Leben
Bild

bild: imago images / anka agency international / unsplash / daniele Levis Pelusi

Botswana: Oberstes Gericht schafft Verbot von Homosexualität ab

Botswanas Oberstes Gericht hat das Verbot von Homosexualität abgeschafft. Zahlreiche Aktivisten waren im Gerichtssaal anwesend, als Richter Michael Elburu die entsprechenden Paragraphen im Strafgesetzbuch von 1965 am Dienstag außer Kraft setzte und ihre Änderung anordnete. Bei dem Gesetzestext, der Homosexualität unter Strafe stellt, handele es sich um "Relikte aus der viktorianischen Zeit", erklärte Elburu.

Minderheiten dürften "nicht ausgeschlossen oder ausgestoßen" werden, urteilte Elburu. Die Zeit sei gekommen, um "gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen zu entkriminalisieren".

Haftstrafen von bis zu sieben Jahren für Homosexuelle

Bisher sah das Gesetz in Botswana Haftstrafen von bis zu sieben Jahren für Homosexuelle vor. Eine Privatperson hatte gegen das Verbot von gleichgeschlechtlichen Beziehungen geklagt. Aus Sicherheitsgründen wurden der Öffentlichkeit nur die Initialen der Person, L. M., mitgeteilt.

Im März hatte das Gericht die Urteilsverkündung verschoben. Aktivisten hatten daraufhin befürchtet, die Richter könnten das Verfahren hinauszögern.

Private Gewohnheiten "sollten keine Angelegenheit der Justiz sein"

Am Dienstag betonte Elburu jedoch, dass das Gericht das Thema sehr ernst nehme. Private Gewohnheiten "sollten keine Angelegenheit der Justiz sein", erklärte der Richter, der verschiedene sexuelle Orientierungen als "menschlich und nicht als Modeerscheinung" bezeichnete.

Im Mai hatte das Oberste Gericht in Kenia die Gesetzgebung gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen bestätigt und damit die Hoffnungen afrikanischer Aktivisten für Homosexuellen-Rechte gedämpft.

In 28 der 49 afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist Homosexualität strafbar – Botswana einbezogen.

Bürgerrechtlern zufolge geht die Kriminalisierung von Homosexualität in vielen afrikanischen Ländern auf den Kolonialismus zurück. Auch dort, wo entsprechende Gesetze nicht angewandt würden, gefährdeten sie Homosexuelle, weil ihre Existenz zu einer Normalisierung von Diskriminierung und häufig auch zu Übergriffen führe.

Entkriminalisierung helfe beim Kampf gegen Aids

Das UN-Programm zur Bekämpfung von Aids, UNAIDS, lobte die Entscheidung des Obersten Gerichts in Botswana. Die Entkriminalisierung helfe auch dem Kampf gegen Aids, erklärte die Organisation mit Sitz in Genf.

Das Urteil stelle die "Privatsphäre, den Respekt und die Würde für die LGTB-Gemeinschaft in dem Land" wieder her, erklärte UNAIDS-Generalsekretärin Gunilla Carlsson. 

Das dünn besiedelte Botswana mit seinen 2,3 Millionen Einwohnern hat eine der höchsten HIV-Infektionsraten der Welt. Nach Angaben von UNAIDS haben 22,3 Prozent der zwischen 15- und 49-Jährigen in dem Land das Virus.

"Homosexuelle verdienen den Schutz ihrer Rechte"

"Schwule Männer sind auf viele medizinischen Leistungen angewiesen, von denen Krankenpfleger nichts wissen. Und wenn wir in staatliche Krankenhäuser gehen, müssen wir uns oft negative Kommentare anhören", sagte der botsuanische Sozialarbeiter Game Tsie der Nachrichtenagentur AFP. 

Bereits in den vergangenen Jahren hat sich die rechtliche und gesellschaftliche Lage für Homosexuelle in Botswana verbessert. Im Dezember verurteilte auch Botswanas Präsident Mokgweetsi Masisi geschlechterbedingte Gewalt. Viele Homosexuelle in Botswana hätten Gewalt erfahren und "in Stille gelitten", so Masisi. "Genau wie andere Bürger verdienen sie den Schutz ihrer Rechte", sagte der Präsident damals.

(as/afp)

So schön war der Tuntenspaziergang

LGBTI* - was steckt hinter dem Kürzel?

Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Nach Gipfel in Berlin: 7 Fragen, die Libyens Zukunft entscheiden

In Libyen kämpfen zwei Regierungen um die Macht. Sie erhalten Unterstützung von unterschiedlichen ausländischen Mächten. Das macht den Konflikt so kompliziert. Zudem herrscht großes Misstrauen.

Seit bald neun Jahren tobt in Libyen ein Bürgerkrieg – nun will der Berliner Libyen-Gipfel mit seiner Abschlusserklärung den Weg zurück zu einem politischen Prozess bahnen. Vertreten waren die wichtigsten Mächte, die in dem Bürgerkriegsland mitmischen.

Ihr neun Seiten langes Dokument enthält zahlreiche Punkte, die zum Ende der Gewalt führen sollen. Doch schon die Unterzeichner selbst vermeiden jede Euphorie. Sie wissen, dass die Umsetzung des Abkommens schwer werden wird.

Ein …

Artikel lesen
Link zum Artikel