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Psychiaterin Nahlah Saimeh (l.) und der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler. Bild: screenshot/zdf

"Markus Lanz": Täter-Analyse von Psychiaterin – Journalist widerspricht

charlotte zink

Nach dem rechtsradikalen und rassistischen Anschlag in Hanau hat Markus Lanz am Donnerstagabend zu einer Sondersendung geladen. Zu Gast im Studio war unter anderem Bündnis 90/Die Grünen-Politiker Omid Nouripour. Die Ereignisse hätten ihn in eine "Schockstarre" versetzt, beschrieb er auf Lanz‘ Nachfrage. Auch über eigene Erfahrungen mit rassistischen Drohungen sprach er offen.

In den vergangenen Jahren hätten diese extrem zugenommen. "Die letzte Todesdrohung ist vom vergangenen Dienstag", so der Bundestagsabgeordnete selbst. In dieser habe es geheißen, man würde "Waffen besorgen" und ihn umbringen, sagte er.

Hanau ist Thema bei "Markus Lanz"

Ihm sei bewusst, dass ihn die Absender davon abhalten wollten, seinen Job zu tun, so Nouripour. "Meine beste Reaktion ist, dass ich meine Arbeit weiter mache", erklärte er deswegen. Zudem könne er das Bundeskriminalamt um Hilfe bitten.

Besonders bewegend wurde es am Donnerstagabend als Lanz ein Video aus einem Krankenhaus zeigte, in dem ein Überlebender gegenüber türkischen Medien beschrieb, was in der Shisha-Bar, einem von zwei Tatorten, vor sich ging. Sie seien beim Essen gewesen als der bewaffnete Täter eintrat und um sich schoss, beschreibt der junge Mann. Zum Schutz hätten sich die Anwesenden übereinandergelegt, einer habe darum gebeten, dass man für ihn bete.

Psychiaterin erklärt bei "Lanz" Hintergründe

Neun Menschen mit Migrationshintergrund erschoss der Täter am Mittwoch. Mit Blick auf das Attentat ging es bei Lanz auch um Radikalisierung und die Räume, in denen diese stattfindet. Über den Täter aus Hanau erklärte Psychiaterin Nahlah Saimeh, dass das Manifest, das dieser online hinterließ, klar auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sowie Schizophrenie hindeute.

Psychisch Kranke machten jedoch lediglich rund 35 Prozent der Radikalisierten aus, so die Expertin. Bei den anderen lägen andere Gründe für ihre Einstellung vor. Ihrer Meinung nach sei ein Täter, wie der aus Hanau "sicherlich nicht in der Lage, den Rechtsstaat zu bedrohen." Denn nicht alles, was als terroristischer Akt gemeint sei, sei auch ein solcher.

Anschlag hat "Angst verbreitet"

Journalist Patrick Gensing ist anderer Meinung

Journalist Patrick Gensing, der ebenfalls bei Lanz zu Gast war, widersprach ihr in diesem Punkt deutlich. Seiner Meinung nach habe der Anschlag "Angst verbreitet" und sei unter anderem deshalb als Terror zu werten.

Ebenso wie Extremismus-Experte Olaf Sundermeyer und der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter Sebastian Fiedler betonte Gensing, dass bei der Prävention derartiger Verbrechen auch das Umfeld der Radikalisierten gefragt sei. Es handele sich um eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe", Radikalisierung zu erkennen und zu melden, sagte Sundermeyer. Zu diesem Zweck müsse es noch mehr "niederschwellige Angebote" zur Amok-Prävention geben, so Fiedler. Als Beispiel nannte er eine Hotline.

Mit Blick auf Verschwörungstheoretiker gab Gensing den Zuschauern derweil noch einen praktischen Tipp mit an die Hand.

"Das einzige was hilft, ist zu fragen: Wie stellst du dir das vor?"

Patrick Gensing

Im Dialog sei es für Anhänger von Verschwörungstheorien oft schwer zu erklären, wie denn beispielsweise eine ganze Gesellschaft vermeintlich ein Geheimnis hüten solle.

Trotz ernstem Anlass für die Sondersendung blieb Humor am Donnerstagabend nicht außen vor. Als Lanz über die Lebensgeschichte von Nouripour sprach, brachte er die Jahreszahlen durcheinander und fasste zusammen, der Politiker sei 1979 im Alter von 13 Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen. "88", korrigierte der 44-Jährige und fügte grinsend hinzu: "Ich seh' viel älter aus, ich weiß!"

Zum Ende der Sendung schloss der Grünen-Politiker dann jedoch mit ernsten Worten und appellierte an alle Nutzer von sozialen Medien, die auch über die "Lanz"-Sendungen gerne twitterten, was sie "Scheiße finden", vor dem Posten ihren Kommentar zu reflektieren und sicherzugehen, dass dieser auch "respektvoll" sei.

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