Hendrick Streeck D

Virologe Hendrik Streeck hat durch die Corona-Pandemie eine große öffentliche Aufmerksamkeit. Bild: imago images / Ralph Sondermann

"Nichts mehr so wie früher" – Virologe Streeck verrät, wie Corona sein Leben verändert hat

Die Corona-Pandemie hat das Leben aller Menschen verändert. Der Alltag wurde praktisch über Nacht lahmgelegt. Andere Themen sind plötzlich wichtig, andere Personen stehen im Fokus der Öffentlichkeit. Zu diesen Personen gehört auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck. Der gefragte Experte leitete unter anderem die Heinsberg-Studie und ist seit Pandemiebeginn gern gesehener Gast in diversen Talk-Sendungen.

Im Interview mit "ntv.de" verrät Streeck nun, wie Corona sein Leben verändert hat.

"Es ist nichts mehr so, wie es vorher war. Ich habe wenig bis keine Freizeit mehr. Man schafft es gar nicht mehr, die ganzen E-Mails und Anfragen zu bearbeiten", erzählt er. Zu Beginn habe er noch geglaubt, er sei imstande, noch mehr zu schaffen. Dieses Gefühl habe er mittlerweile nicht mehr.

Doch auch sein tägliches Leben sei nicht mehr dasselbe. Er habe fast keine Freizeit mehr und schlafe weniger, als vor der Pandemie: "Mehr als vier bis fünf Stunden Schlaf sind es im Moment nicht." Streeck berichtet außerdem:

"Ich werde auf der Straße erkannt, wenn wir essen gehen. Ich bekomme viele Zurufe. Viele wollen auch einfach mit mir reden, weil sie bestimmte Fragen haben. Aber wir haben eben auch Polizei vor der Tür, weil ich Morddrohungen bekommen habe."

Viel Hass in sozialen Netzwerken und der Öffentlichkeit

Auch in sozialen Medien wird Streeck immer wieder beschimpft. Eine zusätzliche Belastung, die das Leben des Virologen nicht gerade erleichtert. "Man merkt einfach, dass es oft nur darum geht, Stimmung zu machen und nicht darum, kontrovers zu diskutieren und zu helfen", kritisiert er.

Spurenlos zieht der Druck der Öffentlichkeit nicht an Virologe Streeck vorbei. Schon mehrmals sei er an den Punkt gekommen, wo er einen Schlussstrich habe ziehen wollen. Paul nimmt mir unheimlich viel ab. "Vor allem nach Heinsberg habe ich überlegt, ob ich das so weitermachen will. Vor allem, wenn man versucht hat, etwas beizutragen und zu helfen und dann so angegangen wird - das ist etwas, was ich nicht verstanden habe", verrät der gebürtige Göttinger. Heute sei er aber froh darüber, an diesen Punkten nicht aufgehört zu haben.

Er ist der Ansicht: "Wenn man bewirkt, dass man sich differenziert und qualifiziert äußert und das einen Shitstorm generiert, dann nehme ich das in Kauf. Ich bin der Meinung, dass eine differenzierte Meinung wichtig ist in der Pandemie."

Unterstützung bekommt er laut eigener Aussage von seinen Eltern, Hundewelpe Sam und seinem Ehemann: "Paul nimmt mir unheimlich viel ab. Er kümmert sich nicht nur um den Hund, sondern auch um unsere Sozialkontakte, für die ich im Moment wirklich keine Zeit mehr habe."

(vdv)

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