Coronavirus
Alexander Kekule zu Gast in der

Alexander Kekulé ist für die kürzlich beschlossenen Schutzmaßnahmen. Allerdings könnte ein 14-tägiges Kontaktverbot seiner Meinung nach zu wenig sein. Bild: dpa/Stephan Persch

Corona-Ansteckungswelle flacht ab? Virologe erklärt, woran es liegt

Laut Aussage des Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, scheint die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland zurückzugehen. "Wir sehen den Trend, dass sich die Wachstumskurve etwas abflacht", sagte er am Montag bei einer Pressekonferenz in Berlin. Er geht noch ein Stück weiter und führt das auf die Schutzmaßnahmen zurück, die Bundeskanzlerin Merkel kürzlich vorstellte.

Dabei handelt es sich um ein Kontaktverbot, auf das sich Bund und Länder einigten. Ansammlungen von mehr als zwei Personen sind demnach für die nächsten zwei Wochen verboten. Einzige Ausnahme: Die Personen leben in einem Haushalt. Wer sich nicht daran hält, muss mit Strafen rechnen. Außerdem müssen alle Restaurants nun auch tagsüber schließen. Ähnliches gilt für Friseure sowie ähnliche Angebote.

Etwas zu voreilige Rückschlüsse

So positiv das auch klingt, die Meldung sollten wir vorerst mit Vorsicht genießen. Denn genaue Zahlen veröffentlicht das RKI erst zum Mittwoch. Wieler spricht von vorsichtigem Optimismus. Den Rückgang auf die Schutzmaßnahmen zurückzuführen könnte allerdings laut Virologen Alexander Kekulé etwas überstürzt sein. Im MDR-Podcast vom Montag "Kekulés Corona-Kompass" sagt er:

"Jemand, der krank ist, hat sich fünf Tage vorher infiziert und dann dauert es nochmal mindestens drei Tage, bis die Diagnose gestellt wird."

Alexander Kekulé mdr

Der Virologe vermutet, dass etwas anderes für den Rückgang verantwortlich ist: So sei es etwa in Bayern zu einem explosionsartigen Anstieg nach dem Ende der Schulferien gekommen. In diesem Zeitraum kamen viele Menschen aus ihrem Urlaub aus Norditalien zurück, eines der stark betroffenen Gebiete. In Nordrhein-Westfalen sah es ähnlich aus. Allerdings spielten dort auch die Karnevalsfeiern eine Rolle. Kekulé schließt daraus:

"Diese Booster der Epidemie in Deutschland nehmen jetzt natürlich ab. Dadurch sehen wir einen Rückgang der Neuinfektionen."

Es muss noch etwas Zeit vergehen

Wie effektiv die beschlossenen Schutzmaßnahmen sind, wird sich laut Kekulé noch zeigen. Er geht zwar davon aus, dass sie einen positiven Effekt haben werden, fragt sich aber auch, ob dieser ausreicht, um die Ausbreitung des Virus zu kontrollieren. Denn bisher stecken wir gerade in einer unkontrollierbaren Phase.

14 Tage Kontaktverbot sind laut Kekulé allerdings zu wenig. Dennoch könne man in der Zeit zumindest einen Effekt sehen. "Die große Frage ist aber, wie es dann weitergeht." Schließlich wurde bereits mehrfach gesagt, dass wir Monate bis Jahre brauchen, bis eine Pandemie überstanden ist.

"Derzeit sind Zahlen im Raum, laut denen 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung die Krankheit bekommen müssen, damit man eine Herdenimmunität hat." Je länger das dauert, desto weniger werde die Infrastruktur belastet. Ob wir Jahre in unserer Wohnung bleiben wollen, ist allerdings eine andere Frage.

(tk)

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