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Smudo ist geschockt von der "Zettelwirtschaft". bild: screenshot ard

Smudo entwickelt Covid-App und versteht Corona-Leugner – ein bisschen

Dirk Krampitz

Siebeneinhalb Stunden haben die Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin über den richtigen Weg zur Eindämmung der Corona-Pandemie beraten. Das Augenmerk lag dabei auch auf den Kontaktregeln für Weihnachten. Über die Ergebnisse der Beratung, eine überraschend neue Corona-App sowie die Erfahrung eines Lungenarztes, selbst an Covid-19 zu erkranken, spricht Sandra Maischberger mit ihren Gästen:

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Findet Weihnachten "sozial wichtig": Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. bild: screenshot ard

Nach dem langen Tag steht Manuela Schwesig (SPD) per Videoschalte noch Sandra Maischberger Rede und Antwort. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern feiert Weihnachten zuerst "in kleiner Familie" mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und ihrer Schwiegermutter. Dann geht es zu ihren Eltern ins Brandenburgische und ihr Bruder kommt dazu. Ohne Corona wäre die Weihnachtsrunde größer geworden, sagt die Ministerin.

Corona-Virus: "Fies und mies"

Zu Weihnachten sind Treffen von bis zu zehn Erwachsenen erlaubt, Kinder bis 14 Jahren zählen nicht mit. Diese Lockerungen für die Feiertage seien "nicht risikofrei", gibt die Ministerpräsidentin zu. "Aber ich glaube fest daran, dass diese Zeit sozial wichtig ist". Ob es denn einen weiteren Lockdown im Januar geben werde, weil die Zahlen nach Weihnachten wieder steigen, will Sandra Maischberger wissen. "Die Infektionszahlen hängen davon ab, wie sich die Bürgerinnen und Bürger verhalten", bügelt Schwesig jeden Spekulationsversuch ab. Aber Kontaktbeschränkungen werde es im Januar auf jeden Fall noch geben, da "das Coronavirus leider fies und mies ist" und eben gerade von sozialen Kontakten lebt. Und so könne man auch nicht sagen, wann etwa Kulturveranstaltungen wieder möglich seien.

"Niemand kann in dieser Pandemie seriös eine Planungssicherheit geben, und das wissen auch alle."

Manuela Schwesig

Fantastische Vier: App statt Rap

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Smudo will den Gesundheitsämtern helfen. bild: screenshot ard

Damit will sich der Musiker Michael B. Schmidt, den alle nur als Smudo kennen, nicht abfinden. Er vermisst Konzerte. Eigentlich wollten seine Fantastischen Vier in diesem Jahr 30-Jähriges Bestehen feiern. Corona hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch nun haben die Fantas zusammen mit dem Berliner Unternehmen neXenio die App "Luca" zur einfacheren Kontaktnachverfolgung für die überlasteten Gesundheitsämter entwickelt. Zum Teil arbeiten die nämlich noch mit Faxmeldungen und die Kontakterfassung in Restaurants erfolge ja auch fast immer analog. Er findet es "unvorstellbar", dass heute noch "eine Zettelwirtschaft wie aus den 70er Jahren" herrscht. So eine App sei doch relativ einfach zu programmieren. 10 Wochen habe es gedauert.

Das Prinzip: Durch Scannen eines QR-Codes beispielsweise in einem Restaurant, bei einem Konzert oder in einem Altersheim wird der Aufenthaltsort gespeichert. Man könne auch bei privaten Treffen die Codes von getroffenen Freunden scannen. Sollte man infiziert sein, könne man seinen Kontakt-Verlauf dem Gesundheitsamt freiwillig zugänglich machen.

In Bernburg in Sachsen-Anhalt wird die App bereits in zwei Altersheimen getestet. Und 4 oder 5 von bundesweit 400 Gesundheitsämtern arbeiten versuchtsweise schon mit ihr, sagt Smudo. "Ich gehe davon aus, dass sich heute Abend noch einige mehr melden", sagt der Rapper.

Seit Jahrzehnten setzten sich die Fantastischen Vier gegen Rechts ein und die Entwicklung der App zeigt, dass Smudo Corona ernst nimmt. Und trotzdem beweist er Empathie auch für Corona-Leugner. Es sei eine schwierige Situation mit einem Virus als "unsichtbaren Gegner", so der Sänger.

"Ich kann schon verstehen, dass man da durchdreht."

Smudo

Angst vor Arbeitslosigkeit sei "der Nährboden für Extremismus" und der werde derzeit leider von "Fascho-PR" professionell beackert. Das mache ihm Sorge. "Aber eigentlich bin ich Kulturoptimist." Und seine App tut ja vielleicht auch einiges zur Entspannung der Situation.

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Epidemiologe Dirk Brockmann findet die App "superclever". bild: screenshot ard

"Klingt ja viel zu gut, um wahr zu sein – muss da jetzt erst ein Rapper kommen ..." fragt Maischberger den Epidemiologen Dirk Brockmann. Und genauso ist es wohl. Denn Brockmann lobt die App als "superclever" und gute Ergänzung zur offiziellen Corona-App. "Luca" habe zum Beispiel mit dem Scannen des QR-Codes partizipatorische Elemente und die Erfahrung zeige: "Je mehr man mitmachen muss, desto besser läuft das." App statt Rap – klingt, als würde "Luca" der nächste Hit der Fantas werden.

Gebraucht wird sie auf jeden Fall: Die Infektions-Zahlen hätten sich "auf einem sehr hohen Niveau eingependelt", so Brockmann. Dass die Fallzahlen trotz Lockdown nicht stark sinken, liegt an den vergleichsweise zurückhaltenden Maßnahmen in Deutschland. Belgien habe mit einem strikten Lockdown innerhalb von vier Wochen die Infektionen von 20.000 am Tag auf 1000 gedrückt.

"Natürlich kann man das hier auch in den Griff kriegen. Wir als Wirt des Virus bestimmen die Dynamik der Pandemie."

Dirk Brockmann

Während Brockmann spricht, kommt eine mehrere Minuten lange Störung dazwischen. Als es weitergeht, spricht die Runde bereits über ein anderes Thema. Die Unterbrechung wird weder erklärt noch entschuldigt.

Politiker nur Schauspieler?

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Sandra Maischberger (re.) mit ihren Kommentatoren Hans-Ulrich Jörges, Markus Feldenkirchen und Lamya Kaddor. (v.l.) Bild: ard Screenshot

Der Journalist Hans-Ulrich Jörges findet die Maßnahmen "kurzatmig und hilflos" und die Politiker, seien selbst nur gespielt überzeugt von den eigenen Beschlüssen. Fest macht er das zum Beispiel an Angela Merkel: "Ich denke, ich hör‘ nicht recht", sei sein Gedanke gewesen, als die Kanzlerin von der Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs trotz Maske gewarnt habe. Für ihn ist klar: "Jetzt helfen nur noch scharfe Kontaktbeschränkungen."

Auch Spiegel-Kolumnist Markus Feldenkirchen hält sich mit Politikerkritik nicht zurück: Einige der Ministerpräsidenten seien "Schauspieler" sagt er. Wen er denn genau meine, möchte Maischberger wissen? Bereitwillig führt Feldenkirchen aus, "dass Herr Söder diese Auftritte sehr genießt". Aber er mache das auch gut und habe ein Gespür dafür, was bei den Leuten ankomme.

Auch die Publizistin Lamya Kaddor sieht die beschlossenen Maßnahmen kritisch. Sie seien "sehr erwartbar" und gleichzeitig sei es eine "Kraftprobe", immer wieder auf neue Beschlüsse zu warten. Was sie ganz konkret vermisst: Ideen für die Schulen. Sie arbeitet auch als Religionslehrerin in Duisburg. "Geschützt fühle ich mich da nicht." Abhilfe schaffen könnten ihrer Meinung nach wöchentliche Corona-Tests und kostenlose FFP2-Masken für Lehrer.

Abends lag er auf der Intensivstation

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Lungenarzt Cihan Çelik landete auf der eigenen Intensivstation. bild: screenshot ard

Doch selbst Fachwissen, Sorgfalt und die richtige Masken schützen nicht mit absoluter Sicherheit: Der Lungenfacharzt Cihan Çelik ist im Oktober selbst an Corona erkrankt. Und zwar schwer.

Erste Symptome waren Kopfschmerzen, Halskratzen und Fieberschübe. Das habe sich "neu und anders angefühlt". Der 34-Jährige ohne Vorerkrankungen hat innerhalb von zwei Tagen schwere Symptome bekommen. Morgens konnte er zwar noch selbst zur Behandlung in sein Krankenhaus laufen, abends lag er schon auf der Intensivstation. Angst hatte er nicht. "Dafür ging es mir zu schlecht." Seine linke Lungenhälfte hatte die Arbeit komplett eingestellt. Er bekam 40-60 Liter mit Sauerstoff angereicherte Luft pro Minute durch die Nase gepustet – der letzte Schritt vor einer Intubation. Wie es ihm heute geht? "Ich horche nicht so sehr in mich hinein. Ich habe mich erstmal in die Arbeit gestürzt, es gibt ja jede Menge zu tun."

Am Tag der Sendung gab es 410 Corona-Tote in Deutschland. So viele wie zuvor noch nie. "Die Intensivstation läuft voll", berichtet Çelik vom Klinikum Darmstadt. Auch der Altersschnitt der Patienten und damit der Anteil der schwierigen Verläufe steige immer weiter. Und so sieht er den gemäßigten Lockdown, vor allem die relativ lockeren Weihnachtsregelungen, skeptisch: "Die Lockerung bereitet mir schon Sorgen."

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