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Die "heute-show" rät von einer Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz ab: "Die labert sich selbst ins Abseits." bild: zdf

Welke angeekelt in der "heute-show": "AfD klaut abgelegte Trump-Witze"

jürgen winzer

Innerdeutsche Coronapannen, innerparteiliche Katastrophen bei der AfD und der Status der deutsch-amerikanischen Freundschaft standen bei der ersten "heute-show" (ZDF) im neuen Jahr im Sketch-Block. Ein paar der Gags waren allerdings wie der Winterschlaf: zum Gähnen.

Klar, wer gerade aufgewacht ist, ist selten topfit. Das sollte auch für die "heute-show" (ZDF) gelten dürfen. Schließlich – witziger Einspieler – hat sich Oliver Welke gerade noch rechtzeitig des Yeti-Fusselbarts und der Homeschooling-Lethargie entledigt. Aber es war ja auch doof: "Es hat sich ja fast nichts geändert seit der letzten Show Mitte Dezember: Immer noch Lockdown, immer noch leeres Studio, immer noch Homeschooling."

Und da es bis zum richtigen "Lockerungsdruck" (spätestens bei Erreichen der magischen Inzidenzgrenze von 50) ja noch ein bisschen hin ist, hat man's nicht leicht. Welke wagte dennoch den Spoiler: "Am 8./9. Februar wird sich die übliche Runde treffen und dann noch einen drauflegen, weil die alternativen Ideen fehlen."

"heute-show" (ZDF): "Das Virus spürt, wo Geld verdient wird"

Immerhin aber stellte die "heute-show" angesichts der Tatsache, dass das Privatleben aller strengstens durchreguliert sei, am Arbeitsplatz aber alles freiwillig und bei Appellen bleibe, bahnbrechende neue Erkenntnisse vor: "Arbeitgebernahe Wissenschaftler" hätten herausgefunden, dass das Virus nicht überall ansteckend sei. "Es spürt instinktiv, wo Geld verdient wird und verzichtet dann aus Respekt vor dem Bruttoinlandsprodukt auf Ansteckung!" Echten Schutz biete also nur der Arbeitsplatz. Daher der Aufruf: "Arbeiten Sie, als ginge es um ihr Leben!"

Die zahlreichen Coronapannen in einem Bild: "Der Coronastreber Deutschland wurde zum verhaltensauffälligen Problemkind", führte Welke aus. "Wir waren doch mal Organisationsweltmeister und Effizienzkönige", meinte er, aber das stelle ja sogar die Kanzlerin selbst in Abrede: "Die Schnelligkeit des Handels lässt zu wünschen übrig", hatte sie gesagt. "Ja, wer hat denn regiert, als in den letzten Jahren die Gesundheitsämter kaputtgespart wurden?", hielt Welke dagegen. In der digitalen Verwaltung hinke Deutschland hinterher, da sei sogar Nigeria besser, weil flächendeckend, ausgerüstet. Bei uns könne man nur sagen "Fröhliches Weiterfaxen".

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Deutschlands Rolle in der Pandemie laut "heute-show" und Oliver Welke: "vom einstigen Coronastreber zum verhaltensauffälligen Problemkind". bild: zdf

Impfen: "Das Licht am Ende des Tunnels ist eine traurige Funzel"

Natürlich sei es richtig von der EU gewesen, in Sachen Impfstoff gemeinsam aufzutreten. "Aber besser hätte man es schon machen können." Welke rechnete vor: "Hätte man im Sommer von jedem der sechs aussichtsreichsten Impfstoffe auf Verdacht für 60 Prozent der EU-Bürger Impfstoff bestellt und gekauft, hätte das 36 Milliarden Euro gekostet. So viel wie ein Lockdown-Tag in Europa."

Mit der prekären Impfsituation hierzulande ("Das Licht am Ende des Tunnels ist nur eine traurige Funzel") beschäftigte sich Carolin Kebekus als Moderatorin der neuen ZDF-Show "Wer wird geimpft?", in der sich zwei über 80-Jährige um eine Impfdosis mühen. Naja. Und auch Olaf Schubert hatte schon bessere Momente als diesmal. Über seinen Motivationsscherz als "Pandemiecoach" ("Wenn einer bis zum Hals in der Jauche steckt: Nicht den Kopf hängen lassen!") hat schon die Vorkriegsgeneration nicht mehr allzu laut gelacht.

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"Wer wird geimpft?" mit Carolin Kebekus: Wird künftig um die raren Impfdosen in Fernsehshows gekämpft? bild: zdf

"Die AfD labert sich selbst ins Abseits!"

Besser und böser wurde es beim Thema AfD. Die wurde ja, so Welke, gerade "vom rechtsextremen Prüffall zum rechtsextremen Verdachtsfall befördert". Ob die Partei, die gerade gegen das Instrument der Briefwahl feure und Wahlbetrugsverschwörungstheorien inszeniere (Welke: "Wie erbärmlich ist das denn: abgelegte Trump-Ideen klauen!"), tatsächlich vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollte, wurde vor Gericht geklärt.

Im "Schluss-Plädoyer" riet Till Reiners dringend davon ab: "Die AfD labert sich selbst ins Abseits, haltet sie bloß nicht auf." Mit jedem Interview sänken die Umfragewerte, weil die AfD zu allem nur Nein sage, das bei Corona aber nicht könne. Folge: Die Sprecher widersprächen sich bei jeder Gelegenheit. Reiners: "Die AfD braucht dringend mehr Raum, sich selbst zu zerlegen."

Selbst zerlegen. Das hat Donald Trump geschafft. Das Zerlegen der Demokratie in Amerika hat er – knapp – nicht hinbekommen. Jetzt, so Welke, liege Donald wohl am Pool in Florida und lasse sich vom Wendler zum veganen Grillabend mit Attila Hildmann einladen. Passend stellte Welke fest: "US-Präsident Joe Biden – wie fremd und zugleich wunderbar das klingt."

Trump war als Bösewicht für uns Deutsche bequem

Joe Biden stellt nicht nur die "heute-show" vor (vorerst noch nicht gelöste) Probleme (Welke: "Uns müssen endlich inhaltlich relevante Gags einfallen, statt der durchgenudelten Opa-Witze"), sondern auch die deutsch-amerikanische Freundschaft. "Trump war als Bösewicht für uns sehr bequem", meinte Welke. Nun falle wieder verstärkt auf, "wo wir nur an uns denken, Stichwort Handelsüberschuss".

Oder Stichwort "Nord Stream 2": Auch dem Amerika unter Biden werde nicht gefallen, dass "wir Gas von Putin" kaufen, weil sie ihr teures Flüssiggas an Deutschland verticken wollen. Abgesehen davon, dass die (bislang 9,5 Milliarden teure) zweite Russland-Pipeline (ausgehandelt von Gerhard Schröder) "von Anfang an ein Fehler" gewesen sei und die seriöse Forschung meine, dass man dieses zusätzliche Gas auch überhaupt nicht brauche, wagte Welke den Tipp: "Am Ende erlaubt uns Biden die Pipeline und wir kaufen im Gegenzug zusätzliches Fracking-Gas aus Amerika."

"Vergesst Armin Laschet! Der wird nie Kanzler."

Das würde Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, eher freuen. Sie, so Welke "will die Pipeline unbedingt". Dass sie extra die "Stiftung Klima & Umweltschutz" (übrigens mit 20 Millionen von Nord Stream/Gasprom gefördert) ins Leben rief, damit die den Pipelinebau sichere, sei echt "irre". "Das ist so, als ob sich Tönnies umbenennt in 'Stiftung für Kälberwohlergehen und Arbeitsplätze in Bulgarien". Welke zu dem "Wahnsinn": "Aber die Manuela zieht das durch." Das Bundesland würde schon in "Mecklenburg-Rohrpommern" umbenannt.

Das wird Joe Biden eventuell schon mit dem Nachfolger von Angela Merkel final verhandeln müssen. Angeblich hätten Bidens Späher schon die potenziellen nächsten Kanzler ausgelotet. Das Ergebnis: "Vergesst Armin Laschet! Der wird nie Kanzler. The next Kanzler is the crazy king of Bavaria!" Dazu ein Bild von Markus Söder im Kini-Style! Das war dann doch ein Volltreffer.

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