Die Gäste am Wahlabend bei "Maybrit Illner".
Die Gäste am Wahlabend bei "Maybrit Illner".
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FDP-Vize provoziert Röttgen bei "Illner": "Aus Mitleid die CDU gewählt"

27.09.2021, 06:30
Alina Lackerbauer
Alina Lackerbauer
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Die Union fährt ihr historisch schlechtestes Ergebnis ein, die SPD führt knapp – und jetzt kommt alles auf Grüne und FDP an. Nach einer spannenden Bundestagswahl geht es jetzt um die Frage, wer künftig regieren wird. In der Sendung von Maybrit Illner am Wahlabend lächeln das manche noch weg, andere spekulieren, einige haben jedoch schon deutliche Prognosen.

Diese Gäste diskutierten nach der Bundestagswahl bei "Maybrit Illner":

  • Sigmar Gabriel, Politiker (SPD)
  • Norbert Röttgen, Politiker (CDU)
  • Marina Weisband, Publizistin
  • Alexander Graf Lambsdorff, Politiker (FDP)
  • Anja Maier, Politische Korrespondentin "Weser Kurier"
  • Robin Alexander, stellvertretender Chefredakteur "Die Welt"

"Dieses Mal hatte der Wähler das erste Wort, aber nicht das letzte Wort", steigt Robin Alexander, stellvertretender Chefredakteur der "Welt" in die Sendung ein. Die SPD liege zwar knapp vorne – doch alles stehe noch offen. "Man kann sagen, der eine hat kräftig dazugewonnen und der andere hat kräftig verloren", resümiert Journalistin Anja Maier. Olaf Scholz geht an diesem Abend als Sieger hervor. Und Armin Laschet? Der habe politische Inhalte außer Acht gelassen, stichelt der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel.

Röttgen wirbt für Jamaika und spricht von großen Übereinstimmungen

Laut der zugeschalteten SPD-Politikerin und der Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, ist die Frage nach der Regierungsbildung am Wahlabend doch gar nicht so wichtig. "Heute Abend reden wir nicht über Koalitionen, heute freuen wir uns als Sozialdemokraten", so Dreyer. Dann rückt sie aber doch heraus, dass eine Ampel mit FDP und Grünen eine realistische Koalition sei.

CDU-Politiker Norbert Röttgen findet das historisch schlechte Wahlergebnis für seine Partei "nicht egal".
CDU-Politiker Norbert Röttgen findet das historisch schlechte Wahlergebnis für seine Partei "nicht egal".
Bild: foto: screenshot zdf

CDU-Politiker Norbert Röttgen nimmt zwar Stellung zum historisch schlechten Ergebnis seiner Partei, plädiert aber im selben Atemzug gleich für eine Jamaika-Koalition. Im Bereich Klima- und Außenpolitik hätten CDU und CSU, FDP und Grüne teils große Übereinstimmungen, findet er. Im Wahlkampf klang das vor allem mit Blick auf die Grünen noch ganz anders.

FDP-Vize stellt klar: Zuerst wird mit Grünen gesprochen

Bei den Verhandlungen nach der Wahl hänge das meiste von FDP und Grünen ab, sagt Journalist Alexander. Es gehe um Gespräche mit SPD und Union – doch klug wären FDP und Grüne, wenn sie zuerst miteinander sprechen würden. "Es ist absolut richtig, dass wir zuerst mit den Grünen reden", stellt FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff direkt klar. Das seien die beiden Parteien, die gewonnen hätten und mitregieren wollen.

"Manchmal ist das historisch beste Ergebnis trotzdem nicht gut genug", gesteht sich Publizistin und Grünen-Mitglied Marina Weisband das Ergebnis von etwa 14 Prozent ein. Infrastruktur, Digitalisierung und Bildung würden dagegen jetzt eine große Rolle spielen, "da sehe ich mit der FDP auf jeden Fall Spielraum". Graf Lambsdorff nickt eifrig im Hintergrund.

FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff will in aller Ruhe mit den Grünen sondieren.
FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff will in aller Ruhe mit den Grünen sondieren.
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Jamaika könnte für Grüne am Sinnvollsten sein

Laut Alexander könnten die Grünen viel gewinnen, sollten sie klug sondieren. Er erklärt: Es gibt ein rot-grünes Lager und ein schwarz-gelbes Lager – diejenigen, die rüberkommen, könnten dafür viel verlangen. Die Grünen könnten sich also auf Jamaika einlassen, um dann auf eine sehr strikte Klimapolitik zu plädieren – ihr Wahlversprechen quasi einlösen. Das wäre logischer als eine Ampel, da diese Koalition immer nur gemutmaßt wurde, weil FDP-Chef Christian Lindner unbedingt rot-grün-rot vermeiden wollte.

"Der eigentliche Königsmacher sind die Grünen. Die FDP muss regieren. Sie können nicht noch einmal 'Nein' sagen, das haben sie einmal zu viel gemacht."
Sigmar Gabriel

Doch die Grünen wollen regieren – deswegen sitzen sie am längeren Hebel. Laschet habe hingegen einen "Niedergang" erlebt. Doch was lief wirklich so schief bei der Union? Dieser Frage geht Röttgen aus dem Weg, erzählt stattdessen, dass CDU und CSU total geschlossen seien. Bei der Union bröckele es doch immer wieder und vor allem schnell, analysiert dagegen Maier und durchschaut Röttgens gute Miene zum bösen Spiel. "Sie machen das für den Machterhalt, aber nicht, weil Sie Ihren Kanzlerkandidaten so toll finden", glaubt sie.

Aus Mitleid die CDU gewählt?

Graf Lambsdorff richtet die Diskussion wieder auf seine Partei. "Ich schmunzeln, wenn hier gesagt wird, die Grünen haben hier den Hebel in der Hand. Wir haben ihn gemeinsam in der Hand", sagt der FDP-Vize. Man würde nun in aller Ruhe die Gespräche mit den Grünen suchen. Und die Union hat aus Überzeugung eigentlich weniger Stimmen, stichelt er nochmal hinterher. "Ich habe so viele in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die aus Mitleid die CDU gewählt haben - damit es nicht rot-rot-grün wird." Röttgen schmunzelt nur. "Ich fürchte, dass Graf Lambsdorff die falsche Motivation in deren Wahlentscheidung sieht. Sie haben einen aufgeklärten politischen Freundeskreis." Beide lachen, dann kommt Röttgen wieder auf den Punkt.

Publizistin und Grünen-Mitglied Marina Weisband hält die CDU nicht für progressiv.
Publizistin und Grünen-Mitglied Marina Weisband hält die CDU nicht für progressiv.
Bild: screenshot zdf

Schwarz-Grün sei das, was gesellschaftlich da sei, jetzt müsse man das politisch vereinen, findet er und wirbt damit offensichtlich für eine Jamaika-Koalition. Grünen-Mitglied Weisband äußert sich dagegen ganz anders und spricht der CDU jegliche Progressivität ab.

"Alle Menschen in diesem Land merken, wir stehen in diesem Land vor einer monumentalen Veränderung. Ich glaube nicht, dass eine Partei, die wusste, wie es ging, und die 16 Jahre regiert hat, jetzt diese Veränderung durchführen kann."
Publizistin Marina Weisband

"Sind Sie wirklich scharf auf diese Verantwortung?", fordert Weisband den CDU-Politiker heraus – oder wäre eine Opposition für die Union nicht doch bequemer? Schließlich würde die Gesellschaft vor einer Zäsur, vor großen Herausforderungen stehen. "Die CDU ist die Partei dafür", findet Röttgen.

Abschied vom Wahlkampf – und die Prognosen sind ganz unterschiedlich

Die Parteien haben nicht über Herausforderungen gesprochen, moniert Gabriel. "Das putzigste Plakat, das ich gesehen habe, war eines von den Grünen. Auf dem Stand: 'Wirtschaft und Klima ohne Krise'", bemängelt er. Nun komme es auf Entscheidungen an. Es werde keine 16 Jahre Regierung mehr geben – da es keine dominierende Partei mehr gebe. Der Kanzler wird den Großteil der Bevölkerung nicht hinter sich stehen haben. "Das wird eine Riesenherausforderung", sagt er und FDP-Vize Graf Lambsdorff und Grünen-Politikerin Weisband nicken zustimmend.

SPD-Politiker Sigmar Gabriel rechnet mit einer Ampel-Koalition.
SPD-Politiker Sigmar Gabriel rechnet mit einer Ampel-Koalition.
Bild: screenshot zdf

Doch was prognostiziert die Runde? Gabriel vermutet eine Ampel, es gebe jedoch auch eine große Schnittmenge der CDU und FDP, die gemeinsam auf die Grünen zugehen könnten. Er denke aber, dass es nicht so lange dauern wird. Weisband hofft auf eine Ampel, Alexander rechnet mit Jamaika. Lambsdorff tippt nichts – und entschwindet wieder im Wahlkampf: Er wünscht sich eine Regierung, in der die FDP viele Inhalte durchsetzen werde.

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