Joshua Kimmich (l.) und Bundestrainer Joachim Löw.
Joshua Kimmich (l.) und Bundestrainer Joachim Löw.
Bild: imago sportfotodienst / Team 2
Analyse

Das ist Joachim Löws Problem mit Joshua Kimmich

27.03.2021, 15:0428.03.2021, 13:55

"Das war ein Pfund und ein Gewicht für uns", machte Bundestrainer Jogi Löw am Donnerstagabend klar. Gemeint war damit das Dreier-Mittelfeld um Joshua Kimmich, Ilkay Gündogan und Leon Goretzka, die maßgeblich zum ungefährdeten 3:0-Heimsieg im ersten Spiel der WM-Qualifikation gegen Island beigetragen hatten.

"Alle Spieler waren extrem ballsicher und häufig anspielbar", lobte Löw weiter. Goretzka (2. Minute) und Gündogan (56. Minute) stellten einmal mehr ihre Abschlussstärke unter Beweis und glänzten mit Toren. Kimmich war wie gewohnt Chef und Antreiber, und hatte zur Halbzeit alleine mehr Pässe gespielt als die gesamte isländische Mannschaft (91:90). "Das war überragend", sagte RTL-Experte Uli Hoeneß. Zudem zauberte er zwei absolute Traumpässe aus dem Fußgelenk, die zu den ersten beiden Toren führten.

Mit dieser Vorstellung machte er erneut deutlich, wie unverzichtbar er für das deutsche Spiel ist. Doch auf welcher Position?

Toni Kroos fällt aktuell mit muskulären Problemen aus.
Toni Kroos fällt aktuell mit muskulären Problemen aus.
Bild: www.imago-images.de / bMarc Schueler

Das Problem für Bundestrainer Löw: Mit Toni Kroos gibt es noch einen weiteren absoluten Top-Spieler, der mit seinen Aktionen das deutsche Mittelfeld meist auf ein ganz anderes Niveau hebt und bei Löw absolut gesetzt ist.

"Warum sollte der um seinen Platz fürchten müssen? Das ist ein Weltklassespieler, der unsere Mannschaft natürlich auch prägt", antwortete Löw nach dem Spiel irritiert auf die Frage, ob für den 31-jährigen Kroos überhaupt noch Platz sei.

DFB-Team: Nur drei Positionen für
mindestens vier Weltklasse-Spieler

Ähnlich wie bei Real Madrid könnte Kroos natürlich auch in der DFB-Elf ein Stück vor Kimmich spielen, doch dort gibt es mit Gündogan und Goretzka eben auch zwei starke Konkurrenten, die Löw nicht auf die Bank setzen kann.

Goretzka ist mit seiner Dynamik und Laufstärke ein wichtiger Spieler zwischen den Strafräumen, zudem bringt er mit seiner Kopfballstärke eine weitere Komponente ins deutsche Spiel, die es so sonst nicht gibt.

Ilkay Gündogan scheint pünktlich zur EM in überragender Turnier-Form zu sein. Unter Pep Guardiola hat er diese Saison seine Torgefahr entdeckt (zwölf Saisontore) und untermauert diese nun auch endlich im DFB-Team.

Kimmich (Nummer 6), Goretzka (Nummer 18) und Gündogan bilden aktuell das deutsche Mittelfeld
Kimmich (Nummer 6), Goretzka (Nummer 18) und Gündogan bilden aktuell das deutsche Mittelfeld
Bild: www.imago-images.de / ActionPictures

Kimmich, Kroos, Goretzka, Gündogan – Jogi Löw wird die Qual der Wahl haben, denn in seinem bevorzugten System gibt es nur Platz für drei Mittelfeldspieler. Hinzu kommt, dass der Bundestrainer sich auch erst im Mai überlegen will, ob er dieses (Über-)Angebot noch mit dem staksigen Willensspieler und Raumdeuter Thomas Müller anreichert, der bei Bayern München eine sensationelle Saison spielt. Außerdem stehen noch junge, aufstrebende Talente wie Florian Neuhaus, Florian Wirtz oder Jamal Musiala im Kader, die Löw sehr schätzt.

Kimmich: "Dann spiele ich rechts."

Doch am Donnerstag wurde ebenfalls deutlich, wo es im deutschen Spiel noch hakt. Die rechte Abwehrseite ist nicht gerade das Prunkstück des Teams. Leipzigs Klostermann agierte gegen Island defensiv solide und in der Offensive ziemlich harmlos. Er bereitete keinen Torschuss vor, noch schlug er eine Flanke. Auch seine Ersatzleute sind mit Matthias Ginter (eigentlich Innenverteidiger) und Thilo Kehrer keine Außenverteidiger von gehobener internationaler Klasse.

Joshua Kimmich hat das hingegen bereits beim FC Bayern unter Beweis gestellt. Er agiert auf dieser Position auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Mittelfeld. Während des Champions-League-Turniers im vergangenen Jahr in Lissabon zeigte er, dass er defensiv gegen Spieler wie Neymar oder Kylian Mbappe bestehen kann. Offensiv glänzte er im Viertelfinale gegen Barcelona sogar als Torschütze und im Finale gegen Paris Saint-Germain als Vorlagengeber für Comans Siegtreffer. Gerade gegen tief stehende Gegner könnten seine Läufe in die Tiefe immer wieder für Verwirrung in der gegnerischen Abwehr sorgen.

Kimmich selbst verriet kürzlich in der "SportBild": "Der Bundestrainer hat sich, was meine Position angeht, ziemlich festgelegt – und zwar auf das Mittelfeld." Jogi Löw wollte sich dazu nicht konkret äußern. "Das muss man dann im Mai noch einmal überlegen", sagte er. Und auch Kimmich scheint sich notfalls mit der Rolle hinten rechts anfreunden zu können. "Es geht nicht darum, dass ich stur darauf poche, im Mittelfeld zu spielen, sondern dass wir den Titel holen. Wenn die Wahrscheinlichkeit mit mir als Rechtsverteidiger größer ist, dann spiele ich rechts."

Nachwuchsstar könnte Probleme von Löw wieder vergrößern

Wenn Kimmich hinten rechts spielt, wäre im Mittelfeld genug Platz für Kroos, Gündogan und Goretzka. Doch wenn U-21-Nationalspieler Ridle Baku weiterhin für so viel Furore sorgt, könnte auch er eine ernsthafte Option für hinten rechts sein.

Zwar stand Baku lediglich beim 0:6 gegen Spanien in der DFB-Elf, doch traf direkt im ersten Gruppenspiel der U-21-EM-Vorrunde doppelt. Der Außenverteidiger hat einen enormen Offensivdrang (fünf Tore, drei Vorlagen) und dürfte definitiv bei Löw auf dem Zettel stehen.

So könnte der Bundestrainer die Baustelle hinten rechts zwar schließen, hätte dann aber wieder ein Überangebot im Mittelfeld. "Da wird der Jogi die Qual der Wahl haben, wenn alle wieder gesund sind", brachte es RTL-Experte Hoeneß am Donnerstag mit Blick auf die EM im Sommer auf den Punkt.

(lgr)

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