Coronavirus
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Social Distancing gilt als Waffe im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus. Ob die bisher empfohlenen Abstände aber wirklich reichen, ist nicht sicher. Bild: SOPA Images via ZUMA Wire / Chaiwat Subprasom

2 Meter Abstand bei Corona: Unter welchen Umständen die Regel vielleicht nicht gilt

Der Ausbruch des Coronavirus hat anschaulich gezeigt, wie leicht sich ein Erreger in einer Welt ausbreiten kann, in der die Menschen viel und körperlich engen Kontakt haben. Das liegt unter anderem an der sogenannten Tröpfchenübertragung. Bei dieser sondern infizierte Menschen durch Sprechen, Husten oder Niesen winzige Tröpfchen ab, die das Virus auf andere Menschen in unmittelbarer Reichweite übertragen können. Beim Sprechen sind dies normalerweise ein Meter, beim Husten oder Niesen etwa zwei.

Zur Bekämpfung der Ausbreitung des Virus haben deshalb neben Deutschland auch zahlreiche andere Länder Abstandsregeln eingeführt. Menschen sollen sich an öffentlichen Orten nicht näher als 1,5 oder besser noch zwei Meter kommen.

Hinweise darauf, dass 2 Meter nicht immer ausreichen

Doch unter bestimmten Umständen könnte es sein, dass das Coronavirus über Distanzen von mehr als zwei Metern durch Tröpfchen übertragen wird. Darauf weist die Forscherin Lydia Bourouiba vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in einem Fachartikel für das "Journal of the American Medical Association" hin.

Sie schreibt, neue Studien hätten ergeben, dass Tröpfchen durch Husten oder Niesen in warmen, feuchten Räumen bis zu acht Meter weit übertragen werden könnten. Auch sei es möglich, dass Viren in der Luft mehrere Stunden überleben könnten. Diese Studien beziehen sich allerdings nicht konkret auf das Coronavirus, sondern auf andere Atemwegserkrankungen. Sie sind daher nur bedingt aussagekräftig. Studien, die die Reichweite von Coronaviren bei der Tröpfchenübertragung untersuchen, gibt es bisher nicht.

Geschlossene Räume könnten Ausbreitung begünstigen

Normalerweise betrage die Reichweite der Tröpfchen tatsächlich höchstens zwei Meter, erklärt Professor Kim Woo-Joo vom Guro-Krankenhaus der Korea-Universität. Er ist seit 30 Jahren in seinem Berufsfeld tätig, hatte auch schon mit Sars, Mers, Schweinegrippe und Ebola zu tun.

Auch er sagt, dass das Infektionsrisko unter bestimmten Umständen steige, etwa wenn sich hunderte Menschen über Stunden hinweg bei geringem Abstand in einem geschlossenen Raum versammelten.

"Vor Kurzem haben sich über tausend Menschen einer religiösen Gruppe namens Shincheonji in Korea infiziert. Die Kirche war im zehnten Stock eines Gebäudes in einem geschlossenen Raum. Die Fenster waren geschlossen, da es Winter war." Durch stundenlanges Singen und Beten hatte die ursprünglich Infizierte dabei offenbar genügend Tröpfchen ausgestoßen. Dass die Infizierten, die sich in der Kirche angesteckt haben, der Frau näher als zwei Meter gekommen sind, erscheint unwahrscheinlich.

Geschlossene Räume stellten also insgesamt ein größeres Risiko dar, weil sie die Ansteckung durch die warme, womöglich feuchte Luft begünstigen können, so Woo-Joo weiter. Unter freiem Himmel, im Park oder beim Waldspaziergang, sei eine größere Reichweite der Tröpfchen dagegen sehr unwahrscheinlich.

Das bedeutet für uns ganz konkret: An der frischen Luft sind ein bis zwei Meter Abstand nach derzeitigem Kenntnisstand völlig ausreichend. In geschlossenen Räumen allerdings ist etwas mehr Vorsicht angebracht – zumindest, bis Studien genaueres über die tatsächliche Reichweite der Coronaviren ergeben haben.

(om)

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