Lucien Favre und Thomas Tuchel (v.l.) schafften es nie, Jürgen Klopp vergessen zu machen. Kloppo verließ den BVB 2015 mit zwei Meistertiteln, einem DFB-Pokal und einer schier unzerstörbaren Mentalität. Doch wie haben seine Nachfolger sein Vermächtnis fortgeführt?
Lucien Favre und Thomas Tuchel (v.l.) schafften es nie, Jürgen Klopp vergessen zu machen. Kloppo verließ den BVB 2015 mit zwei Meistertiteln, einem DFB-Pokal und einer schier unzerstörbaren Mentalität. Doch wie haben seine Nachfolger sein Vermächtnis fortgeführt?
Bild: imago images / Eibner
Analyse

Sehnsuchtsfigur Klopp: Wie die Nachfolger an seinem BVB-Erbe scheiterten

15.12.2020, 19:3915.12.2020, 19:45

Der BVB hat Trainer Lucien Favre beurlaubt. Nach knapp zweieinhalb Saisons ist seit dem vergangenen Sonntag Schluss für den Schweizer als Cheftrainer des Ruhrgebietklubs. Die peinliche 1:5-Klatsche gegen Aufsteiger VfB Stuttgart veranlasste die Chefetage von Borussia Dortmund dazu, Konsequenzen zu ziehen. Die erhofften Erfolge konnte auch der 63-Jährige nicht liefern. Bis zum Ende der Saison wird Interimstrainer Edin Terzic, 38, das Kommando übernehmen.

Der Anspruch an jeden BVB-Trainer seit Jürgen Klopp ist klar: Er soll an die vergangenen Erfolge anknüpfen. Jeder Borusse sehnt sich nach dem emotionalen, packenden Fight- und Angriffsfußball, den Kloppo seiner Mannschaft damals beigebracht hatte. Seit er nicht mehr da ist, konnte sich bisher kein BVB-Trainer so richtig in die Herzen der Fans spielen – und das, obwohl ihre Pflichtspielpunktequote unterm Strich teilweise besser ist als die von Klopp, der in insgesamt 318 BVB-Partien zwischen 2008 und 2015 im Schnitt 1,9 Punkte holte.

Zeit, sich die vier Nachfolger von Jürgen Klopp im Vergleich anzusehen.

Der auf dem Papier erfolgreichste Klopp-Nachfolger: Thomas Tuchel

Thomas Tuchel, bekannt als Perfektionist und Taktikfuchs, trainiert derzeit die Stars von Paris Saint-Germain.
Thomas Tuchel, bekannt als Perfektionist und Taktikfuchs, trainiert derzeit die Stars von Paris Saint-Germain.
Bild: imago images / Norbert Schmidt
  • Amtszeit: 1. Juli 2015 bis 30. Mai 2017 (699 Tage)
  • Pflichtspiele: 107
  • Punkteschnitt pro Spiel: 2,12
  • Titel: DFB-Pokal (2017)
  • Vorheriger Verein: FSV Mainz 05
  • Nachfolgender Verein: Paris Saint-Germain
  • Abschneiden im europäischen Wettbewerb: Viertelfinale Europa League (2016); Viertelfinale Champions League (2017)

Thomas Tuchel ist auf dem Papier der erfolgreichste Klopp-Nachfolger. Als der 47-Jährige den BVB 2015 übernahm, war die Hauptaufgabe, den Verlust von Lewandowski und Götze vergessen zu machen. Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan wurden zwar noch in der Ära Jürgen Klopp verpflichtet, prägten aber vor allem die Tuchel-Zeit beim BVB. Zusammen waren die beiden unter dem vorherigen Mainz-Trainer an 153 Toren beteiligt. In der Saison 2016/ 17 wurde Aubameyang mit 31 Toren Torschützenkönig der Bundesliga. In Tuchels Debütsaison holte die Borussia 78 Punkte – in den meisten Bundesliga-Saisons ein meisterlicher Wert. Aber in dieser Saison war gegen einen FC Bayern, mit 88 Punkten auf dem Konto, kein Ankommen.

Obwohl diese Zahlen für den BVB sehr gut sind, verließ Tuchel den Verein. Es gab nach dem gescheiterten Attentat auf den BVB-Bus Streit und einen Bruch zwischen ihm und Aki Watzke, dem Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Auch bei den Fans geriet der Coach ins Fadenkreuz der Kritik. Tuchel ließ für Dortmunder Ansprüche vor allem Emotionalität in der Coachingzone vermissen.

Peter Bosz

Peter Bosz hatte die kürzeste Amtszeit aller BVB-Trainer seit Klopp.
Peter Bosz hatte die kürzeste Amtszeit aller BVB-Trainer seit Klopp.
Bild: imago images / Jan Huebner
  • Amtszeit: 1. Juli 2017 bis 9. Dezember 2017 (161 Tage)
  • Pflichtspiele: 24
  • Punkteschnitt pro Spiel: 1,25
  • Titel: Keine
  • Vorheriger Verein: Ajax Amsterdam
  • Nachfolgender Verein: Bayer 04 Leverkusen
  • Abschneiden im europäischen Wettbewerb: 3. Platz der Champions-League-Gruppe H und anschließend Achtelfinale der Europa League (2017)

Die gemeinsame Zeit von Peter Bosz und dem BVB ist schnell erzählt. Im Sommer kam der hochgelobte Niederländer von Ajax Amsterdam nach Dortmund, um endlich wieder Offensiv-Power auf den Rasen zu bringen. Im Sommer stellten die Bosse dem 57-Jähirgen Andriy Yarmolenko von Dynamo Kiew und Maximilian Philipp vom SC Freiburg für das Angriffsspiel. Manuel Akanji vom FC Basel und Ömer Toprak von Bayer Leverkusen sollten die Abwehr stabilisieren.

Das Resultat war erstmal überragend. Die Schwarz-Gelben starteten selbstbewusst in die Saison. Nach neun Spielen war Dortmund Tabellenführer und hatte nur sieben Gegentore kassiert. Doch mehr gab es auch nicht zu bejubeln. Die Leistungen nahmen stetig ab, das Defensivverhalten des BVB war teils nicht bundesligatauglich, bis die Vereinsbosse noch im selben Jahr die Reißleine zogen und Peter Bosz entließen. Bis zum Saisonende sollte Peter Stöger übernehmen.

Peter Stöger

Übernahm den BVB am Boden und führte ihn in die Königsklasse: Ex-BVB-Coach Peter Stöger.
Übernahm den BVB am Boden und führte ihn in die Königsklasse: Ex-BVB-Coach Peter Stöger.
Bild: imago images / Thomas Bielefeld
  • Amtszeit: 10. Dezember 2017 bis 30. Juni 2018
  • Pflichtspiele: 24
  • Punkteschnitt pro Spiel: 1,58
  • Titel: Keine
  • Vorheriger Verein: 1. FC Köln
  • Nachfolgender Verein: Austria Wien
  • Abschneiden im europäischen Wettbewerb: Achtelfinale Europa League (2018)

Als Peter Stöger das Amt von Peter Bosz übernommen hatte, sah er sich großen Herausforderungen ausgesetzt. Er sollte nach der verkorksten Hinrunde die Mannschaft wieder stabilisieren und auf Kurs bringen. Für den 54-Jährigen war es die erste Station dieses Kalibers und viele Dortmund-Fans taten lautstark ihr Misstrauen gegenüber dem Interimstrainer kund.

Im Sommer verpasste es Dortmund, die Abgänge von Ousmane Dembélé und Aubameyang zu kompensieren. Verstärkung musste her. Vom FC Chelsea lieh der BVB Michy "Batsman" Batshuayi. Der Belgier brauchte keine lange Eingewöhnungszeit und holte die kriselnde Borussia mit neun Treffern in 14 Spielen in der Rückrunde zurück aus dem Sumpf. Am Ende konnte Stöger erreichen, wofür er geholt wurde. Gerade so sicherte sich der BVB Platz unter dem Österreicher Platz vier und damit die Qualifikation für die Champions League.

Lucien Favre

Die Zeit von Lucien Favre beim BVB ist vorbei. Der Anti-Klopp hat dem BVB seine eigene Handschrift gegeben.
Die Zeit von Lucien Favre beim BVB ist vorbei. Der Anti-Klopp hat dem BVB seine eigene Handschrift gegeben.
Bild: imago images / Revierfoto
  • Amtszeit: 1. Juli 2018 bis 13. Dezember 2020 (896 Tage)
  • Pflichtspiele: 110
  • Punkteschnitt pro Spiel: 2,01
  • Titel: Nationaler Supercup (2019)
  • Vorheriger Verein: Borussia Mönchengladbach
  • Nachfolgender Verein: /
  • Abschneiden im europäischen Wettbewerb: Achtelfinale Champions League (2019); Achtelfinale Champions League (2020); Gruppensieg Champions League Gruppe F (2020)

Lucien Favre hat der Borussia, wie kein anderer Klopp-Nachfolger, sein Siegel verpasst. Unter dem Schweizer hatten vor allem viele junge Spieler die Chance, wirklich Verantwortung zu übernehmen. Jadon Sancho und Erling Haaland sind zusammen keine 40 Jahre alt. Unter Favre sind sie dennoch zu wichtigen Säulen der Dortmunder Offensive geworden. Insgesamt konnte die Borussia mit Jugendförderer Favre als Trainer sieben Spieler unter 21 Jahren ins Ruhrgebiet locken, auch den 16-jährigen Youssoufa Moukoko sollte er fördern.

Doch die Probleme seiner Vorgänger verfolgten den 63-Jährigen. Es fehlte nach wie vor die Konstanz. Auch wenn die fußballerische Genialität von Lucien Favre im Dortmunder Spiel immer mal wieder durchblitzte, kam man mit Favre nie so richtig in Tritt. Die zurückhaltende, ruhige Art des Trainers, auch nach Misserfolgen, trieb Fans teilweise in den Wahnsinn. Vom emotionalen Fights fehlte auf dem Rasen zu oft jede Spur. Favre probierte viel aus. Aber auch die Käufe von Mats Hummels, Emre Can oder Axel Witsel brachten noch nicht die erhoffte Abgeklärtheit und Stabilität zurück.

Nach Tuchel, Bosz und Stöger hat es auch der dienstälteste Dortmund-Coach seit Jürgen Klopp in zweieinhalb Jahren nicht geschafft, den Klub zurück in Europas Elite zu führen.

Vielleicht schafft es ja Edin Terzic.

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