Deutschland

Ein Tag im Leben des Markus Söder: mit dem Jet zum Papst, Kreuzbefehl in Bayern

Er hätte sich wohl keinen besseren Tag für seine Vatikanreise aussuchen können. Während in Bayern der "Kreuz-Erlass" in Kraft tritt, ist der bayerische Ministerpräsident in Rom auf Papstbesuch.

Allein der Abflug war standesgemäß. 

Ein Mann und sein Jet.

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Nicht Söder besucht den Papst, der Papst besucht Söder! Bild: screenshot instagram markus söder

Wer trifft hier eigentlich wen?

Ein Papst ist nicht genug. facebook markus söder

Und das Wetter? "Genauso wie in München: Heiß und feucht und schön"

markus söder facebook

Und während Söder in Rom schwitzt, schwitzen in den bayerischen Heimatbehörden andere. Sie müssen fleißig Kreuze aufhängen – und zwar in den Eingangshallen ihrer Dienststellen. Die geänderte Geschäftsordnung, die für alle staatlichen Behörden gilt, will es so.

Doch: Wer überwacht den Kreuzbefehl von oben?

Was, wenn sich eine Dienststelle weigert, ein Kreuz in den Eingangsbereich zu hängen? Die Staatskanzlei sagte watson auf Nachfrage, dass es keine Notwendigkeit einer Überprüfung gebe. Man erwarte da keine Probleme. Die Umsetzung liege in der Verantwortung der jeweiligen Dienstellen. Die zahlen auch bei Neuanschaffung.

Auch Größe und Preisklasse der Kreuze überlasse man den Behörden vor Ort. Ob alt, neu, modern, groß oder klein. Jede Diensstelle dürfe sich das Kreuz aufhängen, das zum jeweiligen Gebäude passe.

Allerdings: Verbindlich ist das Kreuzhängen nur für die staatlichen Diensstellen. Für Landkreise, Bezirke und Gemeinden gilt das nicht. Hier wurde von Seiten der Staatskanzlei eine "Empfehlung" ausgesprochen, doch bitteschön auch zum Kreuz zu greifen.

Doch: Dem Appell folgen nicht alle

Helmut Bucher ist Bürgermeister der 4000-Seelen-Gemeinde Germaringen. "In meinem Büro hängt kein Kreuz", sagt der 46-Jährige watson. Und er wird auch jetzt keines aufhängen. Das sei gar kein Thema hier, sagt CSU-Mitglied Bucher. Vielmehr eine Diskussion in der Presse, weniger vor Ort. "In vielen Einrichtungen der Gemeinde hängen ja schon Kreuze", sagt der Bürgermeister. In der Gemeinde konzentriere man sich auf das, was wichtig für die Menschen im Ort sei. "Viel wichtiger ist der Umgang miteinander, Menschen, egal mit welchem Hintergrund, mit Respekt gegenüber zu treten." Auch in den Nachbargemeinden sei der "Kreuz-Erlass" kein Thema gewesen, sagt er. Bei regelmäßigen Bürgermeistertreffen sei das Thema nicht einmal angesprochen worden. "Man muss nicht auf jeden Zug aufspringen", sagt Bucher.

Im Landratsamt Unterallgäu in Mindelheim sieht man es ähnlich entspannt. Auch dort ist man der Empfehlung des Ministerpräsidenten nicht nachgekommen. Auch dort hängt kein Kreuz im Eingangsbereich. Im Sitzungssaal und auch in anderen Räumen hängen Kreuze. Das seit vielen Jahren. Landrat Hans-Joachim Weirather sieht deshalb keinen weiteren Handlungsbedarf.

Bereits im Vorfeld der Aktion hatte der Landrat deutlich Kritik an der Vorgehensweise des Ministerpräsidenten geübt: "Das Kreuz ist kein Bekenntnis zur Identität und zur kulturellen Prägung Bayerns. Söder liegt ganz falsch, wenn er sagt, das Kreuz sei kein Zeichen einer Religion. Vielmehr ist es DAS zentrale Zeichen des Christentums."

Persönlich habe er grundsätzlich nichts dagegen, dass ein Kreuz in den Behörden aufgehängt wird. "Es wäre jedoch schade, wenn die Entscheidung des Ministerrats damit in Zusammenhang stünde, das Zeichen für Jesus Christus und unseren christlichen Glauben aus aktuellem Anlass politisch zu instrumentalisieren.

Das Kreuz darf auf keinen Fall als Abwehr Andersgläubiger oder gar zur Ausgrenzung dienen.“

Und Söder? Der kann sich ganz entspannt in Rom ablichten lassen. Sein Kreuz hängt ja schon.

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Bild: dpa

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