Leben
Frau versinkt in einem Strudel PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xDanxMitchellx 32560018

Woman sinks in a Strudel PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright xDanxMitchellx 32560018

Bild: imago stock&people

"Psychoreport 2019": Krankmeldungen wegen psychischer Probleme haben Höchststand erreicht

Man könnte beim Blick auf diese Zahlen auf die Idee kommen, die deutsche Gesellschaft hätte über die Jahre einen heftigen seelischen Knacks erlitten:

In ihrem "Psychoreport 2019" hat die Krankenkasse die Fehltage ihrer Versicherten in den vergangenen 20 Jahren ausgewertet. Demnach haben die Krankschreibungen von Arbeitnehmern wegen psychischer Leiden im Jahr 2017 einen Höchststand erreicht.

Woran liegt das?

Wird unsere Arbeitswelt immer brutaler? Oder macht uns der Alltag heute eher psychisch krank als früher?

Nicht unbedingt, findet DAK-Vorstandschef Andreas Storm: "Vor allem beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heutzutage kein Tabu mehr." Deshalb werde auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen. Diese Einschätzung wird von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) geteilt. Linke, Grüne und der Deutsche Gewerkschaftsbund verweisen dagegen auch auf einen gestiegenen Arbeitsstress als Ursache.

Über den Gesamtzeitraum der DAK-Untersuchung hinweg fehlten Arbeitnehmer am häufigsten wegen der Diagnose Depression. Dahinter folgen sogenannte Anpassungsstörungen – diese treten zum Beispiel nach schweren Schicksalsschlägen auf oder nach einschneidenden Veränderungen im Leben. Danach kommen neurotische Störungen und Angststörungen. "Burn-Out" spielt kaum eine Rolle. Seit 2012 habe diese Diagnose im Krankheitsgeschehen deutlich an Relevanz verloren, heißt es.

Unumstritten sei, dass die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen einen wesentlichen Anteil am Anstieg der Krankmeldungen habe, sagte eine DGPPN-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Dass heutzutage offen über psychische Erkrankungen gesprochen werden kann, ist aus Sicht der DGPPN sehr zu begrüßen". Der Verband fordert allerdings mehr Früherkennung und Prävention, denn die meisten psychischen Erkrankungen manifestierten sich bereits in den ersten Lebensjahrzehnten.

Das kann die Politik tun

Dass es nur daran liegt, dass die Leute heute psychische Probleme eher zugeben, glaubt Jutta Krellmann, die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, nicht. Ihrer Ansicht nach ist das Berufsleben stressiger geworden. "Viele Beschäftigte können ein trauriges Lied davon singen. Das darf nicht heruntergespielt werden", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Krellmann forderte eine Anti-Stress-Verordnung und entsprechende Arbeitsschutzkontrollen in den Unternehmen.

So eine Verordnung fordert auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte: "Der Gesetzgeber muss endlich handeln und darf nicht weiter tatenlos zuzusehen, wie Millionen Beschäftigte durch schlechte Arbeitsbedingungen einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind". Eine Umfrage im Auftrag der Versicherung Swiss Life hatte kürzlich ergeben, dass sich fast zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung im Job gestresst fühlen.

Frauen häufiger krank als Männer

Diskutiert wird über dieses Thema seit einiger Zeit auch unter dem Schlagwort "Work-Life-Balance". In diese Richtung zielt die Forderung der gesundheitspolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Maria Klein-Schmeink. "Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, die eine gesunde Lebensweise und Zeiten des Miteinanders ermöglichen und Arbeitsprozesse entschleunigen." Hier seien die besonders die Arbeitgeber gefragt. Nicht hinnehmbar seien außerdem Wartezeiten von über drei Monaten für ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten und fehlende Anlaufstellen bei akuten Krisen.

Der DAK-Report zeigt, dass die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen mit dem Alter kontinuierlich zunimmt. Frauen sind demnach deutlich häufiger wegen Seelenleiden krankgeschrieben als Männer. Besonders betroffen sind Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen. Im Ländervergleich sind die Bayern am wenigsten wegen psychischer Probleme krank (1,9 Fehltage pro Versichertem im Jahr 2018), die Saarländer am häufigsten (3,1 Fehltage).

(ts/dpa)

Armut in Deutschland

Intime Infos von Hartz-IV-Empfängern: Jobcenter muss Fehler zugeben

Link zum Artikel

"In meinen Kühlschrank geschaut": So dreist kontrolliert das Jobcenter Hartz-IV-Empfänger

Link zum Artikel

Millionen sahen Hartz-IV-Empfänger bei "Armes Deutschland" – jetzt rechnet er mit RTL 2 ab

Link zum Artikel

Wir haben mit Hartz-IV-Empfängern kein Mitleid – das muss sich ändern

Link zum Artikel

In ihrer Sendung macht Vera Int-Veen vor allem eins: Hartz-IV-Empfänger beschimpfen

Link zum Artikel

Hartz-IV-Empfänger als Schmarotzer? "Armes Deutschland" zeigt nur einen Teil der Wahrheit

Link zum Artikel

Hartz 4: Wie RTL 2 mit "Armes Deutschland" die Zuschauer manipuliert

Link zum Artikel

"Bezahlter Urlaub? Von wegen!" Hartz-IV-Empfängerin schildert ihren täglichen Kampf

Link zum Artikel

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Link zum Artikel

"Ich hatte mein Leben nicht so geplant": Sandra hat Krebs und lebt von Hartz IV

Link zum Artikel

Lea musste wegen Krankheit ihren Job aufgeben – wie die Studentin in Armut lebt

Link zum Artikel

Hartz IV: Jobcenter verhängten weniger Sanktionen als im Vorjahr

Link zum Artikel

Arzt für Arme erzählt: Wer zu ihm kommt, hat oft einen sozialen Abstieg hinter sich

Link zum Artikel

Winzer Arne: "Betriebe müssen sich überlegen, was ihnen Azubis wert sind!"

Link zum Artikel

Über Armut und Hartz IV redet man nicht. Der Hashtag #unten soll das ändern

Link zum Artikel

Jana bezieht bewusst Hartz IV: "Ich habe kein Kind bekommen, um es abzugeben"

Link zum Artikel

"An der Uni so: 90 Prozent haben sofort nen Job" – Daniel schafft das seit 4 Jahren nicht

Link zum Artikel

Schornsteinfeger Tim verdient 386 Euro – und zahlt noch das Zimmer für die Berufsschule 🤔

Link zum Artikel

"Ich konnte nur gründen, weil meine Eltern mich unterstützt haben" – Gründer Philip 

Link zum Artikel

"Ich möchte gar nicht Vollzeit arbeiten" – Musiker Hannes in unserer Armutsserie 

Link zum Artikel

"Menschen sehen Blumen als Billigprodukt": Floristin Stefanie in unserer Armutsserie 

Link zum Artikel

"Manchmal arbeite ich ohne Bezahlung" – Wie Tänzerin Larissa mit Armut zurechtkommt

Link zum Artikel

"Ich schalte im Winter den Kühlschrank ab" – Rentnerin Gertrud in unserer Armutsserie

Link zum Artikel

"Ich habe oft Schmerzmittel gespritzt" – Friseur Julian arbeitet, obwohl er krank ist

Link zum Artikel

Kai ist alleinerziehend und lebt vom Geld seiner Kinder

Link zum Artikel

Warum Katharina mit 24 Schulden aufnehmen muss

Link zum Artikel

Unsere Armutsserie startet: So lebt Jan mit 800 Euro im Monat

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Gynäkologin erklärt, warum Syphilis auf dem Vormarsch ist – und wie ihr euch schützt

Beethoven hatte sie, Schopenhauer und Oscar Wilde auch: Die Geschlechtskrankheit Syphilis grassierte unter anderem inmitten Intellektueller und Künstler des 19. Jahrhunderts – und sollte heute eigentlich kein Thema mehr sein.

Dennoch hat sich die Zahl der Syphilis-Fälle in Deutschland in diesem Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Zwischen 2007 und 2017 stieg die Anzahl der bestätigten Syphilis-Meldungen von durchschnittlich 4 auf 9,1 Fälle pro 100.000 Bürger.

Damit wurden zum ersten Mal seit 2000 mehr …

Artikel lesen
Link zum Artikel