In der Silvesternacht muss die Feuerwehr oft ausrücken – dass sie dabei attackiert wird, ist jedoch neu.
In der Silvesternacht muss die Feuerwehr oft ausrücken – dass sie dabei attackiert wird, ist jedoch neu. Bild: iStockphoto / Tim Freitag
Analyse

Silvester-Attacken auf die Feuerwehr: So schützen sich Einsatzkräfte gegen Randalierer

04.01.2023, 19:31

Nach zwei Jahren Feuerwerksverbot hatte man diese Silvesternacht etwas Übermut erwartet. Wie sehr die Situation in vielen großen Städten wie Berlin, Köln oder Hamburg aber eskalierte, schockierte nicht nur Bewohner:innen und Politiker:innen. Auch hartgesottene Rettungskräfte zeigten sich erschüttert.

Berichten zufolge gab es Silvester 2022 nicht nur Schlachten mit Feuerwerkskörpern und mutwillige Brandstiftung. Einsatzkräfte wurden in Berlin in Hinterhalte gelockt, attackiert und an den Löscharbeiten gehindert.

Watson hat bei der Berliner Feuerwehr nachgefragt: Welche Schutzmaßnahmen haben Feuerwehrleute in solchen Fällen und wie gehen sie vor, wenn sie bei Rettungseinsätzen auf aggressive Menschen treffen?

"Wir rechnen eigentlich nicht damit, angegriffen zu werden", sagt Kevin Bartke, Sprecher der Berliner Feuerwehr, gegenüber watson. "Denn wenn wir irgendwohin kommen, sind wir ja 'die Guten'. Wir wollen eine Gefahr abwenden."

Kevin Bartke arbeitet bei der Berliner Feuerwehr.
Kevin Bartke arbeitet bei der Berliner Feuerwehr.Berliner feuerweher/Janina wagner

Deshalb gibt es auch keine besonderen Schutzmaßnahmen für Feuerwehrleute. Zwar haben diese sowieso einen gewissen Schutz durch ihre schwere Ausrüstung samt Helm. Im Notfall geht aber Eigenschutz vor.

So berichtet Bartke vom Standardvorgehen der Feuerwehr:

"Wir fahren zum Einsatz und merken, da baut sich etwas auf, die Leute sind uns gegenüber vielleicht aggressiv. Dann ist es ganz wichtig, dass unser Eigenschutz vorgeht. Das heißt, wir ziehen uns entsprechend in einen sicheren Bereich zurück und gleichzeitig alarmieren wir die Polizei."

Die Polizist:innen klären dann die Situation und "verschaffen uns den Freiraum, den wir vor Ort brauchen. Und dann können wir mit den eigentlichen Aufgaben anfangen." Zum Beispiel löschen oder Personen retten. Es werde jedoch nicht versucht, die Situation körperlich zu lösen. Das sei auch nicht die Aufgabe der Feuerwehr.

Übergriffe auf Feuerwehrleute sind nicht ungewöhnlich

Natürlich sei man sich der potenziellen Gefahr trotzdem bewusst. "Das hat man immer im Kopf." Wenn ein Rettungswagen allein an einer Einsatzstelle ist, fährt zur Eigensicherung ein Löschfahrzeug zur Unterstützung mit.

"Das ganze Jahr kommt es zu verbalen oder tätlichen Auseinandersetzungen, wo wir entweder beschimpft werden oder man uns auch körperlich angreift."
In vielen Städten brannten Autos aus, in Berlin sogar ein Reisebus.
In vielen Städten brannten Autos aus, in Berlin sogar ein Reisebus. Bild: iStockphoto / RStokesPhoto

Dabei sind die Feuerwehrmänner und -frauen Übergriffe gewohnt. "Das ganze Jahr kommt es zu verbalen oder tätlichen Auseinandersetzungen, wo wir entweder beschimpft werden oder man uns auch körperlich angreift." Darauf werden die Einsatzkräfte schon in ihrer Ausbildung vorbereitet. Zwar nicht in Form von Selbstverteidigungskursen, jedoch lernen die Anwärter:innen, gefährliche Situationen zu erkennen und das richtige Verhalten in einem solchen Fall.

"Man muss sich das mal ausmalen: Man sitzt im Fahrzeug und wird beschossen."

Man war zwar darauf gefasst, dass die Lage an Silvester immer etwas brisanter sei wegen der Feuerwerkskörper: "Wir gehen an Silvester immer davon aus, dass wir hier und dort beschossen werden." Aber nicht in diesem Ausmaß. Bartke selbst hatte dieses Jahr an Silvester glücklicherweise frei. Er erfuhr erst im Nachgang von den Vorfällen.

Viele Feuerwehrmänner und -frauen empfänden es als frustrierend, dass sie bei einem Hilfseinsatz angegriffen werden, berichtet Bartke. "Man muss sich das mal ausmalen: Man sitzt im Fahrzeug und wird beschossen. Das sind physische und psychische Wunden und das müssen wir aufarbeiten." Zu diesem Zweck gibt es eine spezielle Einsatznachsorge, in deren Rahmen jeder Rettungskraft ein Gespräch angeboten wird.

Damit soll vermieden werden, dass die Einsatzfähigkeit der Feuerwehrleute leidet, "aber auch, um präventiv zu verhindern, dass sich irgendwelche Ängste ins Gedächtnis einbrennen."

Jede Behinderung einer Einsatzkraft kann ein Leben in Not kosten

Eine Häufung von Übergriffen auf Feuerwehrleute lasse sich über das Jahr hinweg nicht feststellen, nur an Silvester werde es immer extremer. Jeder dieser Überfälle wird zur Anzeige gebracht. "Da gibt es keine Toleranz." Denn jede Hinderung der Einsatzkräfte kann tödlich sein.

"Wenn man einen lebensgefährlich verletzten Menschen transportiert, in solchen Situationen kann das letztendlich auch den Tod von jemandem bedeuten."

So berichtet Bartke von einem Einsatz, bei dem ein Rettungswagen vom Deutschen Roten Kreuz mit Feuerlöschern beworfen wurde:

"Das ist mit einem Riesenaufwand verbunden. Es muss ein neuer Rettungswagen kommen, die Patientin muss umgeladen werden, wir haben eine Verzögerung im Transport und in der Versorgung. Wenn man wirklich einen lebensgefährlich verletzten Menschen transportiert in solche Situationen, kann das letztendlich auch den Tod von jemandem bedeuten."

Die Politik diskutiert über Gegenmaßnahmen

In der Politik wird seit Silvester heftig über ein Böllerverbot diskutiert. Mehr als jeder dritte Deutsche (36 Prozent) ist laut einer repräsentativen Civey-Umfrage von "Business Insider" dafür. "Für uns wären Böllerverbotszonen gut, auch wenn die immer mit einem großen Polizeiaufgebot verbunden sind", befürwortet Feuerwehrmann Bartke diesen Vorschlag.

"Silvester wird ganz sicher wiederkommen und da sollte man nicht vor der gleichen Situation wie im vergangenen Jahr stehen."

Auch der Einsatz von Sicherheitskameras könnte helfen, Randalierer zur Verantwortung zu ziehen. Eine Idee, die gerade in der Politik diskutiert wird. Diese sollen an Rettungswagen und Polizeiautos angebracht werden und Randalierer identifizieren.

Doch egal was kommt, etwas muss sich ändern: "Silvester wird ganz sicher wiederkommen und da sollte man nicht vor der gleichen Situation wie im vergangenen Jahr stehen."

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