Halima Aden verabschiedet sich von Laufstegen und Modeschauen.
Halima Aden verabschiedet sich von Laufstegen und Modeschauen.Bild: imago images / JOHN ANGELILLO

Muslimisches Model beendet Karriere – und rechnet mit Modeindustrie ab

30.11.2020, 14:3530.11.2020, 19:37

Halima Aden hat genug. Das US-Model hängt seine Karriere an den Nagel. Schluss mit Laufsteg und Modeschauen, das steht für die 23-Jährige fest.

Der Hintergrund ihrer Entscheidung ist ihre religiöse Überzeugung. Aden ist Muslima und trägt Hidschab. Der Modebranche wirft sie vor, sie immer wieder unter Druck gesetzt zu haben, ihre Religion zu verleugnen.

Sie veröffentlichte eine Reihe von Instagram Stories, in denen sie die Schwierigkeiten beschrieb, denen sie im "toxischen Durcheinander namens Mode" begegnet ist. So erzählt sie, wie sie Gebete ausließ, Kleider trug, in denen sie sich nicht wohlfühlte, und ihren Hidschab in einer Weise gestalten musste, die sie als Verrat an ihren Werten empfand.

"Schlechte Energie"

Doch darauf hat sie nun keine Lust mehr. "Sie könnten mich morgen anrufen, und nicht einmal für 10 Millionen Dollar würde ich jemals wieder riskieren, Kompromisse bei meinem Hidschab einzugehen", schrieb sie. Sie versprach auch, nie wieder an Laufsteg-Shows teilzunehmen oder zu Fashion-Festivals zu reisen, und fügte hinzu, dass "daher die ganze schlechte Energie kommt".

Aden stammt aus Somalia und lebte in einem kenianischen Flüchtlingslager, bevor sie in die Vereinigten Staaten kam. Im Alter von sechs Jahren kam sie in die Vereinigten Staaten und wurde als 18-Jährige entdeckt – bei einem Schönheitswettbewerb, auf dem sie Hidschab trug. In ihrer Modelkarriere hatte sie zahlreiche Grenzen überschritten. Sie war unter anderem die erste Hidschab-tragende Frau, die auf dem Cover der britischen "Vogue" zu sehen war.

Überzeugungen aus den Augen verloren

Die Aufregung darüber, als Wegbereiterin bezeichnet zu werden, habe sie dazu gebracht, ihre Überzeugungen aus den Augen zu verlieren, sagte sie weiter. Ihre Mutter habe ihr schon länger geraten, aufzuhören – aber erst die Corona-Pandemie habe ihr die Zeit zum Nachdenken gegeben. Dabei sei ihr klargeworden, was sie falsch gemacht habe.

Konkret nannte sie ein Fotoshooting für den allerersten Jeans-Hidschab. "Warum erlaubte ich ihnen, mir Jeans auf den Kopf zu setzen, obwohl ich damals nur Röcke und lange Kleider getragen hatte", schrieb sie und beantwortete ihre Frage selbst:

"Ich war damals so verzweifelt auf Repräsentation aus, dass ich den Kontakt zu dem, was ich bin, verloren hatte."

Sie erwähnte ein weiteres Fotoshooting, auf dem sie mit einem grünen Wickeltuch unter ihrem Hidschab und Federn um den Hals zu sehen ist. "Ich ging zurück in mein Hotelzimmer und schluchzte nach diesem Shooting einfach nur, weil ich tief im Inneren wusste, dass es nicht so war. Aber ich war zu ängstlich, um etwas zu sagen."

Schließlich stellte sie klar, dass sie nicht der Mode insgesamt den Rücken kehre. Sie wolle nur nicht länger zu Bedingungen arbeiten, mit denen sie sich nicht wohlfühle.

"Wenn mein Hidschab nicht sichtbar sein kann – dann tauche ich nicht auf."
1 Kommentar
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1
Antisemitismus bei jungen Menschen: Wie Social Media das Problem befeuert

Antisemitismus ist in Deutschland kein Nischenproblem und leider auch nicht nur den Rechtsradikalen vorbehalten. Viele junge Menschen in Deutschland hegen antisemitische Vorurteile oder werden sogar öffentlich mit antisemitischen Parolen auffällig – wie kürzlich bei einer propalästinensischen Demo in Berlin. Journalisten wurden antisemitisch beschimpft, in Sprechchören judenfeindliche Parolen gerufen. Eine für den Freitag geplante "Protestdemonstration gegen die israelische Aggression in Jerusalem" wurde von der Berliner Polizei aus Angst vor erneuten antisemitischen Vorfällen und Ausschreitungen verboten.

Zur Story