Kevin Kühnert ist etwas zahmer als im Wahlkampf.
Kevin Kühnert ist etwas zahmer als im Wahlkampf.
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"Hart aber fair": Kühnert erklärt seine Lindner-Attacke – Zuschauer verwirrt vom Ende der Sendung

28.09.2021, 20:59
Dirk krampitz

Deutschland hat gewählt, aber wie es politisch weiter geht, ist trotzdem noch nicht ganz klar. Die SPD ist mit 25,7 Prozent stärkste Partei geworden vor der CDU (24,1 Prozent). Frank Plasberg diskutiert mit seinen Gästen über die weitere Entwicklung. JU-Bundesvorsitzender Tilman Kuban wendet sich deutlich gegen seinen Parteivorsitzenden und Kevin Kühnert (SPD) macht einen kleinen Rückzieher von der Wahlkampfrhetorik. Außerdem endet diese Ausgabe ungewohnt und überraschend, was viele Zuschauer irritiert. Diese Gäste im Studio sind:

  • Tilman Kuban, CDU, Bundesvorsitzender Junge Union
  • Kevin Kühnert, SPD, stellv. Parteivorsitzender
  • Alexander Graf Lambsdorff, FDP, stellv. Fraktionsvorsitzender
  • Renate Künast, B‘90/Grüne, Bundestagsabgeordnete
  • Sascha Lobo, "Spiegel"-Kolumnist und Autor
  • Mariam Lau, Redakteurin im Politikressort der "Zeit"
Tilman Kuban schont seine Partei nicht.
Tilman Kuban schont seine Partei nicht.
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Während CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet aus den erhaltenen Wählerstimmen einen Auftrag zur Regierungsbildung in Form der Jamaika-Koalition ableitet, wählt Tilman Kuban, Bundesvorsitzender der Jungen Union, klare Worte, um das bei der Wahl Erreichte zu beschreiben:

"Wenn man nur auf Platz zwei landet, liegt der Ball im Spielfeld von Olaf Scholz, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. Wir haben die Wahl verloren. Punkt."
Tilman Kuban

Ob es an Kurs, Kampagne oder Kandidat gelegen habe, will Plasberg wissen. Antwort: An allen dreien. "Wir hatten zu wenige eigenen Themen. Und der Kandidat hat nicht die Zustimmungskräfte erhalten, wie einige Kräfte, die ihn aufs Schild gehoben haben, erwartet haben." Es klingt insgesamt nicht so, als ob Kuban noch an eine große politische Zukunft Laschets glaubt. Aber das tut "Zeit"-Politikredakteurin Mariam Lau auch nicht angesichts von Laschets Koalitionsideen. "Es ist so eine Art Autosuggestion. Und ich finde, langsam kann man es auch Arroganz nennen.“

Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo sieht Laschet politisch am Ende. "Ich glaube überhaupt nicht mehr, dass Armin Laschet im Entferntesten in der Lage ist, eine stabile Regierung zu bilden", er sei auch intern zu viel Kritik ausgesetzt gewesen. "Da muss Friedrich Merz nur einmal einen Ellenbogencheck machen und der fällt lang hin."

Kevin Kühnert macht einen kleinen Rückzieher.
Kevin Kühnert macht einen kleinen Rückzieher.
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Des einen Pech, des anderen Glück. Ob so wie er ein glücklicher Wahlsieger aussehe, will Frank Plasberg vom etwas angeschlagen wirkenden Kevin Kühnert wissen. Der stellvertretende SPD-Parteivorsitzende beteuert, dass er "auf jeden Fall ein glücklicher Wahlsieger" sei, auch wenn er nicht so aussehe. "Fast 26 Prozent sind für uns ein tolles Ergebnis. Olaf Scholz trägt an diesem Ergebnis einen, ich würde sagen: den maßgeblichen, Anteil."

Etwas pikiert merkt er an, dass Armin Laschet es noch nicht geschafft habe, "dem Wahlsieger zu gratulieren".

Nun ist Kühnert sonst auch nicht unbedingt als Mann, der nie jemandem auf die Füße tritt, bekannt. Noch vor Kurzem hat er FDP-Chef Christian Lindner einen "Luftikus" genannt wegen dessen Steuer-Plänen. "Einfach Steuern senken für alle, das weiß auch die FDP bei genauem Hingucken selber, geht nicht", erklärt er in der Sendung nochmal. Aber insgesamt klingt Kühnert versöhnlicher als vor der Wahl.

Er selbst findet "Luftikus" sei ja auch eher ein Begriff der "sehr putzigen Kategorie". Und es sei ja Wahlkampf gewesen, darum müsse man "die Nummer nicht zu hoch hängen". Vor der Wahl sei es darum gegangen, die Unterschiede in den Programmen für die Bürger sichtbar zu machen, nun müsse man nach Gemeinsamkeiten suchen. Versöhnlich gibt sich auch der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff. "Wir sollten Begrifflichkeiten im Wahlkampf nicht auf die Goldwaage legen."

Und Steuern seien "kein Fetisch" der SPD, sagt Kühnert. Man würde sie erheben, weil man sie braucht, aber auch zum Steuern der Gesellschaft. Und die Vermögenssteuer habe es bis unter Helmut Kohl (CDU) gegeben, den er deshalb ironisch "den großen sozialistischen Bundeskanzler" nennt. Alexander Graf Lambsdorff kritisiert hingegen die "Substanzbesteuerung" bei Unternehmen, die eine Vermögenssteuer mit sich brächte und außerdem sei eine Vermögenssteuer zu aufwendig zu erheben. "Keine Steuergerechtigkeit, weil es so schwierig ist – das ist ein bisschen einfach", kontert Kühnert. Ganz einfach dürften die Koalitionsgespräche also doch nicht werden.

Alexander Graf Lambsdorff will keine Vermögenssteuer.
Alexander Graf Lambsdorff will keine Vermögenssteuer.
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Noch am Wahlabend haben die Grünen und die FDP beschlossen, erstmal untereinander zu klären, wie eine Zusammenarbeit zwischen ihnen und dann mit SPD oder CDU aussehen könnte. Alexander Graf Lambsdorff sieht darin eine neue "Koalitionsverhandlungskultur" und mittlerweile gebe es in Deutschland ein "neues Parteiensystem" mit mehreren kleinen statt zwei großen. "Das bedeutet für uns alle eine Umgewöhnung, das bedeutet für uns alle eine Chance."

Sascha Lobo glaubt, dass Deutschland nun auch politisch im 21. Jahrhundert angekommen ist.
Sascha Lobo glaubt, dass Deutschland nun auch politisch im 21. Jahrhundert angekommen ist.
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Sascha Lobo geht sogar noch eine Stufe weiter: "Mit dieser Bundestagswahl hat in Deutschland das 21. Jahrhundert erstmal angefangen." Angela Merkel habe das 20. Jahrhundert mit ihren "62 Amtsjahren – so hat es sich für mich angefühlt" verlängert. Nun gebe es keine Volksparteien mehr, die sich verlässlich 30-40 Prozent vom Wähler abholen, sondern eben mehrere kleinere Parteien. Junge Leute hätten vor allem FDP und Grüne gewählt, weil sie als Oppositionsparteien gegen den Status Quo standen und sich auch als einzige für Digitalisierung eingesetzt hätten.

Trotz des Zuspruchs der jungen Wähler haben die Grünen mit ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock vom Anfangsumfragehoch fast die Hälfte der Stimmen im Laufe des Wahlkampfs wieder verloren. Unter anderem wohl auch wegen der positiven Übertreibungen in Baerbocks offiziellem Lebenslauf und abgeschriebener Stellen in ihrem Buch. Bei der Frage, ob Robert Habeck nicht die bessere Wahl als Kanzlerkandidat gewesen wäre. Antwortet Künast erstaunlich ungeschickt. "Es ist ein Irrtum, dass man gegen ihn keine Kampagne hätte fahren können. Da hätte man vielleicht andere Dinge gefunden." Das klingt fast wie einen Einladung an den politischen Gegner.

Einige Medien haben berichtet, es sei ausgemachte Sache, dass nach Baerbocks gescheiterter Kandidatur in einer möglichen Koalition nun Habeck Vize-Kanzler werden solle. Ob das stimme, fragt Plasberg Künast. "Ich weiß davon nichts", sagt Künast und sie halte es "auch nicht für sinnstiftend", darüber jetzt zu sprechen.

Ist Angela Merkel zum Jahresende noch im Amt?
Ist Angela Merkel zum Jahresende noch im Amt?
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Normalerweise stellt Plasberg eine mehr oder minder lustige Wer-mit-wem-Schlussfrage, die Sympathien und Antipathien der Gäste untereinander aufzeigen soll. Diesmal gibt es stattdessen die bei der Jahreszahl geänderte Jahresendansprache von Angela Merkel im Schnellvorlauf. Ein schlapper Witz, der damit spielt, dass sich die Koalitionsverhandlungen möglicherweise noch lange hinziehen.

Wie immer schaltet Plasberg dann rüber zu den Tagesthemen. Normalerweise gibt es einen kurzen Überblick und dann die Verabschiedung von Plasberg. Doch diesmal übernehmen Ingo Zamperoni und Caren Miosga, die ausnahmsweise beide gemeinsam im Dienst sind, nahtlos und es gibt keine Schaltung mehr zurück. Es dauert eine ganze Weile, bis man realisiert, dass die Tagesthemen schon richtig begonnen haben und es nicht nur ein Teaser ist. Ob es ein technischer Fehler war? Die Zuschauer sind irritiert.

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