Christian Rach bei Markus Lanz.
Christian Rach bei Markus Lanz.
Bild: screenshot/zdf

Christian Rach erklärt bei Lanz, warum ein Schnitzel 30 Euro kosten müsste

06.11.2019, 16:36

Wie steht's es um die deutsche Gastronomie? Wenn man TV-Koch Christian Rach glaubt, nicht gut. Keine geregelten Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung und arbeiten möchte in der Gastronomie eigentlich auch keiner mehr.

Am Dienstagabend war Rach bei Markus Lanz zu Gast, sprach über seine Branche – und kam dabei so richtig in Fahrt.

Rach beklagte, dass die Deutschen geizig seien und viel zu wenig für Lebensmittel ausgeben würden. Er bescheinigte den Deutschen dementsprechend eine "SPARERities":

"Die Menschen sind nicht bereit, für das gute Produkt zu zahlen."
Christian Rach

Christian Rach spricht bei Markus Lanz über Restaurant-Krise

Zur Verdeutlichung, wie wenig Deutsche auf die Qualität der Lebensmittel achten, brachte Rach eine Anekdote, die er selbst erlebt haben will, zum Besten: Ein spanischer Bauer hatte drei Tomatenkisten. Die mit den besten Tomaten behielt er bei sich in Spanien, die zweitbeste schickte er in irgendein anderes europäisches Land – und die schlechteste nach Deutschland.

Doch auch Köche wären nicht ganz unschuldig, echauffiert sich der Ex-Sternekoch weiter. "Die Gastronomen haben eine unglaubliche Preisangst." Folglich würden die Preise nicht zu hoch angesetzt. Damit bleibe vieles auf der Strecke, die Gehälter der Köche zum Beispiel. "Die Restaurants arbeiten alle defizitär", so Rach.

Sein Fazit: Mit der Branche wurde in der Vergangenheit "Schindluder" getrieben. Auch weil Köche wie er 80 bis 90 Stunden in der Woche gearbeitet haben, erzählt Rach. "Das war normal."

Kann die Gastronomie gerettet werden? Christian Rach rechnet Markus Lanz vor

Das ist Markus Lanz alles zu abstrakt. "Was müsste ein Wiener Schnitzel in einer Stadt wie Hamburg kosten, damit es sich für das Restaurant lohnt?", fragt Lanz. "Wenn man das durchkalkuliert...", überlegt Rach und antwortet:

28 bis 30 Euro müsste ein Wiener Schnitzel im Restaurant kosten.

Aber warum? Rach zählt die Kosten auf:

  • Kalbfleisch ist teurer als Schwein (Anm. Red: Das echte Wiener Schnitzel ist aus Kalbfleisch)
  • Die Zutaten für die Panade
  • Die Beilagen
  • Die Küche muss sauber sein (Reinigungskosten), das Restaurant muss geheizt und gedeckt (Tischwäsche) sein
  • Die Angestellten müssen bezahlt werden

Seine Lösung: Eine Beispielrechnung soll IN die Speisekarte gelegt werden, damit jeder sehen kann, was ein Wiener Schnitzel kostet. Gerettet wäre das Restaurant selbst bei diesen Preisen von 30 Euro jedoch nicht. "Es ist ein Nullsummenspiel", erklärt Rach.

Doch er präsentiert gleich die nächste Lösung: Die Sozialabgaben der Auszubildenden-Gehälter sollen wegfallen. Der ehemalige Restaurant-Tester wird nun auch Politikberater – und will gleich noch ein neues Fach einführen: Leben. Mit den Themen Ernährung, Handwerk und Steuer. Damit in der Schule Themen behandelt werden, die uns Menschen im Alltag betreffen, so Rachs Vorschlag. Und auf diese Weise würden die jungen Leute wieder ans Handwerk rangeführt werden.

Rach rechnet mit Kreuzfahrt-Branche ab

Rach fährt in seinem Forderungs-Modus fort und hat gleich die nächste Lösung parat: eine Vier-Tage-Woche in der Gastronomie. So würde die Attraktivität des Berufs wieder gesteigert. Wäre da nicht die Kreuzfahrt-Branche, die Unmengen an Personal in der Gastronomie an sich binde, die wiederum am Ende den Restaurants fehlen: "Sie (die Kreuzfahrt) ist wie ein Staubsauger, der alles wegsaugt, was drei Teller tragen kann", erklärt Rach sauertöpfisch.

Wir halten fest: 30-Euro-Schnitzel, Vier-Tage-Woche und das Schulfach Leben. Ob Rachs Forderungen die Krise in der Gastronomie beenden würden?

(lin)

Meinung

Schlechter Einstieg, schwaches Ende: Das Kanzler-Triell in der Kritik

Laut Umfragen schaffte es Armin Laschet beim TV-Dreikampf der Kanzlerkandidaten, vierter zu werden – nur 20 Prozent sehen ihn als den stärksten Kandidaten. 21 Prozent sahen keine Unterschiede zwischen den drei Bewerbern. Olaf Scholz geht demnach als Sieger hervor, gefolgt von Annalena Baerbock. Die wirklichen Verlierer aber sind – die Zuschauer.

Wer sich das TV-Triell der Öffentlich-Rechtlichen am Sonntagabend ansah, konnte am Ende leicht zu dem Gefühl kommen, anderthalb Stunden Lebenszeit …

Artikel lesen
Link zum Artikel