Ex-Moskau-Korrespondent Udo Lielischkies spekuliert, dass spezielle Mittel nimmt.
Ex-Moskau-Korrespondent Udo Lielischkies spekuliert, dass spezielle Mittel nimmt.bild: screenshot ard

"Hart aber fair": Journalist mit verrückter These zu Putins Gesundheit

24.02.2022, 20:26

Eigentlich wollte Frank Plasberg über die steigenden Preise sprechen, doch dann machte ihm der russische Präsident einen Strich durch die Rechnung. Wladimir Putin unterschrieb ein Dekret, in dem er die beiden abtrünnigen ukrainischen Regionen Luhansk und Donezk als unabhängig anerkennt. "Wir haben die Sendung um 19.30 Uhr umgeworfen", gibt Plasberg ganz offen zu. Statt "Preisschock überall: Gerät die Inflation außer Kontrolle?" hieß es dann ziemlich spontan um 21 Uhr "Putin macht ernst: Beginnt jetzt ein Krieg um die Ukraine?" mit einem schnell zusammengestellten und ungewohnt großen Panel.

  • Norbert Röttgen, CDU, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss
  • Udo Lielischkies, ehemaliger Leiter des ARD-Studios Moskau
  • Vassili Golod, WDR-Journalist mit Familie in Russland und der Ukraine
  • Sarah Pagung, Politikwissenschaftlerin, Russland-Expertin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)
  • Christian Dürr, FDP, Fraktionsvorsitzender; Mitglied des Präsidiums
  • Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucher- Ratgebers "Finanztip"
  • Markus Preiß, Leiter ARD-Studio Brüssel
  • Ina Ruck, Leiterin ARD-Studio Moskau

Röttgen benennt Russlands große Schwäche

Norbert Röttgen sieht in Russlands Schwäche das Problem.
Norbert Röttgen sieht in Russlands Schwäche das Problem. bild: screenshot ard

Es gibt derzeit kaum eine Talkshow zum Thema Ukraine, bei der nicht Norbert Röttgen (CDU) dabei ist. Und auch für diese spontane Ausgabe hat Frank Plasberg den CDU-Politiker schnell ins Studio geholt. Das Mitglied des Auswärtigen Ausschusses findet, die Anerkennung der abtrünnigen Gebiete durch Putin sei ein "eklatanter Bruch des Völkerrechts" und "eine Kriegseinladung". Putin sei angetrieben vom "völkischen Wiedervereinigungsimpetus".

Und dieses Mal habe sein Vorgehen auch noch "eine ganz andere Dimension" als bei der ebenfalls völkerrechtswidrigen Annexion der Krim. Röttgen sieht Putins Antrieb auch in innenpolitischen Problemen. "Das Kernproblem Russlands ist seine Schwäche." Die von Oligarchen abhängige Wirtschaft sei so nicht modernisierbar und der extrem dominante Bereich fossile Energieträger irgendwann ein Auslaufmodell. "Er ist in der Sackgasse und versucht sich zu retten, indem er immer tiefer hineinläuft."

Für Röttgen steht fest: Alle Treffen mit europäischen Spitzenpolitikern waren mehr oder minder Zeitverschwendung.

"Putin will nicht verhandeln, Putin hat ganz klare Ziele. Das Programm hat er heute dargestellt."
Norbert Röttgen

Da dürfe man nicht von westlicher Seite dran herum interpretieren. Sanktionen müssten jetzt sofort kommen, "wenn sie was bewirken sollen". Alles andere würde Putin nur als Schwäche auslegen.

Fairerweise muss man dazu sagen, dass Röttgen zum Beispiel Olaf Scholz' (SPD) Besuch bei Putin sehr gelobt hat. Er hat da, wie wahrscheinlich alle, nun eine steile Lernkurve hingelegt.

Journalist mit Theorie zu Putins Gesundheit

Udo Lielischkies, ehemaliger Leiter des ARD-Studios Moskau, vermutet kein schwaches Russland, sondern eine Schwäche bei Putin selbst als Grund: "Er wirkt nicht ganz so wie noch vor einigen Monaten." Vielleicht sei er krank, mutmaßt Lielischkies und verweist dann auf eine Spekulation von der langjährigen US-Präsidentenberaterin in Russland-Fragen, Fiona Hill. Sie äußerte in einem Interview, sie könne sich vorstellen, dass Putin Steroide als Entzündungshemmer nimmt. Die langjährige Putin-Beobachterin machte ebenfalls Veränderungen beim russischen Präsidenten aus. Steroide sind bekannt dafür, Aggressivität, Selbstüberschätzung und sogar psychotische Züge hervorzurufen. Fest steht für Lielischkies jedenfalls: Tagespolitik langweilt Putin, er würde sich den "großen Visionen" widmen.

"Er ist zum Hobbyhistoriker geworden."
Udo Lielischkies

Und als solcher sieht er die Ukraine als enorm wichtigen Teil Russlands. Der Herrschaftsverband "Kiewer Rus" gilt nach russischer Sicht als Vorläufer des Moskauer Staates und des Russischen Reiches und das will Putin nun heimholen. "Putin ist wie eine Python", findet Lielischkies: Er setze mehrfach zum Würgen an, lasse dann mal wieder los, um am Ende dann noch fester zuzudrücken. "Wir sind in der Anfangsphase eines neuen kalten Krieges", glaubt der TV-Journalist.

So klar sieht das bei der EU allerdings noch niemand, lässt Markus Preiß, Leiter des ARD-Studio Brüssel, durchblicken. In Brüssel herrsche "hektische Ratlosigkeit". Auch mit eventuellen Sanktionen tue man sich schwer und diskutiere gerade, wie sie der EU möglichst wenig wehtun.

Ina Ruck war live aus dem ARD-Studio Moskau zugeschaltet.
Ina Ruck war live aus dem ARD-Studio Moskau zugeschaltet.bild: screenshot ard

Ina Ruck, Leiterin des ARD-Studios in Moskau, findet, dass Putin "sehr wirklichkeitsfremd auf die Ukraine schaut", er sei wohl "sehr lange nicht mehr da gewesen". "Da ist nicht mehr viel vom Brudervolk. Er weiß nicht, was sie über ihn denken." Ihre Vermutung: "Er hat in den Corona-Jahren viel Zeit gehabt, um geschichtliche Bücher zu lesen und er hat sich viel mit seiner eigenen Weltsicht beschäftigt." Sie hält es sogar nicht für komplett abwegig, dass er von der Renaissance eines Sowjetimperiums träumt. "Ich fürchte, dass es richtig, richtig schlimm werden kann. Auf Frieden stehen die Zeichen gerade nicht."

Und selbst wenn sie das irgendwann wieder tun sollten, für FDP-Fraktionsvorsitzender Christian Dürr steht fest. "Wir müssen unabhängiger werden von Russland." Seine Ideen: Amerikanisches Flüssiggas und synthetische Kraftstoffe für Deutschland, für Europa.

Dürr war eigentlich fürs Preissteigerungthema eingeladen, genau wie Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucher- Ratgebers "Finanztip". Wo er schonmal da ist, darf er auch kurz was sagen: Er fürchtet massive Anstiege der Gaskosten und mahnt eine staatliche Unterstützung aller Bundesbürger an, nicht nur der akut bedürftigen Haushalte.

Heizkosten lassen Vassili Golod kalt. Der WDR-Journalist mit Familie sowohl in Russland als auch der Ukraine war bereits in der vergangenen Woche zum Ukraine-Thema bei Plasberg zu Gast. "Dieser Tag heute ist ein Angriff auf die Demokratie", findet Golod. Und er wirkt deutlich betroffener als noch vor einer Woche.

Russland-Expertin hat "Angst vor einem heißen Krieg"

Sarah Pagung sieht "Großmachtanspruch" bei Putin.
Sarah Pagung sieht "Großmachtanspruch" bei Putin.bild: screenshot ard

Russland-Expertin Sarah Pagung kann da auch nur wenig beruhigen. Sie attestiert Putin "diesen Großmachtanspruch, über andere Länder bestimmen zu können". Und obwohl sie in der Runde diejenige ist, die am genauesten abwägt und vorschnelle Schlüsse vermeidet, gesteht sie auf Plasbergs Schlussfrage: "Ich habe Angst vor einem heißen Krieg."

Das scheint dann sogar den routinierten Moderator etwas aus dem Tritt zu bringen. Er verabschiedet sich mit der rästselhaften Ansage: "Alles Gute, bis nächste Woche oder übernächste."

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