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Die Gamescom hatte gelegentlich den Charme einer Folge "Wetten, dass?" Koelnmesse Bilddatenbank

Meinung

Digitale Gamescom: Zumindest sind Veranstalter und Aussteller glücklich

Es ist die weltweit größte Videospielmesse. Rund 370.000 Menschen tummelten sich im vergangenen Jahr auf dem Kölner Messegelände. In diesem Jahr gab es allerdings eine große Veränderung: Die Gamescom war coronabedingt rein digital. Für die Szene mehr als passend.

Und so fand die Messe zum großen Teil in Form von Livestreams auf den Videoplattformen Youtube, Twitch und Tiktok statt. Irgendwie interessant, irgendwie unterschied sich das Spektakel aber auch nicht großartig vom Alltag der gamingbegeisterten Jugend. Einzig die "Indie Arena Booth" sorgt für etwas Abwechslung, aber dazu kommen wir später.

Natürlich gab es auch ein paar "interaktivere" Inhalte wie Präsentationen oder auch Webinare im sogenannten "Gamescom Congress". Felix Falk, Chef des Verbands der deutschen Computerspielbranche "game", sagte im Vorfeld der Messe, dass es nicht darum ginge, eins zu eins die Halle ins Netz zu stellen:

"Wir wollten mutig und innovativ nach vorne gehen und damit ein Ausrufezeichen setzen in so einer schwierigen Zeit."

Messevergnügen ohne Überraschungen

Das ist auch okay, Überraschungen blieben dennoch aus. Keine neuen Informationen von Microsoft oder Sony zur neuen Konsolengeneration mit der Xbox Series X sowie der Playstation 5, dabei sollen beide bereits zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen. Wer sich erinnert, weiß, dass es bei der Gamescom 2013 ein wenig anders aussah. Da lieferten sich die beiden Technikriesen einen kleinen Ankündigungswettstreit zwischen Playstation 4 und Xbox One.

Auch das heiß erwartete Action-Rollenspiel "Cyberpunk 2077" bekamen die digitalen Besucher nicht zu Gesicht. Wie auch? Entwickler CD Project blieb der Messe ebenso fern wie Nintendo, Konami oder Menschen aus dem Brandenburger Hinterland. Versteht ihr? Wegen der Internetanbindung. Spaß beiseite, wobei: die Opening Night zeigte bereits die Probleme des neuen Messeformats in Form eines stotternden Streams und dem Charme einer Folge "Wetten, dass...?" mit Markus Lanz als Moderator.

Und da sprachen die Veranstalter noch großspurig von Weltneuheiten. Die gab es mit "Call of Duty: Black Ops – Cold War" oder den Infos zu "Fifa 22", aber da Ableger beider Reihen bereits im Jahresrhythmus erscheinen, kann man auch nicht wirklich von besonderen Premieren, geschweige denn Überraschungen sprechen.

Immerhin gab es was für Indie-Fans

Auch beim Antesten, dem Herzstück der Gamescom, gab es keine Möglichkeit für Spielerinnen und Spieler, zumindest vonseiten der großen Entwickler. Dabei wäre das doch gerade das Interessante gewesen. Gibt es doch mit dem immer moderner werdenden Cloud-Gaming eine schöne Möglichkeit, ohne die Konsolen ein paar Games zu spielen. Dafür reicht schließlich eine stabile Internetverbindung.

Indie-Entwickler waren sich dessen bewusst und boten Anspielmöglichkeiten. Auch ihre Halle die "Indie Area Booth", der Ausstellungsort für kleinere Independent-Entwickler, bot eine Art virtuellen Rundgang mit selbsterstellten Avataren. Messebesucher konnten Figuren wählen und über ein digitales Gelände schlendern. Das passte wenigstens zur romantisierten Vorstellung einer digitalen Messe – anders als die Netz-Videothek der Gamescom-Seite.

Wichtige Dinge wurden nicht angesprochen

Was leider komplett fehlte, waren ein paar Kernthemen, die die Gamingszene beschäftigten. So drangen in der Vergangenheit immer mehr Fälle sexueller Belästigung innerhalb der Branche, aber auch bei Streamern an die Öffentlichkeit. Es wurde heftig diskutiert, Ubisoft entließ sogar einige Mitarbeiter sowie Top-Manager.

Der Dialog dazu wäre wichtig gewesen, auch um zu zeigen, dass das Thema nach wie vor relevant ist, gar ernst genommen wird. Stattdessen flauen die Gespräche darüber langsam ab. Schön, dass sich der Geschäftsführer von Ubisoft-Deutschland so zufrieden zeigte. "Wir sind sehr froh darüber, dass die Messe rein digital realisiert wurde", sagte er im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung". Na, immerhin sind Veranstalter und Aussteller glücklich.

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