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U.S. President Donald Trump accompanied by first lady Melania Trump arrives to speak about early results from the 2020 U.S. presidential election in the East Room of the White House in Washington, U.S., November 4, 2020. REUTERS/Carlos Barria

Donald Trump wittert "Betrug" – weil er Angst hat, dass Briefwähler die Stimmenverteilung noch zugunsten Bidens verändern. Bild: reuters / CARLOS BARRIA

Er spricht von "Betrug": Warum sich Trump dermaßen aufregt

Seit Monaten schürt Donald Trump Zweifel an der Legitimität der US-Präsidentschaftswahl. Nun ruft er sich zum Sieger aus – obwohl die Stimmen noch gezählt werden. Die weitere Auszählung will er vom Supreme Court stoppen lassen.

Trump sprach angesichts von Verzögerungen bei einem Wahlergebnis von "massivem Betrug". "Wir waren dabei, diese Wahl zu gewinnen. Offen gesagt haben wir diese Wahl gewonnen."

Doch was genau regt Trump so auf? Er hätte lieber gleich ein fertiges Ergebnis gewollt – zumindest eins, das seinen Sieg verkündet. Auch auf Twitter hatte er zuvor schon gegen eine Auszählung der Stimmen nach dem Wahltag gehetzt.

In den USA ist es üblich, dass die Präsidentenwahl noch in der Wahlnacht auf der Basis von Prognosen großer Medienhäuser entschieden wird. Die amtlichen Ergebnisse kommen teils erst viel später.

Trump regt sich auf, dass sich das Ergebnis verzögert – Trend kann sich zugunsten Bidens drehen

Dieses Mal jedoch ist das Rennen so knapp, dass die Prognosen der Medienhäuser nicht reichen, um sicher zu sagen, wer sich am Ende durchsetzt. Die Auszählung auch nach dem Wahltag, wie es jetzt geschieht, ist in vielen Bundesstaaten üblich.

Zum Zeitpunkt seiner Äußerung lag Trump in wichtigen Bundesstaaten vorn. Da sich die Auszählung der Briefwahlstimmen in umkämpften Bundesstaaten wie Pennsylvania aber noch über Tage hinziehen kann, kann sich dieser Trend zugunsten Bidens drehen. Das ist Trump sehr wohl bewusst. Mit seinen Vorstößen will er die Auszählung der restlichen Stimmen delegitimieren. Dabei sind es in manchen Staaten vor allem Briefwähler, deren Stimmen noch nicht gezählt wurden – und die wählen eher Biden.

Große Städte zählen erst nach der Nacht weiter

Aus großen Städten in den noch offenen Bundesstaaten Georgia und Pennsylvania haben Journalisten beim Kurznachrichtendienst Twitter gemeldet, dass erst nach der Nacht weiter gezählt würde. Beim Fernsehsender Fox sagte ein Statistiker, dass er nicht mehr in der Nacht mit einem Ergebnis aus Georgia, Michigan, Wisconsin oder Pennsylvania rechne.

In Pittsburgh und dem Rest von Allegheny County in Pennsylvania wollen sich Wahlhelfer wieder ab 10 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr MEZ) treffen. Aus Philadelphia hatte es Meldungen gegeben, wonach dort von 9 Uhr an wieder Ergebnisse verkündet werden könnten. Auch in Atlanta im Bundesstaat Georgia sollte es erst am Morgen weitergehen.

Positive Zeichen für Biden mehren sich

Ein Grund für die Verzögerung: In einigen Staaten der USA darf erst am Wahltag mit der Auswertung der Briefwahlstimmen begonnen werden. Teils ist dabei der Abgleich von Unterschriften mit Wählerverzeichnissen vorgeschrieben. In einigen weiteren Staaten werden außerdem auch noch Stimmen ausgezählt, die einige Tage nach der Wahl eingehen. Hier zählt dann der Poststempel, der spätestens vom Wahltag stammen muss. Die Wahlleiter mehrerer Staaten im Mittleren Westen hatten im Vorfeld angekündigt, dass die korrekte Auszählung einige Tage dauern könnte. Offen waren auch noch die endgültigen Ergebnisse aus North Carolina.

Zuletzt hatten sich am frühen Morgen aber positive Zeichen für Joe Biden gemehrt, unter anderem, weil er einzelne Wahlleute in Nebraska und Maine gewann – die Staaten folgen nicht dem sonstigen US-System, wonach alle Wahlleute eines Staates einem einzigen Kandidaten zugeschlagen werden. Ihm gelang auch ein Sieg in Arizona. 2016 war der Staat im Südwesten noch an die Republikaner gegangen.

Biden muss diesen Boden auf Amtsinhaber Trump gut machen. Ihm gelang nicht der von einigen Experten prognostizierte Erdrutschsieg – die Entscheidung läuft stattdessen nun auf die Staaten des Mittleren Westens hinaus. Wegen der Corona-Pandemie ist es in diesem Jahr schwierig, den Auszählungsstand während der Wahlnacht einzuschätzen. Viele Biden-Anhänger hatten erklärt, per Briefwahl abstimmen zu wollen. Wähler von Präsident Trump wollten eher am Wahltag ihr Votum abgeben. Die Bundesstaaten haben unterschiedliche Methoden dafür, wann sie welche Stimmen auszählen, so dass große Umschwünge im Laufe der Wahlnacht möglich sind.

(hau/mit Material von dpa)

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