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Baywatch Berlin mit Klaas

Klaas Heufer-Umlauf war das erste Mal mit seinem Podcast im TV zu sehen. Bild: Screenshot ProSieben

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ProSieben holt Klaas' Podcast "Baywatch Berlin" ins TV – warum das kein großer Gewinn ist

In Zeiten von Corona ist alles anders – auch bei den Fernsehsendern. Denn Shows mit vielen Gästen oder gar Publikum sind momentan nicht möglich. Also müssen die Sender umdenken und kommen plötzlich mit so vielen neuen Formaten und Ideen um die Ecke, wie selten zuvor. Not macht eben erfinderisch.

RTL reagierte besonders schnell auf die Krise und wagte ein Experiment: Täglich um 20.15 Uhr sollten Oliver Pocher, Günther Jauch und Thomas Gottschalk via Skype aus ihren heimischen Wohnzimmern miteinander plaudern. Immer wieder wurden verschiedene Gäste dazugeschaltet. Während die erste Folge noch über vier Millionen Zuschauer anzog, waren es drei Tage später nur noch knapp über eine Million. RTL zog die Reißleine und nahm die "Quarantäne-WG" wieder aus dem Programm.

Zuschauer von neuen TV-Formate wohl nicht überzeugt

Auch Vox zeigte sich innovativ und sendete mit Mark Forster "Live aus der Forster Straße". Die Zuschauer honorierten den Erfindergeist nicht. Nur 540.000 Zuschauer verfolgten die Sendung zur Primetime im TV. Damit konnte Vox wohl kaum zufrieden sein. Dennoch hält der Sender aktuell noch an einer zweiten Ausgabe fest.

Aber nicht nur RTL und Vox wagten Neues. Auch ProSieben setzt auf Veränderungen. Täglich arbeite man an neuen Programmen, heißt es beim Sender. Neben dem täglichen Corona-Update, das immer um 19.05 Uhr live zu sehen ist, setzt ProSieben nun auf Podcasts. Ja, genau das, was man eigentlich nur anhört, soll nun zusätzlich ein Bild bekommen.

Baywatch Berlin mit Klaas

Bild: Screenshot ProSieben

Den Anfang machte am Donnerstagabend um 23.30 Uhr Klaas Heufer-Umlauf mit "Baywatch Berlin". Sein Podcast ist keine neue Erfindung, nur wurden die Tonaufnahmen nun halt ins TV übertragen. Im ersten Moment klingt das nach keiner schlechten Idee, denn Sendungen mit Klaas oder seinem TV-Kumpel Joko Winterscheidt sind eigentlich immer eine lustige Angelegenheit. In diesem Fall ist aber eben nicht Joko an seiner Seite, sondern seine Kumpels Thomas Schmitt und Jakob Lundt.

Thomas und Jakob wer? Tja, das ist es eben – die beiden kennen sich zwar mit dem Genre TV aus, weil sie für die Produktionsfirma "Florida TV" arbeiten, aber ansonsten sind sie dem Gelegenheits-Zuschauer kein Begriff. Zumindest Lundt ist in Klaas' "Late Night Berlin" zu sehen.

So war "Baywatch Berlin" mit Klaas Heufer-Umlauf im TV

Natürlich heißt das nicht, dass die Sendung nicht trotzdem gut werden kann. Aber dann muss es wenigstens inhaltlich richtig spannend werden. Das war bei der TV-Premiere von "Baywatch Berlin" aber nicht der Fall. Die drei Herren plauderten und hauten auch einige Anekdoten raus. Aber in die Tiefe ging es nicht. Immer wenn man dachte, jetzt könnte man mal etwas total Spannendes über Moderator Klaas erfahren, gab es nur oberflächliches Geplänkel.

Auch optisch machte die Sendung wenig her. Klaas und seine beiden Podcast-Kumpels saßen am runden Tisch vor Mikrofonen in gedämmtes Licht getaucht zusammen und redeten. Klaas hatte sich dafür à la Stefan Raab ein "TV Total"-Cappy aufgesetzt, Florian "Schmitti" Schmitt auf Anraten seiner Familie sogar einen Smoking angezogen. Aber die Optik ist bei einem Format, das eigentlich nur zu hören ist, auch eher zweitrangig.

Deshalb begann es inhaltlich auch eigentlich ziemlich vielversprechend – nämlich mit einem Seitenhieb auf RTLs gescheiterte "Quarantäne-WG" und Thomas Gottschalk in Unterhosen. Doch danach kamen dann nur noch Brandenburg- und Joghurt-Anekdoten. Kleine Kostprobe: Als es darum ging, was Klaas denn am ehesten hamstern würde, verwies er auf seine Joghurt-Leidenschaft:

"Wo ich richtig nervös werde, ist, wenn mir die witzigen kleinen Joghurts ausgehen."

Klaas liebt Joghurt, Quark und Schokopudding. Er kann auch mal vier Puddings auf einmal verdrücken oder einen Quark als Frühstücksersatz im Auto trinken, weil er keinen Löffel mitnehmen will. So wurde es zumindest in der Sendung berichtet. Aufregend? Nicht so richtig.

Baywatch Berlin mit Klaas

Bild: Screenshot ProSieben

Dabei hätte es durchaus Steilvorlagen gegeben. Zum Beispiel, als es um Klaas' Begegnungen mit Promis und den Umgang mit Lob ging. Da packte er über seine kuriose Begegnung mit Howard Carpendale aus. Der hatte ihm nämlich in einem Flugzeug ganz unvermittelt von hinten auf die Schulter getippt und ihm in Carpendale-Manier ein nuscheliges Lob zugeraunt.

Viel mehr als das erfuhren die Zuschauer und Zuhörer aber nicht. Schade. Was als Podcast funktioniert, weil man es sich gut nebenbei anhören kann, muss noch lange nicht TV-kompatibel sein – auch nicht in Zeiten von Corona. Dennoch waren die Fans neugierig auf Klaas' Podcast im TV. Zu der späten Stunde schalteten immerhin 370.000 Menschen ein – für die Uhrzeit ein passables Ergebnis.

Ob das allerdings für eine Fortsetzung von "Baywatch Berlin" im TV reicht? Eine Anfrage von watson blieb von ProSieben bislang unbeantwortet.

(jei)

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