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Eine Frau lässt sich auf Corona testen. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / Jelena Stanojkovic

Analyse

Selbsttest, Schnelltest, PCR-Test: So funktionieren sie – und so sicher zeigen sie Corona an

Inzwischen hat wohl jeder Deutsche in irgendeiner Form einen Corona-Test hinter sich. In Kitas, Schulen und zunehmend auch in Büros, sind regelmäßige Testungen an der Tagesordnung. Einige Regionen gehen noch weiter und wollen Menschen mit negativem Testergebnis sogar einen Shopping-Tag oder einen Restaurantbesuch ermöglichen.

So startete zum Beispiel im Saarland am Dienstag ein Öffnungsmodell. Dort können Außengastronomie, Fitnessstudios Theater und Kinos wieder besucht werden – Zugangsvoraussetzung ist ein negativer Corona-Test. Kritiker halten das inmitten der dritten Pandemie-Welle für risikoreich, besonders, weil die Schnelltests fehleranfällig sein sollen.

Aber ist das wahr? Welche Tests gibt es inzwischen? Und wann kommt welcher zum Einsatz? Watson verschafft euch einen Überblick.

Was sind die Kriterien?

Wer die Korrektheit eines Tests-Ergebnisses einschätzen möchte, muss ganz allgemein drei Kriterien im Auge haben:

Für alle Tests gilt, dass sie ordnungsgemäß durchgeführt werden müssen, um ein verlässliches Ergebnis zu erzielen. Das ist eigentlich logisch. Aber besonders im Falle der Selbsttests, die auch der Laie zu Hause machen kann, nicht immer garantiert. Das bemängelt auch Epidemiologe Timo Ulrichs gegenüber watson. Wenn beim Test nur halbherzig mitgemacht werde, das Wattestäbchen zur Probeentnahme zum Beispiel nicht tief genug in die Nase geschoben wird, "bleibt die Unsicherheit, ob ausreichend Material gewonnen wurde, also die Gefahr falsch-negativer Ergebnisse."

Bei ordnungsgemäßer Anwendung wird die Korrektheit der Test-Ergebnisse nach Spezifität und Sensitivität eingestuft. Die Spezifität zeigt an, wie viele Gesunde tatsächlich als negativ getestet angezeigt werden. Die Sensitivität zeigt im Gegenzug an, wie viele Kranke auch tatsächlich positiv getestet werden.

Zwei Beispiele: Bei einem Test mit 98-prozentiger Sensitivität werden also 98 von 100 Infizierten erkannt, zwei erhalten ein "falsch-negatives" Ergebnis. Bei einem Test mit 98-prozentiger Spezifität werden 98 von 100 Gesunden als gesund erkannt, zwei erhalten ein "falsch-positives" Ergebnis. Das Robert-Koch-Institut (RKI) erläutert die Thematik hier sehr anschaulich anhand von Schnelltests.

Ausschlaggebend ist aber auch der Zeitpunkt des Tests. Ist die Infektion noch am Anfang oder bereits am Abklingen, ist auch die durch den Test erfassbare Viruslast noch gering. Theoretisch ist man dann zwar auch weniger ansteckend für andere, allerdings kann sich das schnell ändern. Hat man heute also noch einen negativen Test erhalten, weil die Infektion gerade erst begann, kann man schon einen Tag später eine sehr viel höhere Viruslast in sich tragen, die vom Test seinerzeit noch nicht erfasst wurde.

PCR-Test

Der PCR-Test ist der sicherste, wenn auch der aufwändigste, aller Corona-Tests. Er kann nur von Fachpersonal durchgeführt werden und wird durch ein Labor ausgewertet. PCR-Tests liefern nur eine Momentaufnahme und werden eingesetzt, um einen positiven Schnell- oder Selbsttest abzusichern und konkrete Corona-Verdachtsfälle zu untersuchen.

Funktionsweise: Mit einem Wattestäbchen entnimmt der Arzt Material tief aus dem Mund-, Nase- oder Rachenraum. Das ist unangenehm und führt bei vielen Menschen zu einem Nies- oder Würgereiz. Im Labor kann dann nach etwa 24 Stunden das Erbmaterial des Covid-19-Virus in der entnommenen Materialprobe nachgewiesen werden. Der Vorteil hier: Kommt es zu einem unklaren Ergebnis, kann das Labor weitere Testungen durchführen, um zu schauen, wo der Fehler liegt.

Sicherheit: Alle Hersteller von PCR-Tests, die in Deutschland im Umlauf sind, geben eine Spezifität und Sensitivität von über 98 Prozent an, von "Goldstandard" ist oft die Rede. Allerdings beziehen sich diese Werte auf Laborbedingungen. Zur Menge falsch-negativer und falsch-positiver Ergebnisse in der Praxis gibt es derzeit noch keine ausschlaggebenden Zahlen.

(PCR)-Schnelltest

PCR-Schnelltests werden vor allem in Pflegeheimen und Notaufnahmen durchgeführt, um schnell Corona-Infektionen nachweisen zu können, ohne ein Labor nutzen zu müssen.

Funktionsweise: Sie funktionieren im Kern genau wie normale PCR-Tests, das Labor wird aber in einem kleinen Testkit "mitgeliefert". So entfallen Transport- und Bearbeitungszeiten, das Ergebnis des Abstrichs steht nach etwa zwei Stunden fest.

Risiken: Das Testkit zeigt nur negative, positive oder unklare Ergebnisse an. Unklare Ergebnisse können nicht weiter aufgeschlüsselt werden. Das macht sie entsprechend unzuverlässiger als die PCR-Tests aus dem Labor.

Antigen-Schnelltests

Kostenlose Antigentests werden für die breite Bevölkerung inzwischen in vielen Apotheken angeboten und kommen auch im Saarland nun vermehrt zum Einsatz. Ihr Vorteil: Das Ergebnis ist nach zwanzig Minuten da.

Funktionsweise: Im Gegensatz zu PCR-Tests erfasst der Antigentest nicht das eigentliche Erbgut, sondern nur Proteine aus der Hülle des Coronavirus. Auch der Antigentest wird mit einem Rachenabstrich durch Fachpersonal entnommen. Das dann vorliegende Material kann aber, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest, durch eine Testkassette vor Ort ausgewertet werden.

Sicherheit: Die Antigen-Tests müssen in Deutschland eine Sensitivität von über 80 Prozent und eine Spezifität von über 97 Prozent vorweisen (Mindestkriterien des Paul-Ehrlich-Institut). Man verlässt sich dabei allerdings – bis auf Stichproben – auf die Angaben der Hersteller.

Risiken: Experten weisen außerdem darauf hin, dass die Konzentration der viralen Nukleoprotein-Antigene (die eben bei diesem Test untersucht wird) im Verlauf der Infektion schwankt und gerade zu Beginn noch unter die zu erfassende Nachweisgrenze sinken kann. Heißt: Der Test ist wirklich nur eine Momentaufnahme und kann ein negatives Ergebnis liefern, obwohl das Virus durchaus im Körper ist.

Selbsttest

Selbsttests sind bei Discountern und Drogerien für jedermann erhältlich (sie kosten etwa 5 Euro pro Stück) und können auch von Laien zu Hause durchgeführt werden. Alle bei uns zugelassenen Laien-Tests sind hier durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aufgelistet.

Funktionsweise: Die Laien-Selbsttest sind im Aufbau eigentlich Antigen-Schnelltests und funktionieren genauso. Der Abstrich aus Rachen oder Nase wird dabei aber selbstständig durchgeführt, medizinisches Fachpersonal ist nicht erforderlich. Entnommenes Material aus Nase oder Rachen wird dann auf einen Teststreifen gegeben, der zumeist ein Kontrollfeld (C) und ein Ergebnisfeld (T) anzeigt – zeigen sich zwei Striche, kann das eine Corona-Infektion bedeuten. Selbsttester sind angehalten, in einem solchen Fall einen PCR-Test beim Arzt zur Überprüfung zu machen.

Sars-CoV-2 Schnelltests des chinesischen Herstellers Xiamen Boson Biotech zur Eigenanwendung werden z. B. vom Discounter Lidl geliefert. Corona Schnelltest *** Sars CoV 2 rapid tests of the Chinese manufacturer Xiamen Boson Biotech for self-testing are supplied e.g. by the discounter Lidl Corona rapid test

Ähnlich wie beim Schwangerschaftstest: ein Strich bedeutet ein negatives Testergebnis, zwei Striche positiv. Bild: www.imago-images.de / Juergen Schwarz

Sicherheit: Auch für die Selbsttests gelten die Mindestkriterien der Antigen-Tests (also 80 Prozent Sensivität, 97 Prozent Spezifität).

Risiken: Das Hauptproblem sehen Experten des Robert-Koch-Instituts in der Interpretation der Tests durch Laien, wie sie in einem Bulletin beschreiben. Es müsse deutlich gemacht werden, dass ein positives Ergebnis gemeldet werden müsse und ein negatives Ergebnis kein Freifahrtschein sei: "Ein negatives Testergebnis schließt eine Sars-Cov-2-Infektion nicht aus! Auch bei korrekter Testdurchführung ist es lediglich weniger wahrscheinlich zum Zeitpunkt der Testung, für andere ansteckend zu sein", so die Wissenschaftler. Auch bei negativem Selbsttest müssten die AHA-Regeln eingehalten werden.

Antikörpertest

Antikörpertests gibt es in Form von Labor- oder Schnelltests. Sie weisen keine akute Corona-Infektion nach, sondern zeigen auf, ob der Körper in der Vergangenheit bereits an Covid-19 erkrankte. Die Antikörpertests werden kommerziell angeboten (Kosten etwa 50 Euro) oder auch beim Arzt durchgeführt. Interessant sind sie vor allem für die Forschung, im Einzelfall aber auch für Pfleger, Ärzte oder Risikogruppen.

Funktionsweise: Im Rahmen eines Schnelltests (auf einer Testkassette) oder eines Labortests (Probe wird eingeschickt) wird das Blut des Getesteten auf Antikörper untersucht. Schon etwa zwei Wochen nach einer Covid-19-Erkrankung können entsprechende Antikörper nachweisbar sein.

Sicherheit: Die Antikörper-Labortests sollen mit einer Spezifität und Sensitivität von jeweils rund 99 Prozent ziemlich sicher sein, die Schnelltests hingegen schnitten nicht ganz so gut ab (zirka 95 Prozent).

Risiken: Wer bereits Antikörper gegen Covid-19 hat, scheint laut aktuellen Forschungsergebnissen zwar eine Weile immun gegenüber dem Virus zu sein. Garantiert ist das jedoch nicht. So erkrankten auch bereits immunisierte Menschen an neuen Corona-Mutationen, zuletzt zahlreich in Brasilien. Ein positiver Antikörpertest heißt also leider nicht automatisch, dass man nicht erneut erkranken könne. Entsprechend sei auch nach einem positiven Antikörpertest weiter Vorsicht angebracht.

(mit Material von dpa)

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