Bild

Ab Samstag gilt die Notbremse mit nächtlicher Ausgangssperre. Bild: Cultura RF / Eugenio Marongiu

Analyse

watson-Umfrage: Für die Mehrheit ändert sich der Alltag durch nächtliche Ausgangssperren nicht

Das Infektionsschutzgesetz tritt am Samstag in Kraft. "Die Lage ist ernst", warnt Gesundheitsminister Jens Spahn immer wieder. "Wir haben weiterhin eine schwierige Situation auf den Intensivstationen", sagte er am Freitag bei der Bundespressekonferenz. Auch Ärzte warnen immer wieder vor der Überlastung des Gesundheitssystems. Deshalb handelte die Bundesregierung jetzt und ergänzte das Infektionsschutzgesetz um den Paragrafen 28b. Dieser beinhaltet eine bundeseinheitliche Corona-Notbremse mit nächtlicher Ausgangssperre.

Diese Ausgangssperre gilt ab einem Infektionsgeschehen von über 100 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Zwischen 22 und 5 Uhr ist es dann nicht mehr erlaubt, zu Hause Besuch zu empfangen oder andere Leute draußen zu treffen. Man darf lediglich bis 24 Uhr alleine spazieren oder joggen. Später muss man bei einer Kontrolle draußen einen "triftigen Grund" wie Arbeit, medizinische Notfälle, Hilfe für zu Betreuende oder Tierversorgung glaubhaft machen.

Spahn sagte dazu am Freitag: "Der Bereich der privaten Kontakte fällt am schwersten". Ausgangsbeschränkungen seien eine Freiheitsbeschränkung. "Das ist hart, es fällt schwer, aber es ist für eine Übergangszeit notwendig." Denn es gehe jetzt darum, die dritte Welle zu brechen. Wie die Menschen zu dieser Ausgangssperre stehen, zeigt eine exklusive Umfrage, die watson gemeinsam mit Civey durchführte.

Der Befragungszeitraum war vom 21. bis 23. April. Zu den Fragen äußerten sich 5082 Teilnehmer. Laut Civey ist das Ergebnis repräsentativ.

Viele Menschen fühlen sich nur wenig eingeschränkt

Bild

bild: civey

Knapp 70 Prozent der Befragten (Stand: Freitag, 17 Uhr) fühlt sich durch nächtliche Ausgangssperren in ihrer Freiheit nur "weniger stark" oder sogar "gar nicht" eingeschränkt. Doch immerhin 26 Prozent fühlen sich "sehr stark" oder "eher stark" eingeschränkt.

Bild

bild: civey

Dabei fällt ein großer Unterschied zwischen den verschiedenen Altersgruppen auf. Es wird klar: Jüngere Menschen fühlen sich stärker eingeschränkt. Rund 42 Prozent der Menschen zwischen 18 und 29 Jahre geben an, sich stark eingeschränkt zu fühlen. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es circa 35 Prozent. Bei den Über-65-Jährigen sind es dann nur noch rund 11 Prozent.

Keine großen Unterschiede gibt es hingegen zwischen Männern und Frauen. Gut 29 Prozent der Männer fühlen sich stark eingeschränkt. Bei den Frauen sind es mit rund 24 Prozent etwas weniger.

Schaut man sich dann an, welche Wahlabsichten die Menschen auf Bundesebene haben, wird deutlich: Wähler der CDU/CSU, der SPD oder der Grünen fühlen sich überwiegend nur wenig in ihrer Freiheit eingeschränkt. Hier geben nur zwischen 14 Prozent (Wähler der CDU/CSU) und 18 Prozent (Wähler der Grünen) an, sich stark eingeschränkt zu fühlen. Am stärksten eingeengt fühlen sich Wähler der AfD, hier geben rund 71 Prozent an, sich stark eingeschränkt zu fühlen. Und auch die Wähler der FDP geben mit circa 56 Prozent überwiegend an, sich stark eingeschränkt zu fühlen.

Alltag ändert sich nicht

Es wird deutlich: Für viele Menschen ändert sich gar nicht so viel durch die nächtliche Ausgangssperre. Knapp 76 Prozent der Befragten geben an, dass sich an ihrem Alltag nichts verändern wird.

Bild

bild: civey

Hier zeigt sich auch durch alle Altersgruppen hinweg eine einheitliche Tendenz. Bei den 18- bis 29-Jährigen geben knapp 67 Prozent an, dass sich nichts ändern wird. Bei den Über-65-Jährigen sind es sogar knapp 83 Prozent.

Und auch zwischen den Geschlechtern gibt es kaum einen Unterschied. Unter den Männern geben knapp 74 Prozent an, dass sich in ihrem Alltag durch die nächtliche Ausgangssperre nichts ändern wird. Bei den Frauen sind es 78 Prozent.

Klar ist: Nächtliche Ausgangsbeschränkungen gehören zu den umstrittensten Punkten des Infektionsschutzgesetzes und auch über ihren Einfluss auf das Infektionsgeschehen wird noch diskutiert. In anderen Ländern hat sich zwar durchaus gezeigt, dass nach der Einführung einer nächtlichen Ausgangssperre die Zahlen der Corona-Neuinfektionen sanken. Es ist aber nicht geklärt, wie viel Anteil diese Maßnahme daran hatte. In der Regel wurde sie von weiteren Vorgaben wie strengeren Kontaktbeschränkungen und gegebenenfalls Schulschließungen flankiert.

(mit Material von dpa)

watson-Story

"Es ist ein Kampf an vielen Fronten" – Long-Covid-Betroffene sprechen über die Folgen ihrer Infektion

"Das einzige, was ich mache, ist zu Ärzten laufen, mich irgendwie durchkämpfen und versuchen, dass mich jemand hört", sagt Carina. Zwischen den Diskussionen um Impfungen, den Streits um Öffnungsstrategien und den Debatten um Infektionszahlen gehen Menschen wie sie unter: Menschen, die an Covid-19 erkrankten und auch Monate später nicht gesund sind.

Diese ganz verschiedenen anhaltenden Beschwerden nach einer Infektion heißen Long-Covid oder Post-Covid. Die häufigsten Long-Covid-Symptome sind …

Artikel lesen
Link zum Artikel