ZDF-Moderator Jan Böhmermann hat auf die Missstände in der Pornoindustrie aufmerksam gemacht.
ZDF-Moderator Jan Böhmermann hat auf die Missstände in der Pornoindustrie aufmerksam gemacht.screenshot via youtube.com/zdfmagazinroyale

"Normal wie Schokolade und Kaffee" – ZDF-Moderator Böhmermann macht "ethisch korrekten" Porno

14.03.2022, 17:53

Pornos sind im Internet frei zugänglich: Die halbherzige "Altersprüfung" vieler Seiten lässt sich oft mit einem einzigen Klick überwinden. So können sich auch Minderjährige harte Sex-Szenen anschauen, so lange sie nur Internetzugang haben. Häufig sind darunter sogar illegale Videos von zum Beispiel Vergewaltigungen, wie Recherchen von netzpolitik.org gezeigt haben. Sie offenbaren, wie verbreitet solche Videos auf der weltgrößten Pornoseite XVideos sind und wie wenig der Betreiber dagegen unternimmt.

Seit kurzem ist das Thema Internet-Porno auch auf der politischen Agenda. Anfang März haben die Medienanstalten der Bundesländer eine Netzsperre für das Pornoportal xHamster beschlossen. Das frei verfügbare pornografische Angebot von xHamster sei ein Verstoß gegen den Jugendschutz und damit rechtswidrig, befand die Kommission für Jugendmedienschutz.

Wie Pornos produziert und konsumiert werden, muss sich ändern, findet auch Moderator Jan Böhmermann und das Redaktionsteam seiner TV-Sendung "ZDF Magazin Royale". Ihr Ansatz: Sexfilme "ethisch korrekt" machen.

"Ich denke, wir können uns darauf einigen: Pornos sind heutzutage wie Schokolade und Kaffee. Ganz normal. Und deswegen müssen sie eigentlich auch fair sein", sagt Böhmermann in der aktuellen Ausgabe der Sendung. "Rettet den Porno vor Pornoplattformen!", fordert er darum. Schließlich würden deren Betreiber nicht richtig kontrollieren, welche Videos auf den Internetseiten hochgeladen werden.

Er und sein Team hätten sich darum dazu entschlossen, mit gutem Beispiel voranzugehen. "Wir haben wirklich einen ethisch korrekten, queer-feministischen Hochglanzporno produziert", so Böhmermann. Er präsentierte anschließend Ausschnitte aus dem Video. Jedoch versperrte ein Foto mit seinem Gesicht Details der Gruppensex-Szenen. Das "Magazin Royale" veröffentlichte auf Twitter einen Teaser zu dem Film.

Der ganze Film, der von Pornoregisseurin Paulita Pappel produziert wurde, darf nämlich weder im ZDF gezeigt, noch in der Mediathek zur Verfügung gestellt werden. "Weil es sehr, sehr viele Gesetze" gebe, so Böhmermann. Darum dürfe die aktuelle "ZDF Magazin Royale"-Folge auch nur zwischen 22 Uhr und 6 Uhr in der Mediathek abgerufen werden.

Einige findige Twitter-User haben den "ersten öffentlich-rechtlichen Porno in der Geschichte des deutschen Fernsehens" (Zitat Böhmermann) im Internet bereits aufgespürt. Und die Reaktionen sind überwiegend positiv.

"Auch wenn es nicht die Art Porno ist, die ich für gewöhnlich konsumiere, wird dort die Art Sex gezeigt, die der Realität, für mich, am nächsten kommt", schreibt eine Twitter-Nutzerin. In Anspielung auf den Werbespruch des ZDF hält ein anderer fest: "Mit dem Zweiten bumst man besser." Und der ein oder andere sah in dem öffentlich-rechtlichen Porno seine Rundfunkgebühren sinnvoll angelegt.

(nik)

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