Für viele Arbeitgeber:innen sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie immer noch zu spüren.
Für viele Arbeitgeber:innen sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie immer noch zu spüren.bild: getty images / BartekSzewczyk
Analyse

Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich spürbar: Diese Probleme machen Arbeitgebern zu schaffen

18.08.2022, 11:5618.08.2022, 12:04

In vielen Branchen herrscht zurzeit Personalmangel. Das liegt – trotz sinkender Infektionszahlen und Hospitalisierungsraten – zu einem großen Teil an der Corona-Pandemie. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit immerhin noch bei rund 326 Neuinfektionen. Die Dunkelziffer könnte jedoch um einiges höher sein, da viele Erkrankte ihre Corona-Infektion nicht mehr offiziell melden und allgemein weniger getestet wird.

Nach mehr als zwei Jahren Pandemie und mehreren Infektionswellen unterschiedlicher Intensität haben sich viele wirtschaftliche Betriebe noch nicht ganz erholt.

Im Gespräch mit watson berichten Arbeitgeber:innen, wie es derzeit um ihr Personal steht und vor welchen Herausforderungen sie stehen.

Friseurhandwerk

Heiko Schneider ist Friseur und führt einen Betrieb mit knapp 30 Mitarbeiter:innen im sächsischen Hoyerswerda. Gegenüber watson berichtet er, dass die Krankheitsfälle seit der Corona-Pandemie spürbar gestiegen sind: "Vor Corona hatten wir im Durchschnitt immer zwei Mitarbeiter, die parallel krank waren. Jetzt sind es regelmäßig wöchentlich vier. Wobei das verschiedene Gründe hat. Nicht alle Krankheitsfälle sind auch Coronafälle, aber sie addieren sich."

Das Friseurhandwerk ist eine körpernahe Dienstleistung – ein Problem zu Corona-Zeiten.
Das Friseurhandwerk ist eine körpernahe Dienstleistung – ein Problem zu Corona-Zeiten. bild: unsplash

Von vier Krankmeldungen erfolge in etwa eine wegen Corona, sagt Schneider. Doch nicht nur direkte Krankheitsfälle haben Einfluss auf den Betrieb: "Ein Großteil unserer Belegschaft sind Mütter mit Kindern. Und dann addieren sich die Krankheiten der Mitarbeiter mit denen der Kinder der Mitarbeiter." Zudem werden natürlich nicht nur Mitarbeiter:innen krank, sondern auch die Kund:innen.

Schneider führt aus:

"Die größte Aufgabe, die wir täglich erledigen müssen, ist, Termine zu verschieben. Das lässt sich nicht in einem normalen Betrieb durchhalten, es fühlt sich die ganze Zeit an wie Notbetrieb. Auf der einen Seite hat man zu wenige Mitarbeiter, und auf der anderen Seite wechselnde Kundentermine. So laufen die meisten Betriebe circa zehn bis 20 Prozent unter ihrem Niveau vor der Corona-Pandemie."

Nicht nur finanziell leiden die Friseurbetriebe. Auch mental sind die Mitarbeiter:innen von der Pandemie mitgenommen, wie Schneider erzählt: "Man merkt, wie erschöpft die Gesellschaft nach zwei Jahren Corona-Pandemie ist. Es kommt zu einer erhöhten Zahl von Krankheiten der unterschiedlichsten Art."

"Unsere Branche steht vor existenziellen Sorgen. Im Moment machen uns beispielsweise die steigenden Energiepreise zu schaffen."
Heiko Schneider, Friseur

Um die Personalausfälle durch Krankheiten auszugleichen, müsse man genügend Angestellte haben und diesen auch entgegenkommen, was ihre Arbeitszeiten betreffe. "Wir haben bei unseren knapp 30 Mitarbeitern ungefähr 18 verschiedene Schichtmodelle. Um die Krankheitsausfälle und die Teilzeit zu kompensieren, müssen wir den Mitarbeitern eine starke Flexibilität bieten", erzählt Schneider. Der Planungsaufwand sei dadurch noch um einiges größer geworden.

Nicht nur die Personalproblematik belastet die Betriebe, durch die Energiekrise haben es Friseursalons seit kurzem noch schwerer. Schneider fasst zusammen: "Unsere Branche steht vor existenziellen Sorgen. Im Moment machen uns beispielsweise die steigenden Energiepreise zu schaffen."

Bus und Bahn

Auch im öffentlichen Nahverkehr fehlt es derzeit an Personal. Dies liege unter anderem am hohen Krankenstand während der Corona-Pandemie, wie der Pressesprecher der Berliner Verkehrsbetriebe, Jannes Schwentu, auf watson-Anfrage bestätigt. Er meint: "Seit einer Weile gibt es keine Meldepflicht mehr gegenüber dem Arbeitgeber. Wir sind uns jedoch sehr sicher, dass Corona einen großen Einfluss auf die Krankenstände hat. Das wissen wir durch die freiwilligen Meldungen."

Im öffentlichen Nahverkehr gibt es – wie in vielen Branchen – zurzeit Nachwuchsprobleme.
Im öffentlichen Nahverkehr gibt es – wie in vielen Branchen – zurzeit Nachwuchsprobleme. bild: getty images / Fernando Valero Lopez

Aufgrund der erhöhten Zahl an Krankmeldungen wird die Leistung der Berliner Buslinien um drei Prozent gekürzt – jedoch erst nach Ende der Sommerferien. In Berlin ist das der 22. August. Die Fahrplanumstellungen sollen planbar bleiben. "Diese drei Prozent sind mehr, als uns lieb sind und es tut auch etwas weh, doch es ist besser, wenn die Strecken planbar entfallen", erklärt Schwentu. Auf diese Weise hätten auch die Fahrgäste im Vorfeld genügend Zeit, sich darauf einzustellen.

"Der Arbeitsmarkt ist sehr angespannt, auch in anderen Verkehrsbetrieben."
Jannes Schwentu, BVG-Pressesprecher

Bereits zu Beginn des Jahres hatte die BVG ihren Gesamtbetrieb um rund fünf Prozent herunterfahren müssen. Das lag zum Teil an der Corona-Winterwelle, die Deutschland zu diesem Zeitpunkt überrollte. Doch es gibt auch andere langfristige Probleme in der Branche. "Grundsätzlich ist der Arbeitsmarkt sehr angespannt, auch in anderen Verkehrsbetrieben", meint der BVG-Pressesprecher.

Gastronomie

Es ist mittlerweile bekannt, dass in der Gastronomie ein gravierender Personalmangel herrscht. Besonders zur aktuellen Urlaubszeit können viele Hotels und Restaurants ihren normalen Betrieb nicht aufrechterhalten, sondern müssen das fehlende Personal durch Maßnahmen kompensieren.

Eine Pressesprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga erläutert gegenüber watson: "Viele Betriebe sehen sich gezwungen, Öffnungszeiten zu verkürzen, Ruhetage einzuführen oder das Angebot der Speisekarte zu minimieren." Wie die Betriebe auf den Fach- und Arbeitskräftemangel reagieren, sei jedoch abhängig von Standort und Konzept.

In der Gastronomie- und Hotelleriebranche herrscht besonders seit der Corona-Pandemie ein starker Fachkräftemangel.
In der Gastronomie- und Hotelleriebranche herrscht besonders seit der Corona-Pandemie ein starker Fachkräftemangel. Bild: www.imago-images.de / imago images

Die Pressesprecherin des Dehoga-Bundesverbands erklärt weiter: "Unabhängig vom Krankenstand gehört der Arbeits- und Fachkräftemangel indes zu den aktuell drängendsten Herausforderungen für die Branche." Laut einer aktuellen Dehoga-Umfrage beklagen mehr als 60 Prozent der Betriebe das Fehlen von Mitarbeitern.

Ähnlich wie in anderen Branchen sind es nicht nur die hohen Krankenstände aufgrund der Corona-Sommerwelle und der ohnehin vorherrschende Personalmangel, es gibt auch weitere Probleme, die den Unternehmern und Arbeitgebern Sorgen bereiten. Laut einer Umfrage im Juli 2022 belasten vor allem die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise die Betriebe. Zumindest was den Personalmangel angeht, hofft Dehoga-Präsident Guido Zöllick auf ausländische Arbeitskräfte und dahingehend auf mehr Unterstützung aus der Politik.

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