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Bei der RTL-Reportage "Einsatz für Henning Baum - Hinter den Kulissen der Polizei" lernt Henning Baum (links) den Alltag eines Polizeibeamten kennen. bild: TVNOW / Ann Malo

Henning Baums emotionale Polizei-Reportage: "Meinen Respekt haben sie"

JUlian weinberger

Vom Filmpolizisten in den harten Alltag der realen Polizei: Henning Baum erlebte in einer Reportage hautnah mit, wie die Arbeit deutscher Gesetzeshüter aussieht. Besonders bewegend waren die Schilderungen eines Leipziger Gruppenführers und seiner schwangeren Frau.

"Die Polizei, dein Freund und Helfer" – wirklich? In den letzten Monaten hat das Verhältnis zwischen Bürgern und Polizisten gelitten – nicht nur wegen Szenen wie auf der Anti-Corona-Demo in Leipzig am 7. November 2020, wo Polizisten mit wütenden Demonstranten konfrontiert waren. Miterlebt hat den Protestzug Schauspieler Henning Baum, der im vergangenen Jahr über den Zeitraum von fünf Monaten regelmäßig die Leipziger Polizei begleitete. Das Ergebnis gab es am Donnerstagabend in der RTL-Reportage "Einsatz für Henning Baum – Hinter den Kulissen der Polizei" zu sehen.

Emotionale Einblicke

Baum absolvierte nicht nur erfolgreich den körperlichen Eignungstest, sondern war auch gemeinsam mit Polizeitauchern auf Unterwassermission unterwegs, nahm an einem Schießtraining teil und begleitete Polizeischüler bei deren Ausbildung. In Erinnerung bleiben von der eineinhalbstündigen Dokumentation aber vor allem die ganz persönlichen und emotionalen Berichte von Polizisten, die im Einsatz immer häufiger den Zorn der Bürger abbekommen.

"Ich finde es erschreckend, dass nur, weil ich eine Uniform anhabe und meine Arbeit mache, ich zur Zielscheibe werde", sagt Bereitschaftspolizist Philipp, Truppenführer einer Polizeieinheit bei besagter Anti-Corona-Demonstration in Leipzig. Er berichtet von mutwillig gelockerten Radmuttern an Polizeiwagen und vom vergangenen Neujahr, das der Polizist nach einem Knalltrauma infolge von Ausschreitungen am Connewitzer Kreuz in der Notaufnahme verbrachte. "Es war schon heftig, wie sie da auf uns zugerannt kamen und auf einmal mit Steinen und Flaschen geworfen haben, aus drei, vier Metern Entfernung", erinnert sich der Beamte.

Einsatz auf der Leipziger Anti-Corona-Demo

Auch seine schwangere Ehefrau Steffi gibt Einblick in ihr Seelenleben. "Ich vertraue auf die Gemeinschaft der Polizisten. Wenn ich mir was wünschen könnte, wäre es ein anderer Job für ihn", räumt sie emotional ein. Trotz allem: Philipp ist mit Leidenschaft für die Polizei im Dienst, so auch am 7. November 2020 in Leipzig.

Schon abends zuvor war Philipp im Einsatz gewesen und hatte sich auf einer Demonstration mit "massivem Steinwurf" konfrontiert gesehen. "Das ist ein scheiß Gefühl, weil du nicht weißt, wo der Stein gleich einschlägt", gesteht er. Auch die Anti-Corona-Demo forderte ihren Tribut: Am Ende standen 31 verletzte Polizisten, 102 Straftaten und 140 Coronaverstöße in der Bilanz – und massive Kritik an der Deeskalationsstrategie der Polizei, sowohl medial als auch aus der Politik.

Für Henning Baum ist diese heftige Reaktion unverständlich, wie er in der Dokumentation schildert: "Das war ein interessanter Vorgang. Sie [die Polizisten, d. Red.] haben immer wieder gerufen: 'Keine Gewalt.' Die haben das aber als Formation so artikuliert, dass es eine sehr gewaltige Attitüde hatte. Die Stimmung war aufgeladen, aber die Polizei hat keine Eskalation betrieben." Nach Ermessen des Schauspielers habe die Polizei besonnen gehandelt.

"Es fühlte sich wie ein großes Loch an"

Generell funktioniert die RTL-Reportage über weite Strecken als Plädoyer für den Wert der Arbeit, die Polizisten leisten. Die Sendung verdeutlicht, dass die Beamten oft zwischen den Stühlen sitzen: Entweder sie bekommen Kritik wegen zu laschen oder wegen zu strikten Verhaltens. "Vermutlich sind auch sie nicht ganz perfekt, aber wer ist das schon. Meinen Respekt jedenfalls haben sie", resümiert Henning Baum am Ende der Reportage.

Dennoch ist es keine einseitige Lobeshymne, die auf die Polizei angestimmt wird. Psychologische Unterstützung für Polizisten etwa wurde jahrelang stiefmütterlich behandelt, wie der Fall des Berliner Beamten Jürgen Röhr offenbart. Nach einer Schusswunde, die er bei einem Einsatz vor 17 Jahren in Kreuzberg erlitten hatte, rang er eine Nacht lang um sein Leben. Seither folgten mehr als 20 OPs, eine Rückkehr in den Dienst war nicht möglich.

"Es fühlte sich wie ein großes Loch an. Ich war damals Mitte 40, als man mich aus dem Dienst entlassen hat. Es bricht ein ganzes soziales Umfeld weg", sagt Röhr. Eine Möglichkeit, diese traumatische Erfahrung aufzuarbeiten, hatte er allerdings lange erfolglos gesucht. "Ich hatte immer diesen Drang: 'Ich möchte gerne mit jemandem über diesen Vorfall reden'. Aber ich habe niemanden gefunden", erinnert er sich. Erst später fand der Berliner Polizist in einer Selbsthilfegruppe in Bayern Unterstützung. Seit 2007 gibt er selbst Seminare und ist als Notfallseelsorger für Polizisten in ganz Deutschland im Einsatz.

"Da muss eine Menge passieren in Deutschland"

Auch einen anderen Aspekt greift die Reportage auf: willkürliche Polizeigewalt. "Polizeibeamte haben im Gerichtsverfahren gegen mich mehrfach gelogen, um eine Verurteilung zu erzwingen", berichtet der Blaulichtreporter Julian Stähle, der beim Filmen eines Polizeieinsatzes von einem Beamten attackiert wurde. Angeklagt worden war jedoch nicht der Polizist, sondern Stähle – wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Erst ein entlastendes Video hatte ihn schließlich vor einer möglichen Verurteilung bewahrt.

"Der Zustand, wie er jetzt gerade ist – das geht nicht. Wenn man Leute, die Opfer von Polizeigewalt geworden sind, zur Polizei hinschickt – also zu der Gruppe von mutmaßlichen Tätern – das ist ein absolutes No-Go", kritisiert Oliver von Dobrowolski, Polizeibeamter und Politiker im Film. Unabhängige Beschwerdestellen bei mutmaßlicher Polizeigewalt gebe es schlichtweg nicht. "Da muss eine Menge passieren in Deutschland", sagt er.

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