Bushido (vorn) gemeinsam mit seinem Anwalt Steffen Tzschoppe im Januar 2021
Bushido (vorn) gemeinsam mit seinem Anwalt Steffen Tzschoppe im Januar 2021 archivBild: www.imago-images.de / Olaf Wagner
Vor Ort

Bushido-Prozess: Fehlende Zeugen und spontane Abwesenheit des Rappers sorgen für chaotische Verhandlung

10.05.2022, 07:21

Selbst der Vorsitzende Richter Martin Mrosk konnte sich am Ende der Verhandlung am Montag das Lachen nicht verkneifen. Das lag jedoch vor allem an den vielen Problemen und Abstimmungsschwierigkeiten, die am 69. Prozesstag im Fall zwischen Rapper Bushido, seinem ehemaligen Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker und seinen drei Brüdern vor dem Berliner Landgericht auftraten. Denn am Montagmorgen fehlte eine Zeugin und auch ein Zeuge.

"Herr Ferchichi ist am Mittwoch nicht in Deutschland"
Bushidos Anwalt Steffen Tzschoppe zur Forderung, dass der Rapper am Mittwoch vor Gericht erscheinen soll.
Darum geht es im Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Arafat Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Zahlung in Millionenhöhe sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Ex-Mitarbeiterin der Hausverwaltung erscheint bei Bushido-Prozess nicht

Eigentlich wollte das Gericht mit Frau S. von der Hausverwaltung Bergmannsglück vernehmen, doch sie tauchte nicht vor Gericht auf.

Im Laufe des Vormittags erzählte der Vorsitzende Richter, dass ihm bei seinem ersten Anruf mitgeteilt wurde, dass die Hausverwaltung keine Auskunft geben werde. Während einer kurzen Prozessunterbrechung habe Mrosk dann in einem Telefonat die Information bekommen, dass Frau S. dort gar nicht mehr arbeite.

Neben Frau S. sollte Herr L. als weiterer Zeuge vernommen werden. Er soll ebenfalls in der Hausverwaltung arbeiten, erschien jedoch auch nicht vor Gericht.

Bergmannsglück ist eine Wohnanlage vor den Toren Berlins im brandenburgischen Rüdersdorf. Dort kauften Bushido und Arafat 2010 insgesamt 98 Wohnungen, die zwischen 43 und 94 Quadratmeter groß sind. Bereits Anfang März sagte ein Immobilienverwalter im Prozess aus.

Um den Umgang mit der Immobilie und der extra dafür gegründeten Gesellschaft nach der geschäftlichen Trennung zu klären, standen die beiden bereits 2018 vor dem Landgericht Frankfurt/Oder. Damals wurde Bushido verpflichtet, Arafat eine Abfindung in Höhe von 126.000 Euro zu zahlen.

Nachdem Abou-Chaker vor dem Oberlandesgericht in Brandenburg an der Havel in Berufung gegangen war, einigten sich die beiden Anfang Dezember 2021 auf die Summe von 1,4 Millionen Euro, die Bushido an Arafat zahlen musste, um sich als alleiniger Besitzer ins Grundbuch eintragen zu lassen.

Shindys Aussage verzögert sich erneut

Statt Zeugen zu vernehmen, gab der Vorsitzende Richter Mrosk somit einen Einblick in die kommenden Prozesstage und welche Zeugen dort vernommen werden sollen.

Zunächst war geplant, dass mit Shindy am Mittwoch ein weiterer Künstler aussagt, der bei Bushidos Label "Ersguterjunge" unter Vertrag stand.

Bereits vor einem Monat war Michael Schindler, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, vor Gericht geladen. Damals erschien er jedoch nicht, da sich sein Anwalt mit dem Corona-Virus infiziert hatte und er selbst Symptome aufgewiesen hätte.

Nun wird der 33-Jährige erneut nicht in Berlin erscheinen, da sein Rechtsbeistand am Mittwoch nicht kann, erklärte Richter Mrosk.

Richter wird von Bushidos Reiseplänen überrascht

Stattdessen sollte am Mittwoch Bushido nach einiger Zeit wieder vor dem Gericht erscheinen. Denn es sollte um die Tonspur gehen, die der "Stern" vor rund zwei Monaten veröffentlichte und die eine spektakuläre Wende im Fall bedeuten könnte.

Die Tonaufnahme zeichnet ein völlig anderes Bild als die von Bushido geschilderten Ereignisse. Weder Drohungen gegenüber des Rappers, noch andere heftige Auseinandersetzungen wie fliegende Stühle oder der Schlag mit einer Wasserflasche seien zu hören.

Laut Bushido hätte das Treffen vier Stunden gedauert, die Tonaufnahme endet jedoch nach zwei Stunden mit einer Verabschiedung.

Geplant war laut des Vorsitzenden Richters, die Aufnahme am Mittwoch im Gericht im Beisein von Bushido anzuhören. Einziges Problem: "Herr Ferchichi ist am Mittwoch nicht in Deutschland", sagte sein Anwalt Steffen Tzschoppe zur Verwunderung aller.

Auch Richter Mrosk konnte sich ein Lachen nicht verkneifen und unterbrach die Verhandlung für zehn Minuten, anschließend wird der neue Zeitplan verkündet. Dieser sieht nun vor, dass Herr L. von der Immobilienverwaltung am Mittwoch aussagt, zudem wird versucht, Frau S. über ihre Gerichtsvorladung zu informieren.

Wann die brisante Tonaufnahme und die Auswertung eines Gutachters präsentiert werden, ist noch unklar.

Alle weiteren Artikel zum Bushido-Prozess findest du hier.

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
"Ihr Jungen seid unsere Vorbilder": Warum die UN-Ozeankonferenz besonders für junge Menschen wichtig ist

Am Montag hatte die UN Ocean Conference, ein Treffen von weltweit renommierten Meereswissenschaftlerinnen, Politikern, aber allem voran NGOs und Entwicklern unterschiedlicher Technologien, in Lissabon ihren Auftakt: Nach zwei Jahren Pandemie-Pause wird sie gemeinsam von der kenianischen und portugiesischen Regierung über den Zeitraum von einer Woche ausgerichtet. Vertreterinnen und Vertreter von rund 150 Staaten sind dafür zusammengekommen, denn die Zeit drängt: Ihr Ziel, weltweit lebenswerte Meere, zu erhalten, die immerhin 71 Prozent der Erdoberfläche bedecken, sei von neuen, gravierenden Krisen bedroht, wie Uhuru Kenyatta, Präsident der Republik Kenia, in seiner Eröffnungsrede betonte:

Zur Story