Frederick Lau und Michael Nast sprechen im Doppel-Interview über die Herausforderung, die große Liebe zu finden.
Frederick Lau und Michael Nast sprechen im Doppel-Interview über die Herausforderung, die große Liebe zu finden.
Bild: Instagram/ Michael Nast
Exklusiv

"Man spürt ja auch, wenn man die richtige Frau gefunden hat": Frederick Lau und Michael Nast über "Generation Beziehungsunfähig"

29.07.2021, 17:0915.08.2021, 11:14

Als Michael Nast 2016 sein Sachbuch "Generation Beziehungsunfähig" veröffentlichte, ahnte er wohl noch nicht, dass es über 46 Wochen in der "Spiegel"-Bestsellerliste zu finden sein wird und sich sogar für elf Wochen die Spitzenposition sichert. Aus der Unfähigkeit, sich fest binden zu können, ist jetzt auch der gleichnamige Kinofilm entstanden, der am 29. Juli startet. Michaels Werk diente dabei natürlich als Inspirationsquelle. Frederick Lau übernimmt in der Liebeskomödie die Hauptrolle der Figur Tim.

Im Interview mit watson sprechen Frederick und Michael darüber, warum viele eben nicht auf der Suche nach der Liebe sind, sondern vielmehr die Unverbindlichkeit bevorzugen, erklären, was sie über Dating-Apps denken und vergleichen ihre Auffassung von einer Beziehung.

watson: Michael, du hattest mit deinem 2016 erschienenen Buch einen Wahnsinnserfolg. Es war allein elf Wochen auf Platz eins der "Spiegel"-Bestsellerliste. Hat sich in fünf Jahren in Sachen Dating etwas geändert? Da war Instagram noch nicht so ein großes Thema wie heute.

Michael Nast: Es ist schlimmer, komplizierter nicht. Inzwischen ist es mit der unerfüllten Liebe zu einem Lifestyle geworden. Das grundsätzliche Problem ist, dass sich Leute keinen Partner suchen, mit dem sie eine tiefgehende Beziehung aufbauen wollen, sondern sie suchen den perfekten Partner. Bei den Dating-Apps oder Instagram sehen sie dann immer irgendwelche Fotos, die nie aufhören. Darum bleibt man in so einer Unverbindlichkeit. Das Problem ist, Liebe ist eine Entscheidung und die Leute entscheiden sich nicht. Viele Singles denken nur an sich und wollen warten, bis es funkt.

Frederick Lau: Ich glaube auch, dass man dadurch natürlich immer eine Reizüberflutung hat.

"Ich denke, dass es etwas mit trauen zu tun hat, was nur die wenigsten machen."

Wie meinst du das?

Frederick: Ganz nach dem Motto: Hier und da kann man sich noch was offenhalten. Das ist dann ein ewiger Zyklus und dann hast du quasi den Zug verpasst. Ich denke, dass es etwas mit trauen zu tun hat, was nur die wenigsten machen. Wenn man in diesem Zyklus drin ist, wird es schwer, zu sagen, ich entscheide mich für eine bestimmte Person und traue mich, mehr zu geben als nur diese Oberflächlichkeit.

Michael: Das ist auch ein Selbstbetrug. Ich dachte auch jahrelang, ich bin ein großer Romantiker, ich suche die perfekte Traumfrau.

Frederick: Das wusste ich schon vorher, dass es bei dir nicht so ist. (lacht)

Michael: Letztendlich war es am Ende so, dass ich mir das nicht eingestanden habe. Ich dachte, ich suche eine Langzeitbeziehung, es ging mir aber nur darum, mit der Frau Sex zu haben. Dann war das Interesse nach zwei, drei Mal weg. Da sollte man auch mal aufwachen. Das Schlimme ist, ich dachte die ganze Zeit, ich suche die große Liebe, aber sie war es noch nicht. Wenn du nach einer perfekten Person suchst, dann bist du ja nie schuld, es sind immer die anderen. Dann muss man sich selbst nicht ändern. Ich habe damit dieses Label geschaffen und jetzt konnten alle sagen, super, sind ja alle so.

Trotz dessen gibt es gerade einen Gegentrend, die sogenannten Schönheitsideale werden diskutiert. Überträgt sich das auch auf die wirkliche Datingwelt?

Michael: Das weiß ich nicht. Man ist selten der, für den man sich hält. Ich habe fünf Jahre gebraucht, um mir erstmal im Klaren darüber zu sein. Es ist vielleicht auch ein Reifungsprozess und eine Altersfrage. Und vor allem ist es Arbeit.

Frederick: Ich glaube auch, dass es Arbeit ist. Das Wichtige ist auch, dass, was Micha auch schon meinte, dass man nicht die ganze Zeit auf sich selbst guckt, sondern auch gerade, wenn man Liebe gibt, diese auch zurückbekommt. Man ist da teilweise zu sehr ich-fixiert, zu sehr Egomane. Wenn man die Erkenntnis hat, merkt man vielleicht auch, wie wunderschön es ist, zu geben. Du kriegst genau das wieder, was du in den Wald schreist.

Michael: Von der Harvard Universität war das erfolgreichste Seminar über Glück. Da gab es einen Punkt und der hieß "Geben". Das erfüllt einen an sich schon. Wir leben in einer komischen Neidgesellschaft, wo wir verlernt haben, uns auch für andere freuen zu können. Wenn man das noch kann, dann ist man sehr glücklich.

Frederick: Ich bin glücklich. (lacht)

"Ich denke, umso älter du wirst, umso schwieriger wird es, ganz neu in etwas reinzugehen und sich für den Menschen zu interessieren."

Im Film "Generation Beziehungsunfähig" geht es darum, sich nicht fest binden zu wollen, womöglich auch deswegen, um nicht enttäuscht zu werden. Die Dating-Apps werden da zu wichtigen Werkzeugen. Wie froh bist du, Frederick, dass du dich nicht wie viele aus deiner Generation durch Tinder durchwischst, um von einem Date zum nächsten zu springen?

Frederick: Ich bin total glücklich, dass ich den richtigen Weg gefunden habe. Ich sehe das aber natürlich auch bei Freunden. Im Grunde genommen ist es immer eine einzige Suche. Ich glaube ganz fest daran, dass man von jedem Partner eine Schädigung mehr bekommt. Das heißt, man setzt sich mit den Verletzungen weiter auseinander, hinterfragt sie. Man muss aber ganz neu in eine Beziehung reingehen und die ganzen Zweifel und Päckchen, die man schon mitträgt, ablegen, was nicht so einfach ist. Ich denke, umso älter du wirst, umso schwieriger wird es, ganz neu in etwas reinzugehen und sich für den Menschen zu interessieren. Das passiert aus Selbstschutz und natürlich aus Ängsten heraus, die du schulterst.

Michael: Nach einer Trennung folgt eine Verletzung. Dann fängst du an, Strategien oder Listen zu entwickeln, wie eine Traumfrau ist. Man will nicht verletzt werden, hat Bindungsangst und kommt nicht weiter. Im ersten Teil des Buchs ist auch dieser Tinder-Text. Da sagt ein Typ, ich habe noch zwei Tinder-Dates, das eine ist zwei Stunden später, falls das erste nichts ist. Ich dachte mir damals, Alter, das kann doch wohl nicht wahr sein. Das war bei dir, Freddy, bei der Einweihungsparty, da hat das ein Kumpel gesagt.

Darum geht es in "Generation Beziehungsunfähig"

Kinostart: 29. Juli 2021
Wie viele andere Singles seines Alters hat Tim (Frederick Lau) Schwierigkeiten, sich fest zu binden. Als Grund führt er an, dass er wohl beziehungsunfähig sei und aufgrund dessen Dates anstatt das wirkliche Kennenlernen bevorzugt. Als er auf Ghost (Luise Heyer) trifft, wird ihm sein eigenes Verhalten schlagartig vor Augen geführt, denn sie hat so gar keine Lust auf romantische Annäherungsversuche.
"Das Geile ist, wir haben damals schon immer rumgeflachst, wie es wäre, wenn er die Rolle übernimmt."

In dem Film heißt es: "Die Sache mit der Liebe ist erbärmlich, jeder sucht sie, aber kaum einer findet sie." Würdest du das noch so unterschreiben, Michael?

Michael: Die Leute suchen ja nicht nach Liebe, das ist das Problem. Sie suchen nach dem Rausch der Verliebtheit, sehen das als Liebe, weil das in den Geschichten so erzählt wird, aber es sind eben Verliebtheitsphasen. Wir haben uns da sehr verrannt. So war ich auch jahrelang. Ich will das Gefühl haben, ich will den perfekten Partner, der das auslöst und wenn diese Verliebtheit nach einer bestimmten Zeit nachlässt, dann ist der Wurm drin und man denkt sich, das muss am Partner liegen und nicht an einem selbst.

Michael, Frederick spielt in dem Film die Rolle des Tims und wird wohl zu deinem Leben viele Parallelen aufweisen. Wie ist das für dich?

Michael: Ich finde es toll, dass die Geschichte aus meinem Fundament stammt. Besonders in den ersten zehn Minuten des Films sehe ich mich wieder. Ich weiß nicht, ob das Zufälle sind, weil die Geschichte eigenständig ist. Das Geile ist, wir haben damals schon immer rumgeflachst, wie es wäre, wenn er die Rolle übernimmt. Du hast in einem Interview auch mal gesagt, wenn ich Michael mal spiele, dann habe ich ja ein paar Jahre Zeit, um das zu recherchieren. Und so ist es auch gekommen.

Hier ist Frederick Lau in seiner Rolle als Tim zu sehen.
Hier ist Frederick Lau in seiner Rolle als Tim zu sehen.
Bild: 2021 Warner Bros. Ent.

Frederick: Die Rolle ist schon noch mal ganz anders, als Michael ist. Aber trotzdem finde ich es total schön, dass wir jetzt auch hier als Kumpels und Freunde zusammensitzen und das auf die Bühne bringen. Wer hätte das gedacht?

Frederick, du bist Familienvater, bist seit 2013 mit Annika zusammen, 2015 habt ihr geheiratet. Eigentlich bist du das komplette Gegenteil von Tim. Wie viel von dir steckt in deiner Rolle, gibt es Gemeinsamkeiten?

Frederick: Ich war früher auch viel nachts unterwegs, da kenne ich mich schon aus. Ich bin aber kein Typ für Dating-Apps, ich habe noch nie getindert oder sowas. Ich habe das viel bei meinen Freunden gesehen, wenn sie die ganze Zeit Nachrichten bekommen haben. Ich finde das auch immer interessant und gucke mir das an. Im Grunde sind solche Apps auch völlig legitim, ich bin mir aber darüber im Klaren, dass es eigentlich nicht die Antwort ist. Es zeigt eine beliebige Austauschbarkeit. Man weiß nicht mehr, wie es eigentlich wirklich geht.

Michael: Letztendlich ist der Selbstschutz so, dass man einfach mal 100 Frauen answipet, um nicht verletzt zu werden. Dann kriege ich Zurückweisungen gar nicht so mit. Man will nicht verletzt werden, aber man verrennt sich dann in das Falsche.

"Ich mache das dann und bin in verschiedenen Hinsichten ziemlich angstfrei, um ehrlich zu sein."

Bei "Generation Beziehungsunfähig" geht es um die Phase des Verliebtseins, die sehr schnelllebig sein kann. Der Aspekt einer aufrichtigen Liebe, die eben nicht so schnelllebig ist, wird weniger behandelt.

Michael: Auch, wenn das eine Sommerliebesgeschichte ist, ist es letztendlich so, dass sich diese Frau ihm entzieht und dann um die Aufmerksamkeit gekämpft wird. Ich bin jemand, der auch immer diesen Kampf braucht. Dann kommen sie zusammen und danach geht erst die Arbeit los. Geschichten mit Happy End sind unvollendete Geschichten. Heutzutage kann eine Beziehung ja auch nur ein halbes Jahr oder vier Monate gehen.

Bei dieser Szene lernen sich Tim (Frederick Lau) und Ghost (Luise Heyer) kennen.
Bei dieser Szene lernen sich Tim (Frederick Lau) und Ghost (Luise Heyer) kennen.
Bild: 2021 Warner Bros. Ent.

Frederick: Es ist, glaube ich, nachgewiesen, dass das, was du für den anderen empfindest, am Anfang bei 100 Prozent liegt. Deswegen heißt es auch das verflixte siebte Jahr. Nach sieben Jahren bist du quasi auf dem Nullpunkt. Daher bin ich überzeugt davon, dass es ganz wichtig ist, Neues zusammen zu entdecken, Abenteuer zu erleben, um eine Verbindung aufrechtzuerhalten.

Michael: Gemeinsame Erlebnisse schaffen. Das ist immer wichtig, in jeder Beziehung.

Frederick: Ja, genau.

Frederick, du bist mit 24 Jahren erstmals Vater geworden und hast deine große Liebe in Annika gefunden. Die meisten in diesem Alter denken noch nicht daran, eine eigene Familie zu gründen. Warst du zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Frederick: Ja, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, kann man so sagen. (lacht) Es ist so passiert, wir wollten eigentlich erst ein halbes oder ein Jahr später anfangen. Man spürt ja auch, wenn man die richtige Frau gefunden hat. Ich bin immer ganz gut darin, große Entscheidungen zu treffen. Ich mache das dann und bin in verschiedenen Hinsichten ziemlich angstfrei, um ehrlich zu sein.

Michael: Da bin ich in vielen Sachen genau der Gegenpol. Jedoch kann ich Entscheidungen immer ganz gut treffen, wenn ich sehe, dass es Menschen gibt, die mir seelisch nicht guttun. Das bezieht sich nicht nur auf Frauen. Da kann ich schnell mal sagen, das war es für mich. Das sind aber letztendlich Fluchten. Bei Entscheidungen habe ich auch ziemlich viel Angst vor Veränderungen.

Frederick: Die Angst vor dem Ungewissen.

Michael: Ich war lange davon überzeugt, dass ich nur Vater bei einem Unfall werden kann. Ich hatte das vor ein paar Jahren, da meinte eine zu mir, sie kann sich gerade nicht treffen, weil sie jetzt im dritten oder fünften Monat schwanger ist. Ich habe dann zurückgerechnet und mich damit auseinandergesetzt. Also mit ihr zusammenkommen würde ich nicht, aber ich würde mich dann natürlich um das Kind kümmern. Ich war dann aber doch nicht der Vater.

Frederick, deine Frau Annika ist wieder beim "Frühstücksfernsehen" zu sehen und muss bereits um 20 Uhr schlafen gehen, weil mitten in der Nacht der Wecker wieder klingelt. Wenn sie arbeitet, kümmerst du dich um eure drei Kinder. Wie gestaltet sich das derzeit?

Frederick: Ich bin heute Morgen aus Berlin nach München geflogen. Der Wecker hat um 2.30 Uhr geklingelt, obwohl es nicht nötig gewesen wäre. Ich dachte, es wäre meiner, habe mich fertig gemacht und dann habe ich erst begriffen, dass es ihr Wecker war. Sie steht nämlich um 2.30 Uhr auf. Den hat sie vergessen auszustellen. Ich habe gerade frei, wir machen viel Quatsch zusammen. Meine Tochter hat schon Ferien. Ich bin über die Situation ganz glücklich und Annika kommt auch schon wieder mittags nach Hause.

"Ich glaube, sie freut sich schon, wenn ich mir hier und da was einfallen lasse."

In dem Film gibt es mit dir auch die eine oder andere pikante Szene mit der Schauspielerin Luise Heyer zu sehen. Fallen dir solche Szenen schwer? Macht dann deine Frau die Augen zu oder ist sie da entspannt, wenn du in solchen Szenen zu sehen bist?

Frederick: Das gehört zum Job dazu. Wir haben schon einige Sex-Szenen in dem Film. Wir haben quasi einen Sex-Tag gemacht, wo einfach alle Sex-Szenen zusammengewürfelt sind. (lacht) Meine Frau weiß ja, dass ich sie liebe, die kennt das, sie ist quasi damit aufgewachsen. (lacht) Das ist auch alles total technisch und nicht anders, als ein Gespräch oder einen Dialog zu drehen.

Wenn man in einer langjährigen Partnerschaft ist, kann der Alltag einen schnell einholen. Was war das letzte, was du gemacht hast, um deine Partnerin zu überraschen?

Frederick: Es gibt viele Kleinigkeiten. Es ist schlau, wenn du von Anfang an die Latte nicht so hoch hängst. Zum Beispiel freut sie sich schon darüber, wenn ich das Bett mache. (lacht) Es ist aber schon so, dass ich ihr immer etwas Kleines mitbringe. Ich überrasche sie schon immer ganz gerne. Das gehört auch dazu. Ich glaube, sie freut sich schon, wenn ich mir hier und da was einfallen lasse. Das meine ich mit Sachen verschönern oder ich sage, komm, lass uns das machen. Damit überrasche ich sie.

Oder sich einfach mal Zeit zu zweit nehmen, um dem Alltag zu entfliehen.

Frederick: Wir nehmen uns eigentlich jeden Abend Zeit füreinander, auch wenn sie meistens dann einschläft. (lacht) Uns ist es auch total wichtig, zusammen zu sein, weil sonst lebt man aneinander vorbei. Darauf haben wir keine Lust.

Michael: Das Coole ist, wenn wir gerade bei Annika sind, wir sind ja am Release-Day des Films zusammen beim "Frühstücksfernsehen" und Annika interviewt uns.

Frederick: Das wird lustig, ich bin gespannt, wie das wird. Da brauchen wir keinen Abstand halten, weil wir ein Haushalt sind.

"Für Leute, die von vielen Menschen umgeben sein müssen, muss es ganz schlimm gewesen sein."

Apropos Corona: Im Februar 2020 begannen die Dreharbeiten zum Film, kurz danach kam der erste Lockdown. Wie seid ihr durch die Pandemie gekommen?

Frederick: Wir mussten den Film unterbrechen und warten, was passiert. Ein halbes Jahr später haben wir die Dreharbeiten unter Einschränkungen wie Maskenpflicht wieder aufgenommen. Das ist natürlich komisch, wenn man am Set steht und die Menschen nicht richtig sieht. Das war ein Problem. Privat war ich viel zu Hause, was natürlich auch schön ist. So konnte ich den ganzen Tag mit meinen Kids verbringen. Mit der Arbeit wurde es dann ein bisschen weniger.

Michael: Mit der Produktion des Films hatte ich gar nichts zu tun. Das fand ich auch als Experiment interessant. Ich habe mich extra zurückgezogen. Aus dem Fundament meines Buches wurde eine Geschichte entwickelt. Ich wollte mit Freddy nicht darüber sprechen, weil man dann schon anfängt, zu sagen, das musst du so und so machen. Privat hat Corona meine Lebensqualität verbessert.

Frederick: Echt, ja?

Michael: Es hatte den Vorteil, dass ich den zweiten Teil des Buches geschrieben habe. Ohne dieses Buch, ohne das Wissen daraus, wäre ich mit meiner Freundin gar nicht zusammengekommen – auch, wenn ich jetzt wieder Single bin. Dadurch, dass ich natürlich auch zu Hause war, habe ich Distanz zu meinem Leben bekommen, was ich bis dahin geführt habe. Ich bin jemand, der gut allein sein kann. Für Leute, die von vielen Menschen umgeben sein müssen, muss es ganz schlimm gewesen sein.

Viele Künstler haben Alarm geschlagen und mussten um Aufträge bangen. Gab es einen Punkt, wo ihr Existenzängste hattet?

Frederick: Nein, also von Existenzängsten wurde ich verschont. Unter Vorkehrungen wurde trotzdem weitergedreht. Das ist aber natürlich etwas ganz anderes. Wir freuen uns alle, wenn wir wieder vernünftig drehen können. Wir wurden ständig getestet und mussten die Abstände einhalten. Man hat die Nähe zu anderen Menschen vermisst, gerade, wenn man ein körperlicher Mensch ist. Da gibt es derzeit eine große Hemmnis. Micha ist da nicht so kontaktfreudig was das Anfassen betrifft, das bringe ich ihm noch bei. (lacht)

Hast du Schlüsse aus der Pandemie für dein eigenes Leben gezogen?

Frederick: Das Gute ist, ich glaube, was Micha auch schon angedeutet hat, dass man sich noch mal anders reflektieren konnte, weil man die Zeit dafür hatte. Ich konnte sehen, wohin es mich verschlägt, was meine Pläne und Ziele sind, die ich verfolgen kann. Dadurch kann ich mich jetzt noch mal für etwas Neues öffnen. Musiker beispielsweise können endlich wieder an ihren Alben arbeiten. Wenn es durch die Pandemie eine negative Grundstimmung oder eine Verletzlichkeit gibt, können daraus die besten Sachen entstehen.

"Ich bin nämlich genau das Gegenteil von Michael, also nicht der Typ, der gut allein sein kann."

Jeder verbringt während Corona mehr Zeit zu Hause. Hat sich dadurch die Beziehung zu eurem Partner und zu eurem Familien- und Freundeskreis verändert?

Frederick: Wenn man so viel Zeit zu Hause verbringt, fällt einem natürlich viel mehr auf. Man sieht alles klarer, möchte sich noch mal verschönern, hier und da was ändern, um sich letztlich seinen Happy-Place zu schaffen. Ich bin ein Mensch, der immer viel unterwegs war, viel draußen gewesen ist. Mir hat es auch gutgetan, nicht die ganze Zeit immer raus zu müssen.

So konnte man sich auch intensiv um sich selbst kümmern.

Frederick: Man hat sich auf sich selbst besonnen oder auf das konzentriert, was da war. Ich bin auch ruhiger und mit mir selbst zufriedener geworden. Ich bin nämlich genau das Gegenteil von Michael, also nicht der Typ, der gut allein sein kann. Insofern lernt man immer dazu. Ich glaube, man muss das alles immer als Prüfung nehmen und probieren, sich zu verbessern.

Michael: Ich kann meine Wohnung nicht mehr wiedererkennen. Ich habe noch das Bett, aber sonst ist alles anders. Zum Thema Beziehungen zu anderen Menschen: Ich hatte einen riesigen Bekanntenkreis. Das hat sich so dermaßen reduziert. Ich habe jetzt noch drei, vier Leute, die davon übriggeblieben sind. Wenn wir uns nicht sehen, facetimen wir jeden Tag mindestens eine Stunde miteinander.

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