Schon in der ersten Folge der neuen Staffel von

Schon in der ersten Folge der neuen Staffel von "Promis unter Palmen" gab es einen Eklat. Bild: Sat.1

Meinung

"Promis unter Palmen": Das Krisenmanagement von Sat.1 ist eine Katastrophe

Der Vorwurf, auf Eskalation abzuzielen, ist bei vielen Reality-Formaten Standard. Jahrelang galt insoweit das Dschungelcamp als fragwürdigstes Beispiel, auch "Das Sommerhaus der Stars" spielt oben mit. "Promis unter Palmen" auf Sat.1 lässt allerdings selbst die zweifelhaftesten RTL-Momente überwiegend wie Peanuts erscheinen. Schon die erste Folge der zweiten Staffel zog in dieser Woche gleich mehrere Eklats nach sich – allen voran die homophoben Aussagen von Prinz Marcus von Anhalt entfachen die Diskussionen um Grenzen im Trash-TV von Neuem.

Dass Sat.1 so etwas erst einmal ungefiltert beziehungsweise ohne eine überzeugende Einordnung ausstrahlt, ist aber nur die eine Sache. Auf einem anderen Blatt steht die Reaktion des Senders auf die Zuschauer-Kritik, die anscheinend keiner klaren Linie folgt – außer vielleicht der, alles noch schlimmer zu machen.

Gegenüber watson äußerte der Sender nun: "Nach den Zuschauerreaktionen von Montag prüfen wir aktuell alle verbleibenden Folgen. Daher gibt es auch keine Preview auf Joyn." Dabei hatte es auf Twitter erst einmal geheißen: "Wir verstehen eure Entrüstung. Wir haben das lange diskutiert, aber es ist auch ein wichtiges Thema, das nicht verschwiegen werden darf – wie Katy selbst sagt." Schadensbegrenzung geht irgendwie anders.

Sat.1 zeigt, wie Krisenmanagement nicht geht

Natürlich ist der jetzige Shitstorm für Sat.1 hausgemacht. Um bei Prinz Marcus zu bleiben: Er fiel bereits früher durch ähnliche Aussagen wie jetzt bei "Promis unter Palmen" ("Schwul sein ist scheiße") auf. Ihm eine Platfform zu geben, birgt ein entsprechendes Risiko, das sich tatsächlich realisierte.

Promis unter Palmen

Die homophoben Aussagen von Prinz Marcus in "Promis unter Palmen" sind keine Überraschung. Bild: screenshot sat.1

Sat.1 mag diese Ansichten nicht teilen, zeigt sie aber trotzdem einem Millionenpublikum zur Primetime. In Zeiten, in denen viele Zuschauer zunehmend für Homophobie, Mobbing und Rassismus sensibilisiert sind, ist es eigentlich von vorneherein himmelschreiend naiv, zu glauben, mit so etwas ohne Image-Schaden davonkommen. Bereits deshalb gerät der Sender nun vollkommen verdient ins Schwimmen.

Eine Sprecherin versuchte sich im Nachhinein trotzdem noch einmal an einer Verteidigung dieser Ausrichtung und erklärte der "Bild": "In der Sendung hat Willi Herren sofort klare Kante gegen die homophoben Aussagen von Prinz Marcus gezeigt. Katy Bähm ordnet zudem selbst klar ein. Sat.1 hat im Umfeld der Sendung und in der 'Late Night Show' weiter zu diesem wichtigen Thema eindeutig Stellung bezogen."

Jetzt aber bekommt der Sender offenbar doch kalte Füße und schraubt kurzfristig an den kommenden Folgen herum, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitere Eklats bereithalten. Dies wiederum passiert wohlgemerkt nicht als Konsequenz aus eigener Einsicht, sondern weil der öffentliche Druck immer weiter stieg. Die Geister, die die Macher riefen, sind außer Kontrolle geraten, den Verantwortlichen fällt das eigene Format endgültig auf die Füße.

Mit einer guten Portion Galgenhumor wäre immerhin festzuhalten, dass Sat.1 ein Fettnäpfchen erspart blieb, da Prinz Marcus ohnehin gleich beim Auftakt aus der Show gewählt wurde. Ob anderenfalls die Sender-Chefs ihn rausgeschmissen hätten, darüber ließe sich trefflich spekulieren.

Jetzt haben sie mit dem Dilemma zu kämpfen, "Promis unter Palmen" womöglich an Stellen zu zensieren, die eigentlich die Zuschauer anlocken und die Show tragen sollten. Wirklich konsequent wäre es im Grunde nur, die Sendung zumindest in ihrer aktuellen Ausrichtung entweder einzustampfen oder eben mit permanenten Shitstorms zu leben. Stattdessen will Sat.1 sich offenbar irgendwie durchmogeln. Diese Taktik ist zum Scheitern verurteilt.

"Promis unter Palmen": Sat.1 ohne klare Kante

Im Vergleich dazu wirkt RTLs Umgang mit Ex-"DSDS"-Juror Michael Wendler geradezu souverän. Hier ließen Konsequenzen zunächst zwar auch auf sich warten, nach einem kruden Holocaust-Vergleich zogen die Chefs dann aber eine klare Linie und entfernten den "Egal"-Interpreten kompromisslos aus den Casting-Folgen.

Bei dem ehemaligen Dschungelcamp-Teilnehmer DJ Tomekk reagierte der Sender sogar sofort, als 2008 ein Video auftauchte, in dem er die Hand zum Hitlergruß erhob. Die Überlegung, es könnte sich um einen Spaß gehandelt haben, ließ man gar nicht erst gelten.

Auch im Bereich des Trash-TV gibt es also deutliche Abstufungen, was die freiwillige Selbstregulierung der Sender betrifft. Sat.1 sah sich beispielsweise nicht gezwungen, einzugreifen, als Claudia Obert aus "Promis unter Palmen" rausgemobbt wurde. Jetzt schaukelt sich das Format weiter hoch nach der Devise: einfach mal laufen lassen. Nur zahlreiche Zuschauer machen eben nicht mehr ohne Weiteres mit.

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Auch Claudia Obert hat schon an "Promis unter Palmen" teilgenommen. bild: sat.1

Besonders skurril wird es schließlich beim Vergleich zwischen Sat.1 und ProSieben, zumal beide zur selben Sendergruppe gehören. Während Joko und Klaas heute "Männerwelten" präsentieren oder eine siebenstündige Doku zum Thema Pflegenotstand auffahren, steht auf der anderen Seite pure Eskalation auf dem Programm. RTL setzt derweil stärker auf Familienfreundlichkeit und zeigte zuletzt Dieter Bohlen den Weg zur Tür.

In seiner jetzigen Form kann "Promis unter Palmen" wahrscheinlich nicht viel länger bestehen und ProSieben muss wohl noch länger diskutieren, um es mit den Worten des Sender-Tweets von neulich zu sagen. Während das Unterhaltungsfernsehen praktisch überall zahmer wird, tritt Sat.1 in Sachen Menschenfeindlichkeit aufs Gaspedal und wundert sich, dass Gegenwind kommt. Ein Reality-Drama auf Metaebene.

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