Die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb wird als mögliche Kandidatin für den DFB-Vorstand gehandelt.
Die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb wird als mögliche Kandidatin für den DFB-Vorstand gehandelt.Bild: dpa / Sven Hoppe

Vorstoß "überfällig": Debatte über Frau an DFB-Spitze nimmt Fahrt auf

23.05.2021, 15:31

Eine Frau als DFB-Präsidentin? Weibliches Führungspersonal für die dringend notwendige Reform des schwer beschädigten Deutschen Fußball-Bundes? Was der eine oder andere Funktionär möglicherweise als Untergang des Abendlandes empfinden dürfte, entwickelt sich allmählich zum konkreten Gedankenspiel. Zumindest gewinnt die Debatte um eine Neuausrichtung des Verbandes mit mehr weiblicher Kompetenz – auch dank prominenter Fürsprecher wie Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer – an Wucht und Dynamik.

"Ich denke, dass wir offen sind und der DFB bereit ist, diese Position mit einer Frau zu besetzen. Das ist keine schlechte Idee, ich kann mir das vorstellen", sagte Neuer in einem Interview der "Welt am Sonntag". Der 35 Jahre alte Schlussmann des deutschen Meisters FC Bayern München war konkret auf den Namen der früheren Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb angesprochen worden.

Eine Initiative forderte 30 Prozent Frauen in Führungspositionen

Doch spätestens seit dem öffentlichkeitswirksamen Auftreten der Initiative "Fußball kann mehr" werden auch noch andere Namen als mögliche Nachfolgerinnen für den zurückgetretenen DFB-Präsidenten Fritz Keller gehandelt. Neun Frauen hatten mit diesem Motto unter der Woche in der "Zeit" unter anderem eine Quote für Fußballverbände von mindestens 30 Prozent Frauen in Führungspositionen gefordert.

Auch der meinungsstarke Freiburger Trainer Christian Streich hatte sich zuletzt für eine Frau als DFB-Chefin starkgemacht. FIFA-Boss Gianni Infantino sagte immerhin, der DFB brauche "einen starken DFB-Präsidenten" oder "vielleicht, wieso nicht, eine DFB-Präsidentin, das wäre vielleicht auch mal eine Idee".

Der DFB ist geplagt von internen Machtkämpfen

Eine mögliche Kandidatin, die ehemalige Nationaltorhüterin und frühere HSV-Vorständin Katja Kraus, verneinte zwar bei ihrem Besuch im "Sportstudio" eigene Ambitionen auf das Amt an der Spitze des mitgliederstärksten Sportfachverbandes der Welt. Doch allein die Tatsache, dass die 50 Jahre alte Unternehmerin und Mitinitiatorin des Papiers am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison in die ZDF-Sendung eingeladen war, deutet auf einen gewissen Bewusstseinswandel hin und unterstreicht Bedeutung und Dringlichkeit dieser Diskussion.

Die jüngsten Auseinandersetzungen im DFB, die unter anderem zum Rücktritt des Präsidenten Keller und dem angekündigten Abschied von Generalsekretär Friedrich Curtius geführt hatten, seien "keine inhaltlichen gewesen. Es ging immer nur um Macht und Kontrolle", sagte Kraus. Der Vorstoß der neun Frauen, zu denen auch die Kommentatorin Claudia Neumann, Nationaltorhüterin Almuth Schult und die ehemalige Moderatorin Gaby Papenburg gehören, sei "überfällig" gewesen, sagte das frühere Vorstandsmitglied des Hamburger SV. Kraus sprach von einem "großen Glaubwürdigkeitsdilemma" beim DFB.

Dass die Neuausrichtung des Verbandes nur mit neuem Personal gelingen könne, betonte auch Kraus. Dies könne nicht funktionieren "mit Menschen, die die Probleme verursacht haben", sagte sie. Zwar soll auf einem vorgezogenen DFB-Bundestag Anfang 2022 ein neues Präsidium gewählt werden. Doch was Kraus von den bis dahin agierenden Führungskräften hält, verhehlte sie nicht. Auf die Frage, ob sie sich von den Interimschefs Rainer Koch und Peter Peters gut repräsentiert sehe, antwortete Kraus im ZDF: "Nein, das tue ich nicht."

(lfr/dpa)

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