Novak Djokovic bangte um die Einreise nach Australien.
Novak Djokovic bangte um die Einreise nach Australien.Bild: www.imago-images.de / Meng Dingbo
Exklusiv

Nach Chaos um Djokovic-Einreise nach Australien: Sponsor beobachtet Situation "kritisch"

10.01.2022, 15:5110.01.2022, 16:59

Etwas mehr als vier Tage durfte Novak Djokovic das "Park Hotel" in Melbourne nicht verlassen. Er war dort hingekommen, nachdem die australische Grenzbehörde ihm am vergangenen Mittwochabend die Einreise untersagt hatte. Djokovic ist nicht gegen Covid-19 geimpft und war mit einer Ausnahmegenehmigung nach Australien gereist, um an den Australian Open (17. - 30. Januar) teilzunehmen.

Obwohl ein Gericht mittlerweile entschieden hat, dass der 34-Jährige das Hotel verlassen darf und sich vorerst frei in Australien bewegen kann, ist nicht sicher, ob er beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres spielen wird. Denn Australiens Einwanderungsminister Alex Hawke könnte Djokovic wohl noch ein zweites Mal das Visum entziehen. Das bekommt man in Australien nämlich eigentlich nur, wenn man geimpft ist.

Sponsoren äußern sich zum Fall Djokovic

Ob das Visum nochmals erzogen wird, wird frühestens am Dienstag entschieden. "Der Minister prüft derzeit die Angelegenheit und das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen", sagte ein Sprecher des Einwanderungsministeriums. Djokovic wird daher zumindest die Nacht zu Dienstag in Australien verbringen. Danach könnte Hawke eine erneute Entscheidung treffen.

In den vergangenen Tagen gab es viel Hektik rund um den serbischen Tennis-Star. Viele kritische Berichte wurden verfasst, australische Journalisten haben sogar die Fans aufgefordert, den Serben bei den Australian Open auszupfeifen. Auch in den kommenden Tagen ist wohl mit vielen kritischen Stimmen gegenüber Djokovic zu rechnen.

"Wir beobachten die aktuelle Situation als Sponsor von Novak Djokovic kritisch"
Christof Danz, Sprecher von Djokovic-Sponsor Raiffeisen Bank International

Als einer der besten Tennis-Spieler aller Zeiten hat der Serbe auch einige namhafte Unternehmen als Sponsor. So unterstützen unter anderem Lacoste, Peugeot, Hublot, Raiffeisen Bank International oder die Ultimate Kronos Gruppe den 34-Jährigen.

Wie sehen diese Unternehmen das Chaos rund um die Einreise nach Australien? Wie bewerten sie die vorläufige Einreise von Djokovic? Werden sie mit dem Tennis-Star sprechen, ihn von einer Impfung überzeugen und wird es irgendwelche Konsequenzen für die Zusammenarbeit geben? watson hat bei ihnen nachgefragt.

Die Raiffeisen Bank International (RBI) bezog am klarsten Stellung zu den aktuellen Ereignissen. Sprecher Christof Danz teilt auf watson-Anfrage mit, dass sich die RBI aufgrund des "hohen Ansehens in Zentral- und Osteuropa" von Djokovic und der "herausragenden sportlichen Erfolge und seines sozialen Engagements" auf eine mehrjährige Partnerschaft geeinigt habe.

Diese Entscheidung sei aber lange Zeit vor der aktuellen Berichterstattung um den COVID-19-Impfstatus von Djokovic oder dessen Teilnahme an den Australian Open geschehen. Dennoch ist es der abschließende Satz des Statements, der aufhorchen lässt: "Wir beobachten die aktuelle Situation als Sponsor von Novak Djokovic kritisch."

Direkte Konsequenzen zieht die RBI also noch nicht. Zumindest zwischen den Zeilen lässt sich aber erahnen, dass das aktuelle Verhalten des Weltranglistenersten nicht auf Freude gestoßen ist.

Uhren-Hersteller hält sich zurück

Um einiges zurückhaltender äußert sich der Schweizer Uhrenhersteller Hublot. In einer knappen Antwort heißt es lediglich:

"Novak Djokovic ist seine eigene Person. Wir können keine seiner persönlichen Entscheidungen kommentieren."

Wie es also mit den Sponsoren weitergeht, bleibt offen. Genauso, wie es in den nächsten Tagen mit Djokovic weitergeht. Nachdem er die Erlaubnis bekam, sich frei in Australien zu bewegen, trainierte Djokovic mit seinem Trainer Goran Ivanisevic in der Rod Laver Arena.

"Ich bin zufrieden und dankbar, dass der Richter die Annulierung meines Visums zurückgenommen hat. Ungeachtet allem, was passiert ist, will ich bleiben und versuchen zu spielen", schrieb er dazu. Ergänzend fügte er an: "Das ist es, worauf ich fokussiert bleibe. Ich bin hierher geflogen, um bei einem der bedeutendsten Events, das wir haben, und vor den tollen Fans zu spielen."

Vater Srjdan Djokovic (l.) und Bruder Djordje Djokovic hier im Jahr 2016. Sie hielten zu den Ereignissen rund um die Einreise von Novak eine Pressekonferenz in Serbien ab.
Vater Srjdan Djokovic (l.) und Bruder Djordje Djokovic hier im Jahr 2016. Sie hielten zu den Ereignissen rund um die Einreise von Novak eine Pressekonferenz in Serbien ab.Bild: imago sportfotodienst / Camera 4/International

Ähnlich positiv sah es auch Djokovics Familie. Bruder Djordje Djokovic teilte auf einer Pressekonferenz in Serbien mit, dass er den Richter der Verhandlung bewundere, weil er "sehr detailliert und neutral" gearbeitet habe. Gleichzeitig wurde die Pressekonferenz, die Djordje zusammen mit seinen und Novaks Eltern abhielt, zu jenem Zeitpunkt beendet, als es besonders interessant wurde, nämlich als es um Novak Djokovics Corona-Erkrankung ging.

Djokovic war nach Australien eingereist in der Annahme, dass eine kürzlich überwundene Covid-Erkrankung ebenfalls eine Einreise erlaube. Der 34-Jährige selbst hatte in der Gerichtsverhandlung angeführt, dass er am 16. Dezember positiv getestet worden sei. Anschließend kamen allerdings die Vorwürfe auf, dass sich Djokovic kurz danach noch bei mehreren Auftritten in der Öffentlichkeit gezeigt hatte. Oft ohne Maske und ohne Abstand.

Als eine Journalistin auf der Pressekonferenz der Familie danach fragte, sagte Bruder Djordje: "Der ganze Gerichtsprozess war öffentlich. Alle Dokumente sind legal." Auf eine Nachfrage, ob Novak Djokovic auch am 17. Dezember, am Tag eines Pressetermins, positiv gewesen sei, brach Djordje die Veranstaltung: "Diese Pressekonferenz ist jetzt beendet."

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