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Wen würdet ihr einstellen? Bild: Lauren Griffiths / Lauren Griffiths

Amerikanerin ändert ihr LinkedIn-Profilbild – und sorgt für riesige Debatte

Bewegen wir uns im Berufskontext, dann meist gestriegelt. Jedes Haar sitzt an seinem Platz, das Hemd frisch gewaschen und gebügelt, die Schuhe poliert. Darüber hinaus sind Bart oder Make-up akkurat wie das Schweizer Chronometer am Handgelenk. So zumindest schauen die meisten Profilbilder auf dem Berufsnetzwerk LinkedIn aus. Eine US-Amerikanerin stemmte sich nun aber gegen diesen Trend.

Lauren Griffiths arbeitet in der Personalabteilung eines Tech-Unternehmens. Seit der Corona-Krise ist sie im Homeoffice. Nebenbei kümmert sie sich zusammen mit ihrem Mann um ihre drei Kinder im Alter von sieben, fünf und zwei Jahren. Mit einem neuen Profilbild auf LinkedIn zeigt sie, wie sie aktuell aussieht, wenn sie arbeitet. Damit hinterfragt sie die Hochglanz-Kultur des Berufsnetzwerks.

Zum Vergleich: Auf ihrem alten Bild trägt Griffiths Blazer und Bluse, eine perfekt sitzende Frisur sowie Make-up. Auf dem neuen einen Pullover, zerrissene Jeans und leicht zersaustes, nasses Haar. Alltagslook eben. Dazu schrieb sie, dass ihr Mann 80 Aufnahmen machte, um das erste Bild aufzunehmen.

"Aber so wie auf dem Foto bin ich nicht immer, und schon gar nicht jetzt."

Lauren Griffiths LinkedIn

Aufrichtiger Eindruck

Die Homeoffice-Welt habe die Grenzen zwischen ihrem beruflichen und dem persönlichen Selbst verwischt. Ratgeber für authentische Führung halfen ihr, zu verstehen, dass es für die Karriere nützlicher sei, aufrichtig und verletzlich zu sein "als ein glänzendes Profilbild zu haben". 700.000 Menschen markierten den Beitrag mit "Gefällt mir", 23.000 Kommentare folgten.

"Spiegel Online" erzählt sie, dass das ihr erster Post auf LinkedIn ist: "Meine Privatsphäre ist mir sehr wichtig, deshalb meide ich soziale Medien weitgehend." Die Resonanz überrascht sie entsprechend. Neben den Kommentaren erhielt sie auch viele persönliche Nachrichten, in denen sich Leute bei ihr bedanken, sagt sie weiter.

"Vor allem Mütter scheinen mein Gefühl zu teilen, ich war wohl nur die Erste, die es in Worte gefasst hat."

Wen würdet ihr einstellen?

Gerade zu Beginn der Pandemie haben sich ihrer Erfahrung nach viele Menschen entschuldigt, sich vor einem Onlinemeeting nicht zurechtgemacht zu haben. "Dafür muss man sich doch nicht entschuldigen", sagt Griffiths. Ähnlich verhalte es sich mit Businessfotos. Hochglanz-Bilder fallen ihrer Meinung nach aus der Zeit.

Wie im Internet üblich gab es nicht nur positive Resonanz. Griffiths sagt, sie habe auch herablassende Nachrichten bekommen, das sei schlicht "unprofessionell". Natürlich stellten sich einige unter ihrem Bild auch die Frage, wen sie einstellen würden: die Hochglanz- oder die Casual-Griffiths.

Das ist witzig, da es sich um dieselbe Person handelt. Selber Lebenslauf, selbe Qualifikationen, die übrigens auf LinkedIn einsehbar sind, sofern angegeben. Dennoch sagten einige Menschen laut Griffiths, sie wirke auf ihrem alten Bild kompetenter. Sie hält dagegen:

"Wie jemand aussieht, sagt doch nichts über seine Fähigkeiten aus. Ich finde es großartig, dass mein Beitrag nun eine solche Debatte angestoßen hat."

Sie erwarte nicht, dass alle ihre Meinung teilen. Vielmehr gehe es darum, zu hinterfragen, welchen "Vorurteilen wir aufsitzen". Ob Griffiths Bild die Ära des "Casual Looks" im Arbeitskontext herbeiführt, bleibt abzuwarten. Einen Denkanstoß gab es auf jeden Fall.

(tkr)

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