International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

"Nur Cannabis ist uns geblieben" – warum libanesische Bauern die Legalisierung fürchten

02.08.18, 16:57

Cannabisanbau ist im Libanon illegal. Viele Bauern interessiert das wenig. Und selbst die Armee scheint wegzuschauen. Zumindest erstrecken sich im Osten des Libanons Cannabis-Felder, soweit das Auge reicht. Ungeachtet dessen, dass sich gleich nebenan Armeeposten befinden.

Seit Jahrzehnten versucht der Libanon den Hanfanbau in den Griff zu bekommen. Doch nichts hilft – weder Felder zerstören noch alternative Feldfrüchte fördern. das Geschäft ist einfach  zu lukrativ.

In this Monday, July 23, 2018, photo, a general views shows a part of the Bekaa valley from the village of Deir al Ahmar, 12 kilometers (about 7 miles) northwest of the town of Baalbek in the Bekaa Valley, Lebanon. In the fields of this quiet village surrounded by mountains, men and women work on removing dirt and dry leaves around cannabis plants from which many people in this eastern region make a living. (AP Photo/Hassan Ammar)

Das Bekaa Tal 12 Kilometer nordwestlich der Stadt Baalbek im Libanon. Bild: AP

Nun erwägt das libanesische Parlament, den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken zu legalisieren – und bringt damit ausgerechnet die Hanfbauern gegen sich auf. Das Parlament hofft, mit der Initiative der Drogenmafia in der Region an der syrischen Grenze den Boden zu entziehen. Vielleicht würde sogar die Wirtschaft profitieren.

Im Bekaa-Tal sehen jedoch viele Cannabisbauern die Pläne skeptisch. Und sogar Politiker. So sagt der stellvertretende Bürgermeister der Ortschaft Al-Jammuneh, Hussein Schreif: 

"Wir haben nicht grundsätzlich etwas gegen die Legalisierung. Aber sie muss vor allem den Landwirten zugute kommen."

In this Monday, July 23, 2018, photo, masked workers remove dirt and dry leaves in a cannabis field in the village of Yammoune, 25 kilometers (about 15 miles) northwest of the town of Baalbek in the Bekaa Valley, Lebanon. In the fields of this quiet village surrounded by mountains, men and women work on removing dirt and dry leaves around cannabis plants from which many people in this eastern region make a living. (AP Photo/Hassan Ammar)

Hanf-Bauern bei der Arbeit auf dem Feld. Bild: AP

Viele Bauern fürchten, dass große Konzerne ihnen das Geschäft streitig machen und die Profite sinken werden, wenn der Staat eingreift. 

"Wenn ein Bauer seine Ernte an einen Drogenhändler verkauft, ist der Profit zehn Mal höher als seine Kosten. Wenn der Staat beteiligt ist, werden die Profite nicht die Gleichen sein."

Hussein Schreif

Laut den Bauern von Al-Jammuneh gibt es keine andere Pflanze, die in dem trockenen Klima des Bekaa-Tals so gut wächst und so viel Profit abwirft. Cannabis "wächst im Gebüsch, am Straßenrand und sogar auf dem Müllhaufen", sagt ein Bauer. 

In Deutschland und anderen Staaten ist der Einsatz von Cannabis zu therapeutischen Zwecken bereits erlaubt. Es wird in Medikamenten zur Behandlung von Epilepsie, bei chronischen Schmerzen und gegen Übelkeit bei Chemotherapien verwendet. 

In this Monday, July 23, 2018, photo, Mayez Shrief, 65, who has planted cannabis for decades checks a cannabis field as he speaks with The Associated Press in the village of Yammoune, 25 kilometers (about 15 miles) northwest of the town of Baalbek in the Bekaa Valley, Lebanon. In the fields of this quiet village surrounded by mountains, men and women work on removing dirt and dry leaves around cannabis plants from which many people in this eastern region make a living. (AP Photo/Hassan Ammar)

Mayez Shrief (65) baut seit Jahrzehnten Hanf im Bekaa Tal an. Bild: AP

Nach Afghanistan und Marokko ist der Libanon heute der größte Cannabisproduzent der Welt. Hauptsächlich exportiert das Land in die Nachbarstaaten Syrien, Jordanien, Ägypten, Israel, Türkei und Zypern.

Im Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 boomte der Anbau von Opium und Cannabis . Anschließend versuchten die Behörden, die Felder zu zerstören. Als dies nichts nützte, versuchte die UNO, den Weinanbau als alternative Einnahmequelle zu propagieren. Noch heute geht die Armee immer wieder mit Razzien gegen das Rauschgiftgeschäft vor – zuletzt im Juli, als acht Drogenhändler getötet wurden. Doch der Cannabisanbau blüht weiter.

In this Monday, July 23, 2018, photo, a masked worker removes dirt and dry leaves in a cannabis field in the village of Yammoune, 25 kilometers (about 15 miles) northwest of the town of Baalbek in the Bekaa Valley, Lebanon. In the fields of this quiet village surrounded by mountains, men and women work on removing dirt and dry leaves around cannabis plants from which many people in this eastern region make a living. (AP Photo/Hassan Ammar)

Cannabis wächst in der Region besonders gut. Bild: AP

Nun setzen die Behörden auf die Legalisierung des Cannabisanbaus. Die Einwohner von Al-Jammuneh hoffen, dass mit der Parlamentsinitiative auch Amnestie für die mehr als 30.000 Menschen gewährt wird, die im Libanon wegen Drogendelikten gesucht werden. Der Lokalpolitiker Dschamal Schreif fordert zudem, dass der Cannabis-Anbau auf die bisherigen Anbaugebiete beschränkt bleibt, weil bei einer Ausweitung der Fläche ein Preisverfall drohe.

Das Parlament hofft, einer Empfehlung der Beratungsfirma McKinsey folgend, dass die Legalisierung des Cannabis-Anbaus dem Staat neue Einnahmen erschließt. Libanon ist hoch verschuldet und braucht dringend Geld. Doch Lokalpolitiker Dschamal Schreif fürchtet, dass die Einnahmen im korrupten Staatsapparat versickern werden:

"Sie haben im Libanon alles geklaut. Am Ende ist nur noch das Cannabis geblieben, und nun wollen sie uns auch das klauen."

Dschamal Schreif

(pbl/afp)

Wenn du so tust, als würdest du dich mit Wein auskennen:

Video: watson/Marius Notter, Lia Haubner

Mehr aus der Welt des Rausches:

Dieser Käfer braucht Alkohol, um seine Kinder großzuziehen

Wie 3,8 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen landeten

Canada first! Kanada legalisiert als erster G7-Staat Cannabisbesitz– und Konsum

Tierarzt schmuggelte Heroin in Hunden – drei Welpen tot

Koordiniert Mexikos "Kaiser" Marquez insgeheim ein Drogenkartell?

Großrazzia bei der 187 Strassenbande wegen Drogen und Waffen 

Wieder sind Menschen an Spice gestorben. Wie gefährlich ist das Cannabinoid wirklich?

Eine Frau stirbt im Berghain – das musst du über Ecstasy wissen

2 Festivalbesucher sterben in England – Polizei nimmt 3 Dealer fest

Das ägyptische Drogenhilfe-Telefon glüht nach diesem Werbespot von Mo Salah

Polizeischüler in Sachsen-Anhalt wegen Drogenbesitz gefeuert

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Alles Gute zum Kiffer-Tag! Wir erklären, was es mit "420" auf sich hat

Der 20. April wird von einer immer breiteren (qualmenden) Masse als Kiffer-Feiertag zelebriert. Diese Bewegung kommt – oh, Wunder – aus den USA, stößt aber zusehends auch in unseren Breitengraden auf praktizierende Zustimmung. Deshalb ein kurzer Überblick, was eigentlich dahinter steckt.

Der Wind trug in den frühen 1970er-Jahren sorgsam ein Gerücht über den Pazifik, ehe er es an der San Rafael High School in den Schoß von fünf Freunden, sie sollen fortan "die Waldos" genannt werden, …

Artikel lesen