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Markus Lanz will Olaf Scholz unbedingt etwas entlocken. bild: screenshot zdf

Lanz lässt nicht locker bei Scholz – und der revanchiert sich umgehend

Dirk Krampitz

Kurz nachdem Deutschland sein erstes EM-Spiel gegen Frankreich verloren hat, geht Markus Lanz in seine Sendung. Ausnahmsweise mal wirklich zu 100 Prozent live. Auch weil er über über Fußball reden und auch den dänischen Spieler Christian Eriksen sprechen will, dessen Zusammenbruch auf dem Platz beim Gruppenspiel gegen Finnland die Welt schockierte. Außerdem fragt Lanz SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, ob sein Vorhaben, Kanzler zu werden, "noch Selbstbewusstsein oder schon Größenwahn" sei angesichts der Umfragezahlen. Am Ende wird Markus Lanz zehn Minuten überzogen haben. Zu Gast sind:

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Kommentator Béla Réthy (Mitte) erzählt, wie er den Zusammenbruc des Dänen Christian Eriksen erlebt hat. bild: screenshot zdf

Der Sportjournalist Béla Réthy hat unmittelbar vor Lanz' Sendung das EM-Spiel Deutschland-Frankreich kommentiert. Nach der Niederlage der Deutschen sei das zweite Spiel "fast schon ein entscheidendes Spiel am Samstag gegen Portugal", mutmaßt er düster.

Réthy hat auch das Spiel Dänemark gegen Finnland am 12. Juni kommentiert, bei dem der dänische Nationalspieler Christian Eriksen einen Zusammenbruch erlitt und wiederbelebt werden musste. Es gab Kritik am ZDF: Der Sender hielt zunächst noch mit der Kamera auf den bewusstlosen Fußballprofi drauf – auch, als ihn seine Mannschaftskameraden vor Blicken so gut wie möglich abschirmten. Réthy bittet um Verständnis. Es sei "ein schleichender Prozess", überhaupt zu verstehen, was in dem Moment passiert. Erst als Ärzte mit Defibrillator auf dem Platz waren, habe er wirklich verstanden, was geschehen sei. Viele Zuschauer hatten sich über die Bilder beschwert und Réthy gibt zu: "Ich habe auch Teile der Kritik verstanden."

Aber er bittet um Verständnis. Auch für den Regisseur: "Die Grenze ist schwer definierbar.“ Das sei auch für ihn "schwierigste, weil emotionalste Aufgabe meines Berufslebens“ gewesen.

"Das live zu begleiten ist ein Wahnsinn. Man ist irgendwann auch kein Reporter mehr, sondern Mensch.“

Béla Réthy

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Hatte auch einen Zusammenbruch auf dem Spielfeld: Ex-Fußballprofi Daniel Engelbrecht. bild: screenshot zdf

Der Ex-Fußballprofi Daniel Engelbrecht kennt die Situation von der anderen Seite: 2013 brach er mit einem Herzstillstand während eines Bundesligaspiels zusammen und musste reanimiert werden. Als er jüngst das EM-Spiel zwischen Dänemark und Finnland sah und bemerkte wie der dänische Nationalspieler Christian Eriksen auf dem Spielfeld zusammensackte, dachte er nur: "Oh mein Gott, bitte nicht! In diesem Moment hat es im ganzen Körper gerappelt, ich habe Gänsehaut gekriegt und nur gedacht, steh auf, steh auf." Zu sehr fühlte er sich an seinen eigenen Erlebnisse erinnert. Damals kam er nach 15-20 Sekunden wieder zu sich gekommen und sagte: "Ich kann weiterspielen." Nach 10 Minuten nahm ihn jedoch sein Trainer raus, weil Engelbrecht nur noch torkelte. Trotzdem hätten die Ärzte erstmal nichts feststellen können, erzählt er nun. Aber zwei Wochen später während eines Spiels fühlte er sich ähnlich und wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Diagnose: verschleppte Herzmuskelentzündung. Heute lebt er mit Defibrillator. Ihm selbst gehe es mittlerweile wieder gut, aber er habe noch heute immer mal wieder Panikattacken. Sobald ein Herzschlag nicht mehr im Takt sei, packe ihn die Panik.

Seine Einschätzung, wie es mit Eriksen weitergeht? "Ich rechne nicht damit, dass er in diesem Jahr nochmal Fußball spielt."

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Ewald Lienen findet die Uefa "respektlos". bild: screenshot zdf

Auch Fußballtrainer Ewald Lienen wusste schnell Bescheid, dass mit Eriksen was nicht stimmt. "Ich habe geweint vorm Fernseher, ich wusste, dass der Junge um sein Leben kämpft – undenkbar, dass man weiterspielt. Egal, ob er weiterlebt oder nicht“, übt der Trainer deutliche Kritik an der UEFA, die die EM veranstaltet. Er findet, der Verband hätte das Spiel abbrechen und den Spielern mindestens 2-3 Tage zur Erholung geben müssen, um das Erlebte zu verarbeiten. "Für mich war sie abgrundtief falsch. Das ist respektlos, aber diese Respektlosigkeit dem einzelnen Menschen gegenüber erleben wir überall", schimpft er in Richtung UEFA.

Und wo er schonmal dabei ist, lässt er seinen Unmut über Jogi Löw auch noch freien Lauf. Die deutsche Niederlage war für ihn absehbar. Er macht nicht der Mannschaft, sondern dem "Übungsleiter einen Vorwurf“. Dass Jogi Löw beispielsweise nicht Leroy Sané eingesetzt habe, sieht er als Fehler. So hätten die deutschen Spieler "nach vorne gar keine Chancen" gehabt. Aber so sehr ihn das ärgert, die SPD ärgere ihn als langjährigen SPD-Wähler noch viel mehr. Darum habe er "Anti-Aggressionstraining bei meiner Frau" gemacht, als er erfahren habe, dass Olaf Scholz mit in der Sendung ist.

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Scheint immer zu lächeln: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. bild: screenshot zdf

Scholz kümmert dieses Bekenntnis anscheinend nicht. Sein Gesicht scheint auch im Ruhezustand immer so, als würde er ganz leicht lächeln. So auch beim Studiobesuch bei Lanz. "Wenn keiner mehr an einen glaubt, muss man es selber tun", stichelt Lanz. Und Scholz sagt, dass er seine Bewerbung als Kanzlerkandidat "mit einer heiteren Gelassenheit" durchziehen wolle. Auf die Frage, ob ein EM-Titel oder seine Kanzlerschaft unwahrscheinlicher sind, antwortet er, dass seine Kandidatur doch "ein sehr realistisches Projekt" sei. Und die Werte für ihn persönlich als Kanzlerkandidat seinen gut, nun müsse man sie nur noch auf de SPD übertragen. Lanz piekst ihn ein bisschen: Ob er denn nicht aus der SPD austreten wolle und stattdessen allein antreten. "Im Grunde sind Sie einstellig und fast unter 5 Prozent." Scholz entgegnet: "Völliger Quatsch" und dann verweist er auf die Erfolge: Arbeitsverträge in der Fleischindustrie und Tarifbezahlung in der Altenpflege. Er findet:

"Das ist eine ganz ordentliche Leistungsbilanz. Ich mache Politik für die, die sich jeden Tag anstrengen – ich möchte, dass sie ordentlich bezahlt werden und dass sie anerkannt werden."

Olaf Scholz

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taz-Redakteurin Ulrike Herrmann sieht kaum einen Unterschied zwischen Grünen und SPD. bild: screenshot zdf

Die taz-Redakteurin Ulrike Herrmann, die sich Markus Lanz als Sidekick eingeladen hat, findet hingegen, dass die SPD schon lange keine Arbeiterpartei mehr ist. "Kein Wunder, dass die Arbeiter nicht das Gefühl haben, dass die SPD immer ihr bester Anwalt war. Sie haben in der Vergangenheit erlebt, dass die SPD ihre Versprechen nicht hält." Und was das Wahlprogramm der SPD angehe, da könne man kaum Unterschiede zu den Grünen erkennen. Nur seien die konkreter. Immerhin kann Lanz Scholz dann durch hartnäckiges Nachfragen entlocken, dass die SPD den Höchststeuersatz von 42 auf 45 Prozent erhöhen möchte, etwa für Singles mit mehr als 100.000 Euro Verdient im Jahr.

"Ich glaube, dass wir beiden zu denjenigen gehören, die einen Beitrag leisten können", sagt Scholz. Als Lanz merkt, dass Scholz ihm nun dieses Steuereingeständnis genauso abtrotzt, wie er ihm den Höchststeuersatz herausgepresst hat, sagt lachend: "Sehr gern, wir helfen, wo wir können. Das soll jetzt auch nicht blöd oder gönnerhaft klingen." So ganz klappt aber leider nicht mit dem Tonfall.

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