hills: Britney Spears kommt bei den 29. GLAAD Media Awards an. Der Popstar hat in einer Anh

Britney Spears sagte nun vor Gericht aus. Bild: dpa / Chris Pizzello

"Mein Vater gehört ins Gefängnis" – Britney Spears fordert Ende von Vormundschaft und schießt scharf gegen Jamie Spears

Am Mittwochnachmittag (Ortszeit), mit einer Verzögerung von rund 45 Minuten, startete die Vormundschafts-Anhörung im Fall Britney Spears in Los Angeles. Die Sängerin sollte an diesem Tag vor Gericht aussagen, war dafür aber nicht live vor Ort, sondern wurde per Telefon dazugeschaltet. Britney Spears erhob in ihrer mehr als 20-minütigen Aussage schwere Vorwürfe gegen ihre Familie und Betreuer und forderte das Ende ihrer fast 13-jährigen Vormundschaft.

"Ich bin traumatisiert", sagte die Sängerin in der Telefonschalte, wie der US-Sender CNN und andere Medien berichteten. "Ich bin nicht glücklich, ich kann nicht schlafen. Ich bin so wütend, das ist verrückt. Und ich bin deprimiert. Ich weine jeden Tag."

Die 39-Jährige stellte mehrfach klar, dass sie die seit 2008 bestehende Vormundschaft über ihre Person und ihre Finanzen satt ist und sich ein Ende dieser wünscht. Dies sei Missbrauch, erklärte die Sängerin in der Anhörung vor Richterin Brenda Penny in Los Angeles. Sie fühle sich von ihrer Familie und von Managern ausgenutzt. Sie werde von allen kontrolliert und könne selbst nicht über ihr Leben bestimmen.

Britney Spears will Vormundschaft komplett beenden

Zu dem Termin waren unter anderem Spears' geschiedene Eltern, Jamie und Lynne Spears, ihr Anwalt Sam Ingham und die vom Gericht bestellte Betreuerin Jodi Montgomery zugeschaltet. Im April hatte die Sängerin die Anhörung beantragt. In dem Rechtsstreit um ihre Vormundschaft hatte sich Spears bis dahin selbst kaum öffentlich geäußert.

Nachdem die Sängerin wegen beruflicher und privater Probleme psychisch zusammengebrochen war, hatte ein Gericht 2008 entschieden, ihrem Vater die Vormundschaft zu übertragen. Seither verwaltete Jamie Spears das Vermögen und andere Anliegen seiner berühmten Tochter. 2019 trat der Vater aus gesundheitlichen kürzer, er verwaltete seither als Vormund nur noch das Vermögen seiner Tochter. Für deren persönliche Belange, darunter auch medizinische Entscheidungen, wurde Montgomery als Vormund eingesetzt. 2020 kam ein Finanztreuhänder dazu.

FILE - Singer Britney Spears makes an appearance in front of the Park MGM hotel-casino in Las Vegas on Oct. 18, 2018. The Shakespeare Theatre Company in Washington, D.C. announced Thursday that it will stage “Once Upon a One More Time,” featuring Spears’ tunes, including “Oops!… I Did It Again,” “Lucky,” “Stronger” and “Toxic.” (Steve Marcus/Las Vegas Sun via AP)/Las Vegas Sun via AP)

Britney Spears will die Vormundschaft beenden lassen. Bild: ap / Steve Marcus

Zuletzt hatte sich die Sängerin über ihren Anwalt bemüht, den Vater von seiner Vormundsrolle gänzlich zu entbinden. Bei der Anhörung am Mittwoch machte Spears nun erstmals ihre komplette Ablehnung der Vormundschaft deutlich.

Britney Spears will Vater im Knast sehen

Am Telefon las Spears das mit heftigen Vorwürfen gegen ihre Familie und ihre Betreuer gespickte Statement ab. Sie wünsche sich, dass die ganze Welt die Wahrheit erfahre. Ihren Eltern warf sie Ausbeutung vor. Seit 13 Jahren würden sie von ihrem Geld profitieren und ihr Privatleben kontrollieren. Das Vermögen der Sängerin wird auf 60 Millionen Dollar geschätzt. Am liebsten würde sie ihre Familie verklagen, betonte Spears vor Gericht. Und sie wurde, wie die "Bild" berichtet, noch deutlicher:

"Mein Vater und mein Management gehören ins Gefängnis!"

FILE - Jamie Spears, father of singer Britney Spears, leaves the Stanley Mosk Courthouse on Oct. 24, 2012, in Los Angeles. When Britney Spears speaks to a judge at her own request on Wednesday, June. 23, 2021, she'll do it 13 years into a court-enforced conservatorship that has exercised vast control of her life and money by her father. Spears has said the conservatorship saved her from collapse and exploitation. But she has sought more control over how it operates, and says she wants her father out. (AP Photo/Nick Ut, File)

Jamie Spears hat seit 13 Jahren die Vormundschaft für Britney. Bild: ap / Nick Ut

Ihr 68-jähriger Vater liebe es außerdem, Macht über sie auszuüben, stellte Spears dar. Sie sei unter der Vormundschaft wie eine Sklavin behandelt worden. Spears zufolge wurde sie dazu gezwungen, Konzerte zu geben. Man habe sie zudem unter Druck gesetzt, das Medikament Lithium zu nehmen, obwohl sie sich danach schlecht gefühlt habe. Lithium wird zur Behandlung manischer Depressionen eingesetzt.

Auch in ihrem Privatleben dürfe sie keine eigenen Entscheidungen treffen, lamentierte die Sängerin. Sie würde gerne heiraten und ein weiteres Kind bekommen, doch ihr sei nicht erlaubt worden, einen Arzt aufzusuchen, um ihre Spirale zur Empfängnisverhütung zu entfernen. Seit 2016 ist Spears mit dem Tänzer und Fitnesstrainer Sam Asghari liiert. Aus ihrer 2007 geschiedenen Ehe mit Kevin Federline hat sie bereits zwei Söhne im Alter von 14 und 15 Jahren.

Jamie Spears beteuert Liebe zu Tochter Britney

Nach der Anhörung gab Jamie Spears über seine Anwältin Vivian Thoreen eine kurze Erklärung ab. "Es tut ihm leid, zu sehen, dass seine Tochter leidet und Schmerzen hat", zitierte "Variety" aus der Mitteilung der Anwältin. "Mr. Spears liebt seine Tochter und vermisst sie sehr."

Die nächste Gerichtsanhörung ist für Mitte Juli angesetzt. Zunächst wurde nicht bekannt, ob die Sängerin nun formell einen Antrag auf die Beendigung der Vormundschaft einreichen wollte.

EDS NOTE: OBSCENITY - Britney Spears supporters march outside a court hearing concerning the pop singer's conservatorship at the Stanley Mosk Courthouse, Wednesday, June 23, 2021, in Los Angeles. (AP Photo/Chris Pizzello)

In Los Angeles gingen zahlreiche Menschen für Britney Spears auf die Straße. Bild: ap / Chris Pizzello

Eine Anfang Februar veröffentlichte Dokumentation der "New York Times" über Spears' Leben unter der Vormundschaft ihres Vaters hatte heftige Diskussionen vor allem in den sozialen Netzwerken entfacht. Die Doku fragt unter anderem, ob jemand gleichzeitig ein weltweiter Superstar und eine kaum zurechnungsfähige Person sein könne, die unter Kontrolle gestellt gehört.

Viele Prominente und Fans bekundeten unter dem Hashtag "#FreeBritney" daraufhin ihre Unterstützung für die Sängerin. Dutzende Fans hatten sich am Mittwoch mit Postern und Protestschildern vor dem Gericht aufgestellt.

Sogar Justin Timberlake, der einst mit Britney Spears zusammen war, schrieb auf Twitter, dass er und seine Frau Jessica Biel der Sängerin ihre Liebe und "volle Unterstützung" senden würden. "Wir hoffen, dass das Gericht und ihre Familie dies wieder in Ordnung bringen und sie leben lassen, wie sie es sich wünscht." Später ergriff er erneut Partei für Britney Spears und erklärte, dass niemand gegen seinen eigenen Willen festgehalten werden solle.

(jei/dpa)

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