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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht trotz sinkender Zahlen keinen Grund zur Entwarnung. bild: screenshot ard

Maischberger: Lauterbach warnt vor nicht impfbarer Mutation – Streeck

Dirk krampitz

Der strenge Mahner Karl Lauterbach (SPD) trifft auf den eher lässigen Virologen Hendrik Streeck, der schon im ersten Lockdown früh für eine Lockerung der Maßnahmen plädiert hat. Es ist klar, dass das ein spannendes Corona-Duell bei Sandra Maischberger wird.

Später darf auch Grünen-Chef Robert Habeck noch ein bisschen schauplaudern, bevor er und Grünen-Chefin Annalena Baerbock zwischen Ostern und Pfingsten die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten oder die Kandidatin der Grünen untereinander ausmachen.

Lauterbach und die Mutationen

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Karl Lauterbach erklärt die Wirkungsweise der Mutationen. bild: screenshot ard

Die Infektions- und Todeszahlen sinken derzeit. Aber die Mutationen des Corona-Virus machen den Medizinern und Politikern Sorgen. Der Virologe Christian Drosten hatte vor einer Woche davor gewarnt, dass er es für möglich halte, dass es 100.000 Corona-Infektionen pro Tag im Sommer geben wird. Und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bekräftigt diese Befürchtung sogleich. Bei den Mutationen werde auch das warme Wetter nicht helfen. Die neuen Viren-Varianten würden sich schneller vermehren und könnten besser andocken. "In dieser Kombination sind sie viel ansteckender." Außerdem helfen die Impfungen nicht sicher und "vielleicht nicht so lange" gegen die Varianten. Die Mutante unterscheide sich in 20 Aminosäuren. Und Lauterbach, der leider oft recht hatte mit seinen Prognosen, äußerst angesichts dieser Mutationsfreude eine ganz besonders schlimme Vermutung:

"Es kann sein, dass wir zum Schluss Mutationen haben, gegen die wir nicht mehr impfen können."

Karl Lauterbach

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Hendrik Streeck schlägt Versuche mit Schulen vor. bild: screenshot ard

Der Virologe Hendrik Streeck sieht das Ganze erwartungsgemäß optimistischer: 100.000 Infizierte im Sommer seien nur denkbar, wenn man auch unvorsichtigerweise alle Schutzmaßnahmen fallen ließe. Grundsätzlich gibt er Lauterbach aber Recht: "Bei den neuen Mutationen muss man aufpassen." Trotzdem ist für ihn die Zahl der Neuinfektionen keine so wichtige Kennziffer, sondern eher die der ernsthaft Erkrankten. Diese Argumentation wirkt angesichts der zuletzt bei viel geringeren Infektionszahlen ausgelasteten Intensiv-Betten zumindest seltsam.

Karl Lauterbach muss sich förmlich zusammenreißen, um nicht unhöflich zu werden. "Ich glaube, dass es sehr relevant ist, auf die Zahl der Neuinfektionen zu schauen." Seine einfache Rechnung: je mehr Infizierte, desto mehr Tote, 1,1 Prozent der Infizierten sterben, sagt Lauterbach. Viele andere hätten lebenslange Beeinträchtigungen. Eigentlich würde man sich jetzt eine Antwort mit Fakten wünschen. Aber Streeck kontert lieber rustikal:

"Wir dürfen diese Diskussion nicht emotional führen, sonst gibt es da immer Totschlagargumente. Als Arzt lese ich auch nicht den ganzen Beipackzettel von Aspirin vor. Am Ende steht da auch, dass man daran sterben kann."

Hendrik Streeck

Versuch mit Schülern

Streeck bedauert, dass "man nur den Lockdown als Hammer hat und nicht mit dem Skalpell arbeitet". Und dann schlägt er einen Versuch mit Schülern vor: Man solle sich zwei Orte mit ähnlicher Inzidenz suchen und in einem die Schule öffnen, im anderen nicht und dann das Infektionsgeschehen vergleichen. "Das ist kein Experimentieren am Menschen", sagt er. Vermutlich weil er selbst gemerkt hat, dass diese Versuchsanordnung irgendwie komisch klingt.

Für Lauterbach sind solche Studien eher leere Hoffnungen. Es gebe keine "magischen Plätze der Ansteckung", die man nur schließen müsse um alles andere öffnen zu können.

Jüngst wurde bekannt, dass der Impfstoffhersteller Astrazeneca weniger Impfstoff liefern wird als mit der EU vereinbart. Wenn man Lauterbachs Einschätzung folgt, liegt das Problem bei den von der EU gemachten Verträgen: "In gewisser Weise hat die EU moralisch recht, und Astrazeneca hat juristisch recht."

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Grünen-Chef Robert Habeck lobt Bundeskanzlerin Angela Merkel. bild: Screenshot ard

Dann ist Grünen-Parteivorsitzender Robert Habeck dran. Was er von der Kanzlerin halte, will Sandra Maischberger wissen. "Frau Merkel versucht, die Fäden in der Hand zu halten. Sie selbst würde sich auch wünschen, dass der Föderalismus besser funktionieren würde. Dennoch hat sie im Prinzip in der Krise den richtigen Weg eingeschlagen", sagt Habeck. Besonders lobt er Merkel und ihren Kanzleramtsminister Helge Braun. "Sie konzentrieren sich auf die Wirklichkeit – nicht auf die Wehwehchen der CDU." Sein Urteil: "Das passt zu den Grünen." Deutlicher andienen kann man sich nicht.

Allerdings ist ja auch noch die Frage offen, ob er oder seine Co-Vorsitzende Annalena Baerbock die grüne Kanzlerkandidatur übernehmen.

"Die Frauenquote wird nicht über die Kanzlerkandidatur entscheiden."

Robert Habeck

Baerbock habe ihm gesagt, "dass sie diese Karte nicht spielen wird". Es solle eine "politische" Entscheidung werden. Aber so wie er das sagt, klingt es nach wenig Zweifel, dass er es wird.

Welke wütet gegen Angela Merkel: "Was traut sich diese Frau?"

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