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A senior couple explores a beach in Oregon state, enjoying the beauty of sunset on the Pacific Northwest coast.  They hike up a sand dune, the ocean visible in the background.

Strandspaziergänge könnten trotz Corona wieder möglich sein. (Symbolbild) Bild: Getty Images

Urlaub am Strand trotz Corona: Was 2020 möglich sein wird

Bisher scheint es nicht so, als ob ein Auslandsurlaub in diesem Jahr klappt. Zwar fahren beliebte Urlaubsländer wie Italien oder die Türkei das öffentliche Leben wieder hoch – aber sehr langsam. Gerade für Strandurlauber könnten Hoffnungen auf Sonne und Meer also, pardon, im Sande verlaufen. Für die Regierungen und die Tourismusbranche der jeweiligen Länder gilt es, genau das zu verhindern.

Die Ideen dazu fallen bislang mal mehr, mal weniger gut aus. In Italien plant etwa eine Firma für Schutzvorrichtungen, Plexiglaskästen auf Stränden zu verteilen. Das mag in Bezug auf die Abstandsregeln sinnig sein, aber für Urlauber wenig einladend. Im spanischen Andalusien könnten hingegen künftig mehr Strandwächter eingesetzt werden, die sicherstellen, dass sich die Menschen an die Abstandsregeln halten. Zudem sollen einige Strände für Kinder gesperrt werden, um die Ansteckungsgefahr für ältere Menschen zu senken. Doch wie gesagt: Aktuell handelt es sich nur um Ideen.

Und selbst wenn diese umgesetzt werden, sollten wir erstmal auf Auslandsreisen verzichten. Nicht nur, weil es im Notfall laut Außenminister Heiko Maas (SPD) keine großangelegten Rückholaktionen mehr geben soll, sondern auch, weil längere Reisen aktuell ohnehin ein Gesundheitsrisiko beherbergen. Für den großen Trip ins Ausland sieht es also schlecht aus. Doch auch Deutschland hat schöne Strände. Stellt sich nur die Frage, wie es sich dort mit der Öffnung für den Tourismusbetrieb verhält.

Am Mittwoch haben sich Bund und Länder auf weitgehende Lockerungen geeinigt. Über schrittweise Öffnungen der Gastronomie sollen die Bundesländer selbst entscheiden. Dies gilt auch für Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Es gibt also Hoffnung für Urlauber in Deutschland.

Wir haben uns den St(r)and in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen und Schleswig-Holstein genauer angeschaut.

Niedersachsen

Die schwarz-rote niedersächsische Landesregierung hat einen Fünf-Stufen-Plan entwickelt, um unter anderem den Tourismusbetrieb in dem Land wieder zu reanimieren. Demnach sollen ab dem 11. Mai Restaurants und Cafés teilweise wieder öffnen – jedoch nur mit 50-prozentiger Auslastung. Übernachtungen in Hotels sind aber vorerst nicht möglich. Was hingegen geht, sind Strandbesuche in bestimmten Regionen.

In Butjadingen stehen Strände für Auswärtige und Einheimische offen. Strandkörbe dürfen allerdings nicht vermietet werden. Um den Aufenthalt möglichst sicher zu gestalten, sollen die Strände in etwa 25 Quadratmeter große Parzellen eingeteilt werden, sagt der Geschäftsführer des Tourismus-Service Butjadingen, Robert Kowitz, dem NDR.

Auch die Stadt Norddeich heißt auswärtige Besucher willkommen. Allerdings gibt es ein paar Beschränkungen: Wohnmobile und -wagen dürfen dort nicht am Strand abgestellt werden und der Großparkplatz am Bad ist ebenfalls gesperrt. Dadurch will die Stadt verhindern, dass zu viele Menschen gleichzeitig zum Strand strömen. Auf Strandkörbe müssen Besucher ebenfalls verzichten. Zudem sollen Polizei und Ordnungsamt verschärft die Situation im Auge behalten.

Die Strände in Schillig und Hooksiel sind ebenfalls für jeden frei zugänglich. Allerdings sind öffentliche Parkplätze und Zufahrtstraßen begrenzt, um einen zu großen Ansturm zu vermeiden. Fans von Cuxhaven müssen sich leider noch gedulden. Auswärtige haben erstmal keinen Zutritt.

Mecklenburg-Vorpommern

Bereits in der Woche vor Pfingsten plant Mecklenburg, auch Auswärtigen den Urlaub an der Ostsee zu erlauben. Hotels und Pensionen dürfen demnach unter strikten Hygieneauflagen und mit 60 Prozent Auslastung schon ab dem 18. Mai öffnen, Touristen ab dem 25. Mai einreisen. Gerade die Schließung von Gaststätten und Hotels war laut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ein "schmerzvoller Schritt und gegen unsere DNA als Tourismusland."

Vermieter von Strandkörben sollen bereits am 11. Mai wieder öffnen dürfen. Das wird allerdings erst bei einer Kabinettsklausur am kommenden Donnerstag besprochen. Inwiefern sichergestellt wird, dass sich nicht zu viele Menschen auf den Stränden sammeln und für ein Ischgl 2.0 sorgen, hoffentlich auch. Denn bisher gibt es noch keine Angaben, wie das Infektionsrisiko an den Stränden gering gehalten werden soll.

Schleswig-Holstein bleibt erstmal zu

In Schleswig-Holstein gibt es von Mitte Mai an Lockerungen in Gastronomie und Tourismus. "Wir wollen eine klare Perspektive für alle Bereiche geben", sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Details lagen zunächst nicht vor.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) kündigte einen möglichen Fahrplan für die Lockerungen an. Am 18. Mai könnten gastronomische Betriebe unter "sehr restriktiven Auflagen" öffnen. Laut Buchholz müsse es dafür Höchstgrenzen für Gäste pro Quadratmeter Gastraumfläche geben. Oder einfacher: Restaurants und Cafés müssen ihre Auslastung reduzieren.

Dadurch soll sich das Land in den Tourismus "hineintasten". Buchholz nannte als nächsten möglichen Schritt, dass Hotels vor oder nach Pfingsten geöffnet werden sollen.

Nicht die eigene Gesundheit aus den Augen verlieren

Es scheint, dass es in diesem Jahr zwar nicht die Malediven, dafür aber die mecklenburgische Seenplatte werden könnte. Leider gibt es bei den Öffnungen einen entscheidenden Haken: Wenn hierzulande Strände zugänglich sind, beliebte Ziele im Ausland aber verschlossen bleiben, wohin geht dann der Großteil der Urlauber? Selbst hierzulande eher unbeliebte Ziele könnten also schnell überlaufen sein. Unbekannte Regionen entwickeln sich so schnell zu Ferienorten. Laut Epidemiologen Timo Ulrichs eine problematische Angelegenheit, wie er gegenüber watson erklärt:

"An Ferienorten ist die Durchmischung besonders groß und damit auch das Risiko, dass das Virus von einem anderen Ort dorthin verbracht und weitergegeben wird."

Timo Ulrichs

Außerdem: Die Strandkorbvermietung zu verbieten, sollte einen Ansturm nicht verhindern können, wenn die Strände selbst offen sind. Denn gerade Strandkörbe könnten ähnlich wie die italienische Plexiglasidee dafür sorgen, dass die Menschen ausreichend Abstand zueinander halten, sofern sie weit genug auseinander stehen.

Geplante Öffnungen zu Pfingsten sind ebenfalls problematisch. Während der Feiertage haben Menschen, die sehnsüchtig auf etwas Auslauf warteten, Zeit zu reisen. Auch das könnte zu überfüllten Stränden führen.

(tkr)

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