Deutschland
Bild

Kommentar

Liebe Barbara Schöneberger, du hast die #metoo-Debatte NICHT verstanden

Mal eines vorweg: Barbara Schöneberger ist ein Medienprofi. Seit 20 Jahren ist sie jetzt schon als Moderatorin und Sängerin im deutschen Fernsehen unterwegs. 

Vor kurzem hat die 44-Jährige der "Welt am Sonntag" ein Interview gegeben, in dem sie unter anderem über die #metoo-Bewegung und sexuelle Belästigungen in der Film- und Fernsehindustrie sprach.

Auf die Frage, ob Schöneberger je unangenehme Erfahrungen mit Kollegen aus der Fernsehbranche gemacht habe, antwortet die TV-Moderatorin:

"Ganz ehrlich: Nein. Die Besetzungscouch gibt’s doch gar nicht in Deutschland. Bei wem sollte man sich denn da bitte draufsetzen?"

Barbara Schöneberger

Die Welt am Sonntag fragt weiter: "Bei Dieter Wedel?"

Barbara Schöneberger antwortet:

"Ja, was hatte der denn zu sagen? Man tut ja jetzt so, als sei er der Chef von Deutschland gewesen. Ich kann jedenfalls nicht behaupten, dass mein Weg gepflastert war von Männern, die mir an die Wäsche wollten."

Und sagt weiter: 

"Bei der großen Aufregung bin ich fast ein bisschen beleidigt, dass es bei mir nie einer versucht hat."

Schöneberger im Interview mit der Welt am Sonntag

Liebe Barbara Schöneberger, danke für Nichts!

Schöneberger ist Entertainerin, macht oft Witze. Leider ist diese Bemerkung mal so gar nicht lustig.

Denn zu denken, ein Klaps auf den Po oder Belästigungen seien ja irgendwie auch eine Art Aufmerksamkeit, existiert in weiten Teilen der Gesellschaft. Und anscheinend auch bei Barbara Schöneberger.

Damit mal eines klar ist:

Attraktivität ist keine Skala, die eine Wahrscheinlichkeit von Übergriffen misst. Opfer von Gewalt kann jeder werden. 

Und: Machtmissbrauch und Belästigungen jeglicher Art sind kein Ausdruck von Männern, die Frauen attraktiv finden oder eine Flirttechnik. 

Es ist nichts Schmeichelhaftes daran, belästigt oder Opfer eines Übergriffes zu werden.

Die eigene, vermeintliche "Fuckability" ist kein Indikator dafür, wie wahrscheinlich es ist, missbraucht oder belästigt zu werden.

Jeder kann Opfer von Missbrauch werden.

Da ist es auch egal, ob die  eigenen Oberschenkel mittlerweile "schlaffer werden", wie Schöneberger im Interview vermeintlich selbstbewusst betont. Sie sei eben keine "süße, sexy Maus mehr", die "mit kurzen Röcken durchs Programm stiefelt." 

Letzeres ist übrigens ein Satz, den man so sonst eher von Männern gewohnt ist, die sich über ihren eigenen Sexismus wahrscheinlich nicht im Klaren sind. 

Schöneberger verharmlost und bagatellisiert mit solchen Statements Straftatbestände. Das Trauma zahlreicher Überlebende/n von (sexualisierter) Gewalt. Außerdem konterkariert sie den Kampf unzähliger Frauen weltweit, gegen die bestehenden Machtstrukturen vorzugehen.

Auch, dass sie Wedel seine prominente Rolle in der Film- und Fernsehlandschaft abspricht, mindert die gegen ihn erhobenen Vorwürfe kein bisschen.

Oder sind die Aussagen von Betroffenen für sie weniger ernst zu nehmen, nur weil Wedel womöglich nicht den gleichen beruflichen Erfolg wie Weinstein hatte? 

Schöneberger sieht zudem das Klima in der Fernsehbranche kritisch. 

Inmitten der #metoo-Debatten findet sie:

Barbara Schöneberger:

"Es wird doch sowieso schon auf jeden Scheiß geachtet"

Und da liegt sie eben falsch. Es wird noch nicht genug auf alles geachtet. Und schon gar nicht auf Frauen. 

Bei ihren Statements fehlt die Solidarität mit Betroffenen, auch wenn die Moderatorin selbst nicht betroffen ist. Schönebergers Interview-Aussagen wirken wie eine abwinkende Geste, nach dem Motto: "Ach, komm schon Mäuschen, das ist doch alles gar nicht so schlimm."

Viele Frauen wollen aber endlich ernst genommen werden.

Derweil macht die Entertainerin mit solchen und ähnlichen Aussagen Witze für ewiggestrige Männer: Schenkelklopfer, die in einer "Ich-nehme-nichts-ernst-auch-mich-nicht"-Verpackung daherkommen.

Ist das nun bewusst frauenfeindlich von ihr?

Vielleicht nicht. Manche Haltungen in uns sind derartig internalisiert (zum Beispiel, dass männliche Aufmerksamkeit die eigene Person aufwertet), dass man gar nicht merkt, wie sehr es an manchen Stellen der Gesellschaft krankt. 

Schöneberger ist aber eben auch Herausgeberin einer nach ihr benannten Frauenzeitschrift. Und da bleibt nur zu hoffen, dass sie ihren Leserinnen und Lesern andere Werte vermittelt.

Dass sie sich bisher nicht zur #metoo-Debatte geäußert habe, läge übrigens daran, dass sie zu emotional werde und "den Menschen, die wirklich unter sexueller Gewalt leiden", nicht gerecht werde, so die Schauspielerin.

Sie sei selbstbestimmt und damit "irgendwie auch feministisch", findet Schöneberger.

Als Feministin würde sich die Fernsehmoderatorin aber nicht bezeichnen. Denn die seien "viel durchdachter" als sie. 

Ganz ehrlich: Damit könnte sie Recht haben.

Wie findest du Schönebergers Aussagen? Schreib es uns in den Kommentaren

Mehr zum Thema Feminismus? Hier entlang!

GoT-Star Natalie Dormer sagt: "MeToo war absolut notwendig!"

Link zum Artikel

Dieser Mann erklärt Männern MeToo – mit Hilfe von Tritten in die Eier

Link zum Artikel

"Komm, lass mich dein Daddy sein." New Yorkerin sammelt Ekel-Catcalls 

Link zum Artikel

Joggen, laut Musik hören – worauf viele Frauen aus Angst nachts verzichten

Link zum Artikel

Frauenrap = Schwesta Ewa? Dann schau dir mal diese Rapperinnen an 

Link zum Artikel

1 Jahr nach MeToo: Welche 9 Hashtags noch heute weiterleben

Link zum Artikel

"Wir sind wie Menschen zweiter Klasse", sagt die Anführerin des US-Cheerleader-Aufstands

Link zum Artikel

80-Jährige verklagt Sparkasse und zeigt, wie Feminismus geht

Link zum Artikel

Lasst Barbie in Ruhe! Verteidigung einer unterschätzten Frauenikone

Link zum Artikel

Und wie würde ein männlicher Autor dich beschreiben?

Link zum Artikel

"Er hat genau gezielt" – Aktivistin Jutta Ditfurth im ICE mit Metallstock attackiert

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Gottschalk über Helene Fischer und Florian Silbereisen: "Hatte immer schlechtes Gefühl"

Link zum Artikel

Brief ans Jobcenter: Bitte hört auf, meine über 60-jährige Mutter in Jobs zu drängen

Link zum Artikel

Bei Pressekonferenz nach BVB-Sieg merkt Favre nicht, dass das Mikro bereits an ist

Link zum Artikel

Luke Mockridge macht Andrea Kiewel in seiner Show ein Angebot – die blockt ab

Link zum Artikel

Kontakt mit 2 Bundesliga-Stars – warum der FCB trotzdem keinen Lewandowski-Backup holte

Link zum Artikel

Luke Mockridge traf Kiwi noch kurz vor Auftritt: Wie er beim "Fernsehgarten" alle täuschte

Link zum Artikel

Krankenschwester warnt bei Maischberger: "Wir laufen auf eine riesige Katastrophe zu"

Link zum Artikel

Luke Mockridge über die Folgen seines ZDF-Auftritts: "Meine Eltern erhielten Hassbriefe"

Link zum Artikel

Hartz-IV-Show "Zahltag": Wie die Sendung falsche Hoffnungen schürt

Link zum Artikel

"Null Toleranz gegen Rassismus" – und 5 weitere Punkte aus Merkels Bundestags-Rede

Link zum Artikel

Alleinerziehend mit Hartz IV: Achtjährige sammelt Flaschen, um Taschengeld zu bekommen

Link zum Artikel

"Zahltag": Buschkowsky erklärt, warum ein Geldkoffer Hartz-IV-Empfängern nicht hilft

Link zum Artikel

Helene Fischer: Erstes reguläres Konzert für 2020 angekündigt

Link zum Artikel

2 Handelfmeter? Darum gab es für die DFB-Elf gegen Nordirland keinen Videobeweis

Link zum Artikel

In Berlin gab es eine Notlandung mit mehreren Verletzten

Link zum Artikel

Helene Fischer und Thomas Seitel: Polizei spricht von Einsatz auf ihrem Anwesen

Link zum Artikel

7 Zitate, die zeigen, wie "bürgerlich" Alexander Gauland wirklich ist

Link zum Artikel

Helene Fischer verrät, für welche Gage sie am Anfang spielen musste

Link zum Artikel

Bachelorette Gerda verrät, was in ihrer ersten Nacht mit Keno wirklich passierte

Link zum Artikel

Als Gauland sich im ZDF verteidigen will, reicht es Lanz: "Albern, das ist albern"

Link zum Artikel

Helene Fischer erklärt, was vor Auszeit geschah: "So etwas noch nie erlebt"

Link zum Artikel

Kandidat zwingt RTL, "Bachelorette"-Finale zu ändern: "Wir waren selbst überrascht"

Link zum Artikel

"Hätten es besser machen können" – Salihamidzic gibt Fehler in Transferperiode zu

Link zum Artikel

"Höhle der Löwen": Gründer sorgte für Eklat in QVC-Sendung

Link zum Artikel

Neue Foto von Lena Meyer-Landrut sorgt für hämischen Helene-Fischer-Kommentar

Link zum Artikel

"Wer wird Millionär": Oliver Pocher lästert fies über Jauchs Millionen-Gewinner

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Wie mein Vater zum AfD-Wähler wurde – und unser Verhältnis auf die Probe stellt

Wenn ich meinem Vater von den Spielplatz-Erlebnissen meines Sohns berichte oder von meinem kürzlichen Umzug nach Hamburg, antwortet er mit Textnachrichten wie "Die Migranten sind schuld" oder "Die Gerichte sind Sklaven der Politik". Solche wütenden Zeilen bestimmen heutzutage sein Denken. Sie tauchen in so gut wie jedem unserer persönlichen Gespräche auf, auch wenn es gerade eigentlich um etwas ganz anderes geht. Für meinen Vater (Anfang 60) erzählen sie wichtige Wahrheiten. Für mich …

Artikel lesen
Link zum Artikel