Markus Lanz kann kaum glauben, was Lauterbach ihm sagt.
Markus Lanz kann kaum glauben, was Lauterbach ihm sagt.
bild: screenshot zdf

Lauterbach verrät Lanz: Darum wurde der Lockdown länger als nötig

02.06.2021, 15:11
Dirk Krampitz

Der massenhafte Abrechnungs-Betrug in Corona-Testzentren ist eines der Themen dieser Woche. Und auch Markus Lanz widmet ihm einen großen Teil seiner Sendung. Aber es geht auch noch um ein politisches Versagen, was den Lockdown in Deutschland unnötig lang gemacht hat. Dabei sind folgende Gäste:

  • Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte
  • Matthias Sander, Journalist bei "Neue Zürcher Zeitung"
  • Anke Richter-Scheer, Leiterin des Impfzentrums im Kreis Minden-Lübbecke
  • Christina Schmidt, Journalistin bei "Die Zeit"

Der Abrechnungs-Betrug sei "gravierend" sagt Karl Lauterbach. Um wieviel es genau geht, weiß bisher noch niemand. Aber Lauterbach rechnet vor, dass es bei sich einer Betrugsquote von 10 Prozent schon um 70 Millionen Euro handelt.

Die Regeln und Grundlagen für die kostenlosen Bürgertests wurden im April sehr schnell geschaffen. Sie setzten auf bereits bestehende private Testzentren, neue schossen "wie Pilze aus dem Boden", so Lauterbach. Weil zwar eine Kontrollfunktion in der Vorlage des Bundesgesundheitsministeriums festgeschrieben ist, aber nicht festgelegt wurde, wer dafür zuständig ist, schoben sich u.a. Ministerien, Gesundheitsämter und die Kassenärztlichen Vereinigungen die Verantwortung zu.

"Die Zuständigkeit der Kontrolle war nicht geregelt, deshalb fand sie nicht statt. Tatsächlich war das eine Einladung zum Betrug."
Karl Lauterbach

Zudem waren die Erstattungssätze mit maximal 18 Euro pro Test auch "relativ hoch" angesetzt findet Lauterbach. "Da konnte man richtig Geld machen. Es war eine Goldgräberstimmung." Trotzdem seien die Tests extrem nützlich, betont der Gesundheitspolitiker: "Superspreader werden damit sehr zuverlässig entdeckt." Das Testen habe "eine Riesenrolle" beim Absenken der Inzidenzen gespielt.

Lauterbach glaubt sogar, dass mit Tests eine früheres Ende des Lockdown möglich gewesen wäre. "Das hätten wir viel früher machen müssen." Auf diese Art hätte man "mehrere Monate" Lockdown ersparen können, glaubt er.

Lanz wirkt fassungslos. Und wirft ein, dass es ja immer hieß, es habe keine verfügbaren Tests gegeben. Aber Lauterbach sagt, diese Behauptung sei nur eine selbst erfüllende Prophezeiung gewesen. "Wenn ich nicht im großen Stil nachfrage, wird auch nicht im großen Stil produziert.“ Lanz bleibt vor Empörung und Überraschung fast die Spucke weg. Wer denn dafür verantwortlich sei, fragt er. Aber Lauterbach sträubt sich einen verantwortlichen Namen, etwa den des Bundesgesundheitsminister zu nennen. Lanz folgert trotzdem: "Da hätten wir ja das Trio der Scheinheiligkeiten – Masken, Impfstoff und Tests." Man darf sich auf das nächste Gespräch von Lanz und Jens Spahn freuen.

Der aus Taiwan zugeschaltete Journalist Matthias Sander berichtet aus Taiwan, die Ärztin Anke Richter-Scheer (li.) und die Journalistin Christina Schmidt (re.) hören zu.
Der aus Taiwan zugeschaltete Journalist Matthias Sander berichtet aus Taiwan, die Ärztin Anke Richter-Scheer (li.) und die Journalistin Christina Schmidt (re.) hören zu.
bild: Screenshot zdf

Während in Deutschland langsam Entspannung angesagt ist, kämpft Taiwan zum ersten Mal richtig gegen Corona. Matthias Sander, Redakteur der "Neue Zürcher Zeitung" ist aus Taipeh zugeschaltet. Dort gab es im ersten Jahr der Pandemie kaum Corona-Fälle. Jetzt ist es zu einem großen Ausbruch gekommen ist. Wie es dazu kam, darüber gibt es nur Mutmaßungen. Es ist von infizierten Piloten die Rede, die ihre Quarantäne gebrochen haben und die Infektionen ins Rotlichtviertel getragen haben sollen.

Die hoch ansteckende sogenannte britische Variante – laut WHO jetzt Alpha zu nennen – breitet sich in Taiwan sehr schnell aus. Der Grund: Es gibt im hochentwickelten Taiwan kaum Impfstoff. Gerade einmal 1 Prozent der Taiwanesen geimpft ist geimpft. "Wenn sich ein solches Gesundheitssystem keinen Impfstoff beschaffen kann, kann es nur politische Gründe geben", mutmaßt Lauterbach. Deutlicher will er nicht sagen, dass offenbar Festlandchina der abtrünnigen Insel das Leben schwer macht.

Die Verbindung nach Taipeh ist allerdings schlecht, so dass Lanz den Reporter schnell verabschiedet und lieber mit Lauterbach und der Ärztin Anke Richter-Scheer weiterspricht. Sie leitet das Impfzentrums für den Kreis Minden-Lübbecke. Impfstoffprobleme kennt sie auch hierzulande immer noch. "Ich weiß immer erst, wieviel Impfstoff ich habe, wenn er wirklich da ist", sagt sie. Und sie berichtet in der Frage des Impfens von Kindern über Eltern, die wollten, dass ihr Kind geimpft wird, aber das Kind selbst wollte nicht. "Ich impfe nur, wenn die Kinder es wollen und die Eltern auch."

Lauterbach spricht sich grundsätzlich fürs Impfen von Kindern aus. Es gebe auch bei Kindern in seltenen Fällen Covid-Langzeitschäden und schwere Verläufe. "Wenn wir die Kinder nicht früh impfen, gibt es wieder deutliche Schulausfälle im Herbst." Auch seine 14-jährige Tochter will geimpft werden. Und die kenne sich mit Corona so gut aus, dass , die sie "die Sendung auch bestreiten könnte", sagt Lauterbach lachend.

Bundeswehrsoldat als syrischer Flüchtling

Die Journalistin Christina Schmidt hat Franco A. (Hintergrund) mehrfach getroffen.
Die Journalistin Christina Schmidt hat Franco A. (Hintergrund) mehrfach getroffen.
bild: screenshot zdf

Am Ende geht es noch um ein ganz anderes Thema: Der unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehrsoldat Franco A., der sich als syrischer Flüchtling ausgab. In seinem Asylverfahren hatte er behauptet, Teil einer syrischen Minderheit zu sein, die Französisch spricht, und man glaubte ihm anscheinend, dass er deshalb kein Arabisch spricht. Für seine Abwesenheit in der Kaserne ließ er sich von Kollegen entschuldigen.

Franco A. selbst behauptet, dass er Asylmissbrauch und Missstände aufdecken wollte, allerdings besteht der dringende Verdacht, dass er mit bei ihm gefundenen Waffen als vermeintlicher Flüchtling Anschläge verüben wollte, um damit geflüchtete Menschen zu diskreditieren. "Er hätte eine große Karriere bei der Bundeswehr vor sich gehabt – niemandem ist aufgefallen, dass er ein Rechtsextremist ist", sagt die Journalistin Christina Schmidt, die den Offizier mehrfach getroffen hat. Allerdings scheint die Bundeswehr auch nicht besonders aufmerksam mit rechten Tendenzen umzugehen: Franco A. musste seine Masterarbeit bei der Bundeswehr nochmal neu schreiben, weil die erste Arbeit offen antisemitisch war. Er wurde sogar zum klärenden Gespräch geladen, konnte sich aber offenbar rausreden. Ihm kommen da wohl Unbedarftheit in Bezug auf Äußerlichkeiten zugute, meint Schmidt:

"Die Frühwarnsysteme funktionieren nicht. Weil es andere Nazis sind und keine mit Springerstiefeln und tätowierten Hakenkreuz."
Christina Schmidt

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