Musik
Bild

Bild: dpa

Böhse Onkelz spielen verbotenen Song und Arte überträgt es live – das sagt der Sender

Wenn ein Song einer Band in Deutschland auf dem Index steht, dann darf er hierzulande nicht live gespielt werden. So ist das auch mit dem Song "Der nette Mann" von der umstrittenen Band Böhse Onkelz – trotzdem schafften die Musiker es, das Lied am vergangenen Wochenende in einem Live-Stream von Arte unterzubringen – und das Lied so trotz des Verbots in Deutschland aufzuführen. Gegenüber watson hat sich Arte zu der Sache geäußert. Doch von vorn.

Böhse Onkelz auf Arte: Wie es zu der Übertragung des verbotenen Songs kam:

Arte übertrug das französische Festival "Hellfest" in einem Stream auf der Sender-Homepage. Kurz vor Ende des Konzerts soll der Bassist der Band das verbotene Lied mit diesen Worten angekündigt haben:

"Es ist uns nicht erlaubt, den Song in Deutschland zu spielen. Aber für euch Fans … hier ist 'Der nette Mann' von unserem ersten Album."

Bassist Stephan Weidner Bild

Die Böhsen Onkelz wussten dabei offensichtlich von der Übertragung via Arte: Vor dem Auftritt beim "Hellfest" hatte die Band den Live-Stream schließlich selbst auf Facebook angekündigt. Hier der entsprechende Post:

Die Band wusste demnach ganz genau, dass der Song in Deutschland und in Frankreich übertragen wird. Und auch den Fans fiel die bewusste Provokation auf. Positiv wie negativ:

Bild

Bild: screenshot facebook

Das sagt Arte zu der Live-Übertragung:

Eine Sprecherin des Senders sagte gegenüber watson: "Das Produktionsteam von Arte France vor Ort hat die Setlist der Band erst unmittelbar vor Konzertstart erhalten. Arte hat im Anschluss jedoch unverzüglich reagiert und die Aufzeichnung nicht in seine Online-Mediathek übernommen."

Die Übertragung sei nur im Livestream zu sehen gewesen, nicht aber im TV.

Warum ist der Song der Böhsen Onkelz verboten?

In dem Lied heißt es unter anderem:

"Die Gier nach Qual und Todesschrei
macht mich noch verrückt.
Kann mich denn kein Mensch verstehen, dass mich das entzückt?"

Und weiter:

"Komm mein Kleines.
Du sollst heute Nacht mein Opfer sein.
Ich freu' mich schon auf dein entsetztes Gesicht.
Und die Angst in deinem Schrei"

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften setzte diesen Titel im Jahr 1986 auf den Index. Die Begründung: Aufforderung zum Kindermord. Außerdem waren laut Bundesprüfstelle auf dem ersten Album der Band weitere gewaltverherrlichende Texte und eine Aufstachelung zum Rassenhass (im Song "Frankreich '84) vertreten, sodass das gesamte Album der Band auf dem Index landete.

Zwischenzeitlich distanzierte sich die Band immer wieder von rechtem Gedankengut.

Dennoch...

... hatte es erst im Jahr 2005 eine Anzeige vom Landeskriminalamt gegen die Band und eine anschließende Geldstrafe gegeben. Damals hatten die Böhsen Onkelz bei ihren "Abschiedskonzerten" auf dem Lausitzring vor über 100.000 Zuschauern verbotene Lieder – darunter auch "Der nette Mann" – gespielt.

(hd)

Great Blasket Island – Irlands verlassenes Inselabenteuer

"Ich hasse Menschen auf Konzerten!"

Play Icon
2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ralf Fischer 26.06.2019 07:10
    Highlight Highlight Naja.
    1. Haben heute manche Rapper schlimmere Songs.
    2. Muss man auch immer mal erwähnen, wie die Band das Lied gemeint hat. Sie wollten halt, wenn auch auf sehr schräge Art und Weise, zeigen, dass jeder ein Täter sein könnte und man etwas auf seine Kinder achten sollte. So zumindest einer der Bandmitglieder mal in einem Interview.
    • David Lass 27.06.2019 17:28
      Highlight Highlight absolut deiner Meinung

Conchita Wurst befreit sich von ESC-Kunstfigur: "Ich war unglücklich"

Vor fünf Jahren siegte der Österreicher Tom Neuwirth als Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest. Doch die Rolle der exzentrischen Diva mit Bart und Perücke erfüllte ihn auf Dauer nicht. Jetzt meldet er sich als neue Kunstfigur "Wurst" zurück – mit Elektro und ganz neuem, männlichem Erscheinungsbild. Mit watson sprach er über Aufbegehren, Sinnkrise, Schubladendenken und das Finden und Suchen persönlicher Freiheit.

watson: ­­­Tom, wir kennen dich als Conchita mit Walle-Perücke und bodenlangem Kleid. Wieso hast du dich ausgerechnet jetzt dafür entschieden, dem Publikum mit "Wurst" eine Seite von dir zu zeigen, die es so noch nicht kannte?Conchita Wurst: Ich habe die Notwendigkeit gespürt, mich weiterzuentwickeln. Ich habe mich davor für meine Verhältnisse zu lange in derselben Welt bewegt. Und damit meine ich, dass ich mich selbst in ein Regelwerk gesperrt habe, das mich auf eine Farbe meines Seins …

Artikel lesen
Link zum Artikel